zuletzt aktualisiert vor

Nicht alle Schulen beteiligen sich Schulfahrt wichtiger als die Wahl zum Osnabrücker Jugendparlament


Osnabrück. In der kommenden Woche findet die Wahl des dritten Osnabrücker Jugendparlaments statt. Ihre Stimmen abgeben können Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren aus Stadt und Landkreis an ihren Schulen – aber nur, wenn die sich auch daran beteiligen. Nicht alle machen mit.

Nicht dabei sind das Gymnasium Angelaschule, die Wittekind-Realschule und die Domschule, außerdem fehlen viele Förder- und berufsbildende Schulen. Terminprobleme, geringes Interesse, ausgelastete Politiklehrer, aufwendige Schulfahrten, sonstige schulinternen Schwierigkeiten: Das sind die Gründe, die die Schulleiter anführen. Stadtjugendpfleger Hans-Georg Weisleder, der die Wahl leitet, hatte sich schon während der Herbstferien kritisch darüber geäußert, dass nicht alle Schulen mitziehen.

Niedrige Schwelle

Ohne Mitarbeit der Schulen ist es schwierig für das federführende Kinder- und Jugendbüro, die Jugendlichen zu erreichen. Zwar können junge Leute, deren Schulen nicht teilnehmen, ihre Stimme am Freitag, 27. Oktober, von 14 bis 20 Uhr im Haus der Jugend abgeben. Doch das geschehe nur vereinzelt, berichtet Karin Wank, Mitarbeiterin im Kinder- und Jugendbüro, von den vergangenen Wahlen. Um die Schwelle für die Schulen so gering wie möglich zu halten, konnten sie sich dieses Mal zur Durchführung der Wahl einen Tag in der Woche vom 24. bis 27. Oktober und zur Not auch knapp außerhalb dieses Zeitraums aussuchen.

Näher dran

Die teilnehmenden Schulen nutzen die Aktion, um ihren Schülern im Unterricht Politik plastisch zu vermitteln. „Momentan sprechen wir im Politikunterricht wegen des Wahljahres immer von den Erwachsenenwahlen“, sagt Melanie Lüddeke, Förderschullehrerin an der Schule an der Rolandsmauer. „Die Wahlen zum Jugendparlament sind für die Schüler einfach näher dran.“ Zwei ihrer Schüler kandidieren selbst, vier andere sind am Dienstagmorgen mit Lüddeke zur Wahlhelferschulung ins Haus der Jugend gekommen. Die jungen Wahlhelfer lernen von Marco Brockmann (Mobile Jugendarbeit), was zu beachten ist: von der Registrierung der Wähler über die Auszählung bis hin zum Verschließen der Wahlurne mit sämtlichen Wahlunterlagen – fast alles wie bei „echten“ Wahlen.

Aber warum machen nicht alle Schulen mit?

Weiterführende Schulen: Die Angelaschule fuhr vor den Herbstferien geschlossen an den Gardasee, die Domschule nach Rom: Damit erklären die beiden Schulleiter im Gespräch mit unserer Redaktion, warum sie die Wahlen bei sich nicht durchführen. „Da gehen im Moment mal andere Dinge vor“, sagt Axel Diekmann, Leiter der Domschule. „So eine Schulfahrt schlaucht unglaublich“, sagt Otto von der Heide, Leiter der Angelaschule. Dirk Ebrecht, seit 1. August Leiter der Wittekindrealschule, gibt aktuell allgemeine schulinterne Probleme als Grund an, beim nächsten Mal wolle seine Schule jedoch dabei sein.

Berufsbildende Schulen: Das Berufsschulzentrum am Westerberg nahm im September teil am bundesweiten Projekt Juniorwahl, bei dem die Bundestagswahl für Schüler simuliert wurde, sagt Schulleiter Franz Josef Papenbrock. Doch danach und nach der Teilnahme an einer Reihe von Wettbewerben sei bei seinen Kollegen aus dem Bereich Politik eine „gewisse Erschöpfungssituation“ eingetreten. Ein Elternvertreter habe sogar auf die Wahlen zum Jugendparlament hingewiesen. „Den Impuls möchte ich gerne aufgreifen.“ Für dieses Mal ist es jedoch zu spät. Peter Befeldt, Leiter der BBS Haste, sagt, der SV-Beratungslehrer habe das Thema den Schülern nahegebracht, das Interesse sei jedoch gering gewesen, dabei sei eine BBS-Schülerin derzeit selbst Abgeordnete. Die Schüler der BBS Pottgraben wiederum seien häufig schon älter als 18 Jahre, sagt Uwe Stegenwallner, Abteilungsleiter Allgemeinbildende Fächer. Es sei leider schwierig, die Jugendparlamentswahlen in den Unterricht einzubringen, wenn nur ein Teil der Schüler dafür in Frage komme.

Förderschulen: Bei den Förderschulen ist es komplizierter: Die Herman-Nohl-Schule (emotionale und soziale Entwicklung) informiert zwar mit Plakaten und Flyer über die Wahlen, das Interesse der Schüler sei aber „sehr sehr gering“, sagt Schulsozialarbeiterin Manuela Schäffer. Eine Teilnahme bedürfe zudem einer sehr intensiven Betreuung. Benno Schomaker, seit August Leiter der Montessori Schule (geistige Entwicklung), sagt, es scheitere an den organisatorischen Rahmenbedingungen. „Unsere Schüler können nicht unbegleitet an solchen Sachen teilnehmen.“ Wahlen werden jedoch als Unterrichtsprojekt intensiv thematisiert. Ähnlich ist es bei der Anne-Frank-Schule (körperliche und motorische Entwicklung): „Wir brauchen einfach mehr Unterstützung dabei“, sagt Hilke Ackermann, Schulleiterin seit August.


Was macht das Jugendparlament?

Das Jugendparlament ist kein Spaß-Gremium, sondern hat durchaus Einflussmöglichkeiten in der Stadtpolitik. 25 gewählte Mitglieder im Alter von 14 bis unter 19 Jahren vertreten für jeweils zwei Jahre die Interessen ihrer Altersgenossen. Themen, die ihnen wichtig sind, können sie in die Fachausschüsse des Rates tragen. So diskutierten die Erwachsenen beispielsweise zuletzt über kostenlose Busfahrkarten für Oberstufenschüler. Zum dritten Mal finden die Wahlen statt, 40 junge Leute kandidieren. Auf jugendparlament-os.de stellen sich alle Kandidaten mit kurzen Steckbriefen vor. Als sich beim ersten Aufruf zu wenige Kandidaten gemeldet hatten, besuchten Ehemalige die Schulen und erzählten von ihrer Arbeit, wobei sie auch Vorurteile aus der Welt schafften, kandidieren könne nur, wer gute Noten hätte und gut in Politik sei. Erstmals dürfen auch Jugendliche wählen und sich zur Wahl stellen, die nicht in Osnabrück leben, hier aber zur Schule gehen.

An diesen Schulen können Jugendliche ihre Stimme abgeben:

Bertha-von-Suttner-Realschule

Berufsbildende Schulen der Stadt Osnabrück am Schölerberg

Berufliches Gymnasium Wirtschaft

Carolinum

Erich-Maria-Remarque-Realschule

Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium

Felix-Nussbaum-Schule

Gesamtschule Schinkel

Graf-Stauffenberg-Gymnasium

Gymnasium in der Wüste

Hauptschule Innenstadt

Integrierte Gesamtschule Osnabrück

Möser-Realschule

Ratsgymnasium

Schule an der Rolandsmauer

Thomas-Morus-Schule

Ursulaschule

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN