Was läuft? Wer kürt die Sieger? Unabhängiges Filmfest Osnabrück: 84 Filme in fünf Tagen

Der Horrorfilm „trapped child“ ist nur einer der 84 Filmfest-Beiträge, die in Osnabrück gezeigt werden. Foto: Filmfest OsnabrückDer Horrorfilm „trapped child“ ist nur einer der 84 Filmfest-Beiträge, die in Osnabrück gezeigt werden. Foto: Filmfest Osnabrück

Osnabrück. Was läuft? Wer kürt die Sieger? Worum geht’s? Die wichtigsten Fragen zum 32. Unabhängigen Filmfest, das bis zum Sonntag 84 engagierte Filme zeigt – von der Doku bis zum Horrorschocker.

Wie bewahrt man Neapels Kinder vor der Mafia? Was erleben junge Russen, die nicht an der Waffe dienen wollen? Und wieso landet im Missbrauchsskandal an einer chinesischen Schule ausgerechnet die Frau im Gefängnis, die öffentlich dagegen protestiert? Auch in seiner 32. Ausgabe stellt das Osnabrücker Filmfest Fragen, die wehtun. 84 Werke stellen sich ab Mittwoch, 18. Oktober 2017, dem Publikum – in Sparten, die von regionalen Schwerpunkten wie Europa und Südamerika über das Kinderkino bis zum Genrefilm alles abdecken wollen. Für die besten Arbeiten sind in fünf Wettbewerben insgesamt 19.000 Euro ausgelobt; und die Chancen stehen gut, dass der mit 12.500 Euro dotierte Friedenspreis diesmal an eine Dokumentation geht. In der Hauptsparte des Festivals sind nur vier von elf Beiträgen Spielfilme.

Harte Stoffe

Harte Stoffe so erzählen, dass man hinhören muss: Das ist nicht nur das Konzept des Unabhängigen Filmfests – sondern auch die Expertise der diesjährigen Jury. Wer am Sonntagabend über den Hauptpreis jubelt, entscheiden drei Frauen, die auf ganz unterschiedliche Weise den Balance-Akt zwischen Anspruch und Entertainment bewältigen: Die Drehbuch-Autorin Annette Hess hat mit den Serien „Weissensee“ und „Ku’damm 56“ Zeitgeschichte für ein Millionenpublikum interessant gemacht. Die Fernsehredakteurin Ulrike Dotzer leitet beim NDR die Schaltstelle zum Kultursender Arte. Und Irja von Bernstorff hat eine 25-teilige Bildungssoap über Landflucht gedreht – im Himalaja-Königreich Bhutan. Das macht sie zugleich zur Fachkraft für die kulturellen Brücken, die das Festivalprogramm vom Hase-Ufer in so ferne Welten wie Kambodscha, Sri Lanka oder das brandenburgische Niendorf einer Kinderbande schlägt. Wie schwierig die Verständigung sein kann, schildert von Bernstorff selbst in „The Farmer und I“, einer Art Drehbericht ihres Serienprojekts, den sie jetzt in Osnabrück zeigt.

Gestus der Selbtskritik

Mit dem Gestus der Selbstkritik passt der Film in einen Festival-Jahrgang, der das Zeitgeschehen auffällig oft als Mediengeschichte reflektiert: von der Doku „The War Show“, die den Syrienkonflikt aus Sicht einer Radio-DJane schildert, über den „Charlie Hebdo“-Film „Nothing is Forgiven“ bis hin zu „Hidden Photos“, einer Reportage über Gefangenenfotos aus der Zeit der Pol-Pot-Herrschaft.

Immer wieder wird auch die Leinwand selbst zum Thema, und das bevorzugt aus dem Blickwinkel des Scheiterns und Schummelns: Der Eröffnungsfilm „King of Peking“ beschwört die Liebe zum Kino ausgerechnet in der Figur eines Filmpiraten; in der Filmbiografie „Becoming Bond“ erklärt George Lazenby seine oft verlachte Entscheidung, trotz einer Millionenprämie seine Rolle als James Bond nach einem einzigen Auftritt hinzuschmeißen. Und mit „Untitled“ läuft eine Weltreise-Doku, die von Anfang an kein Konzept haben sollte – am Ende aber auch den Regisseur tragisch verlor: Nachdem Michael Glawogger an Malaria gestorben ist, hat seine Cutterin Monika Willi aus 70 Stunden Material den vorliegenden Film geschnitten.

Bis Sonntag ist all das in Lagerhalle, Hasetor-Kino, dem Haus der Jugend und der Filmpassage zu erleben – und diesmal auch im Cinema-Arthouse, das zu den gewohnten Spielorten hinzugekommen ist.


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