Finale im Blue Note Junger Deutscher Jazzpreis 2017 geht nach Würzburg

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Das Jury-Votum beim Jungen Deutschen Jazzpreis mag polarisiert haben. Aber das Finale im Blue Note zeigt: Um die Zukunft des Jazz muss einem nicht bange werden.

Sind die drei nominierten Bands für den Jungen Deutschen Jazzpreis repräsentativ für den Nachwuchs, den deutsche Musikhochschulen ausbilden, muss man sich um die Zukunft des Jazz keine Sorgen machen. Dieses Fazit darf man nach dem Final-Konzert im Blue Note getrost ziehen: Die drei Bands, die die Jury nach Osnabrück eingeladen hat, bewegen sich auf hohem professionellen Niveau, und sie ein eigenständiges Profil entwickelt. Was die Entscheidung schwierig macht. Weiterlesen: So war der Junge Deutsche Jazzpreis 2016

Drei hervorragende Finalisten

Tatsächlich ist der fein arrangierte, episch ausladende Jazz des Anton Mangold Quartetts aus Würzburg genauso preiswürdig wie die durch die, dank der Oboe des Bandleaders, überraschenden Klangfarben des Fynn Großmann Quintetts aus Hannover wie der erfrischend risikoreiche Zugang des Simon Bellow Quartetts aus Köln. Und der schöne Umstand, dass die Felicitas und Werner Egerland Stiftung den Jungen Deutschen Jazzpreis fördert und zusätzlich zum Preis in Höhe von 3000 Euro für die beste Band weitere 1000 Euro für den besten Solisten stiftet, macht die Entscheidungsfindung nicht leichter.

Nun bemessen sich Attraktivität und Wertigkeit eines Preises nicht nur an der Höhe des Preisgelds, sondern auch ander Prominenz der Jury. Deshalb achtet das Institut für Musik (IfM), das den Jungen Deutschen Jazzpreis ja durchführt, auf Vielfalt und auf Qualität: Die Musikerseite vertritt die Komponistin, Gitarristin und Bigband-Leiterin Monika Röscher. Norbert Krampf hat das Hören zur Profession gemacht und schreibt darüber, unter anderem in der „FAZ“. Das IfM schließlich vertritt dieses Jahr Trompeten-Professor Frederik Köster – die Kompetenz des Jury steht außer Zweifel. Weiterlesen: 2014 hieß die Gewinnerin Tamara Lukasheva

Debattierfreudiges Publikum

Dass das Publikum die Entscheidung dann doch heiß diskutiert, spricht wiederum für die Debattenfreude, die Leidenschaft und auch den Sachverstand des Publikums. Keineswegs alle sind zum Beispiel mit dem Solistenpreis für den Sopran- und Altsaxofonisten Fabi dudek vom Simon Bellow Quartett einverstanden. Letztlich begründet die Jury ihr Votum mit dem „starken Statement“, das der junge Künstler mit seinem rauen, mitunter provokant aggressiven Spiel abgibt. Sogar der Umstand, dass der Mann polarisiert, wird zum Punkt auf der Habenseite, und da spielen dann Fragen unsauberer Intonation eine nachgeordnete Rolle. Weiterlesen: Niels Klein hat den Jungen Deutschen Jazzpreis erfunden

Den Bandpreis in Höhe von 3000 Euro erhält in diesem Jahr das Anton Mangold Quartett, und da muss man der Jury tatsächlich Weitblick und Intuition attestieren. Denn mit dem Preis in der Tasche und vom Wettbewerbsdruck befreit, kommt das Quartett ohne Umschweife zur Sache: Da spielen sie geradlinig nach vorne, mit ausdrucksstarkem Solo von Bandleader und Saxofonist Anton Mangold, gestützt von Bassist Thoeodor Spannagel und Pianist Felix Schneider. Und vom Drummer Zhitong Xu: Wenn er nicht Drums und Becken mit dem Besen streichelt – was selten passiert –, wird er zum Schlagzeugtier, das brüllt, stampft und wütet – das aber mit höchster Präzision und Energie. So fallen einem zwar die Ohren ab, aber Spaß hat‘s trotzdem gemacht. Und das gilt für den ganzen Abend mit den drei tollen Bands.


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