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Chancen und Risiken der Digitalisierung Erstes ökumenisches Wirtschaftsforum in Osnabrück

Von Stefan Buchholz

In der Schlossaula sprachen Kirchen- und Wirtschaftsvertreter mit der Wissenschaft über die Digitalisierung der Arbeitswelt. Auf dem Podium diskutierten unter anderem (von links) Dr. Birgit Klostermeier, Martin Schlichter und Prof. Dr. Uwe Kanning. Foto: Michael GründelIn der Schlossaula sprachen Kirchen- und Wirtschaftsvertreter mit der Wissenschaft über die Digitalisierung der Arbeitswelt. Auf dem Podium diskutierten unter anderem (von links) Dr. Birgit Klostermeier, Martin Schlichter und Prof. Dr. Uwe Kanning. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Schöne neue Arbeitswelt? Was bedeutet die Digitalisierung der Wirtschaft für den Menschen? Darüber sprachen beim 1. Ökumenischen Wirtschaftsforum Vertreter aus Kirche, Wirtschaft und Wissenschaft.

Den Aufschlag machte in einem Vortrag Uwe Kanning. Der Wirtschaftspsychologe der Hochschule Osnabrück stellte Programme zur Personaldiagnostik vor. Ihnen allen gemein: die Analyse per Computer. Mit ihr, so machten die Entwickler Personalern weiß, gewänne man relevante Aussagen über Bewerber und Mitarbeiter.

Persönlichkeitsscans

Programme scannten dazu Social-Media-Kanäle wie Facebook. Gesammelt würden sogenannte Likes, welche Freunde sich auf dieser Plattform tummelten und welche Fotos man preisgebe. Ebenfalls würden über das Telefon ermittelte Sprachanalysen durch Algorithmen produziert, die, laut Betreibern, ebenfalls passgenaue Personalprofile liefern könnten. Und: Versucht werde, durch Gesichtserkennungen, bei der Software, Aussagen über Merkmale, etwa zur sexuellen Präferenz, zu machen. „Da wird’s richtig gruselig“, meinte der Wirtschaftspsychologe.

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Computeranalysen liefern kaum Ergebnisse

Kanning konnte hinsichtlich der Scans via Facebook und Sprachanalyse Entwarnung geben. Studien hätten gezeigt, dass bei den sogenannten Big Five jener Merkmale, die Personaler an Bewerbern interessieren, im besten Fall vernachlässigbare Ergebnisse herausgekommen sind. Auch im Fall der computeranalysierten Stimmprobe würden Wissenschaftler abwinken: Zu kurz sei die Dauer von 15 Minuten, zu wenig könnte Verlässliches ermittelt werden, zu abhängig sei man gar von der Art des verwendeten Telefons.

Kannings Fazit: Chancen für Unternehmen lassen solche Diagnostikprogramme nicht zu, eher stiegen die Risiken. „Durch den Einsatz solcher Software bekommt man als Firma leicht ein Stasi-Image.“

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Digitalisierung birgt Chancen

Was wird die unzweifelhaft fortschreitende Digitalisierung des Arbeitslebens bringen? Beherrscht der Mensch diesen Prozess oder ist es (schon) umgekehrt? Diese Fragen waren der rote Faden in einem mit sechs Vertretern plus Moderatorin zahlenmäßig üppig besetzten Podium. Trotz Stochern im Nebel, was das binäre Regime künftig an Einschränkungen aufzwingt oder wovon es befreit, begriffen Kirchen- und Wirtschaftsvertreter die Digitalisierung als positive Chance.

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Kritisch hinterfragen

Aber: Wie wird sich die „Bindung Mensch-Maschine“ entwickeln, fragte die evangelisch-lutherische Landesuperintendentin Birgit Klostermeier. Wie lassen sich heute und morgen private Daten sichern, riss Generalvikar Theo Paul kurz an. Verstärkte, auch kritisch intonierte Bildung in Sachen Digitalisierung forderten Petra Tiesmeyer (DGB) und eine Stimme aus dem Publikum.

Ähnlich ebenso die Präsidenten von IHK und Handwerkskammer, Martin Schlichter und Peter Voss sowie Olaf Piepenbrock vom Industriellen Arbeitgeberverband: Die Digitalisierung müsse die Menschen mitnehmen und die Arbeitnehmer wollten mit modernen Mitteln arbeiten.

Das ökumenische Wirtschaftsforum wurde von den beiden großen christlichen Kirchen mit Unterstützung des DGB und der regionalen Wirtschaftsverbände organisiert.