Studenten als Zeitzeugen Uni Osnabrück bloggt über eigene Vorgeschichte

Von Stefan Buchholz

Archivar Thorsten Unger verwahrt das „Gedächtnis“ der Universität Osnabrück und sucht Unterstützung für die Erinnerungsarbeit. Foto: Stefan BuchholzArchivar Thorsten Unger verwahrt das „Gedächtnis“ der Universität Osnabrück und sucht Unterstützung für die Erinnerungsarbeit. Foto: Stefan Buchholz

Osnabrück. Die Universität Osnabrück erforscht ihre eigene Vorgeschichte. Dazu setzt sie vor allem auf die Mithilfe ehemaliger Studenten. Sie können in einem speziellen Blog eigene Erinnerungen und Erlebnisse veröffentlichen.

Das Blog zur Adolf-Reichwein-Hochschule – dem Vorgänger der heutigen Universität Osnabrück – hat das Ziel, Material zur Geschichte der ehemaligen Lehrerausbildung zu sammeln. Zudem sollen bereits vorhandene Informationen vorgestellt und ausgewertet werden. „Wegen der überschaubaren Menge an Archivalien der Universität, die im Niedersächsischen Landesarchiv in Osnabrück verwahrt werden, können Zeitzeugenberichte die vorhandenen Quellen sehr hilfreich ergänzen“, sagt Uni-Archivar Thorsten Unger.

160 Beiträge online

Die Teilnahme am Blog-Projekt ist einfach: Entweder schickt man seinen Bericht an Unger selbst und die hinter ihm stehende Redaktion. Oder man veröffentlicht sein Text- und Bildermaterial nach vorheriger Registrierung direkt auf der Webseite reichwein.hypotheses.org.

Knapp 160 Beiträge haben zumeist ehemalige Studenten auf der Internetplattform bereits veröffentlicht. Die Erlebnisberichte reichen mitunter zurück in die Zeit, als Celle noch Standort der Adolf-Reichwein-Hochschule war, welche erst in 1950er-Jahren nach Osnabrück umzog. Thematisiert wird in Schilderungen und auch persönlichen Anekdoten etwa, was ein Junglehrer damals verdiente und was es mit den ersten Studentenwohnheimen in der Stadt auf sich hatte.

Alles bis 1974

Gesucht werden Beiträge, die bis zur Gründung der Universität Osnabrück im Jahr 1974 reichen. „Jede Art von Info ist ein Gewinn“, sagt Blog-Betreuer Unger. Denn die moderne wissenschaftliche Betrachtung der nach dem Zweiten Weltkrieg gegründeten pädagogischen Hochschulen (PH) sei bisher ein weißer Fleck. Von dem Blog-Projekt verspricht Unger sich wichtige Erkenntnisse: Welchen politischen Hintergrund hatten die damaligen Hochschuldozenten? Welche Biografie hatten die ersten Studenten? Wie sah das Studium im Vergleich zu heute aus?

Zu finden sind im Blog-Projekt auch die Ergebnisse von Forschungen, die heutige Studenten im Rahmen von Praktika im Archiv unternehmen. „Was zum Beispiel bei der Auswertung der pädagogischen Hochschulchronik oder zur Geschichte der PH herausgekommen ist, sind tolle Beiträge“, sagt Archivfachmann Thorsten Unger.