Projekt Talentcampus Wie zugewanderte Kinder in Osnabrück in den Ferien Deutsch lernen

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Spielerisch haben Kinder aus Zuwandererfamilien in den Herbstferien beim Projekt „Talentcampus“ in Osnabrück ihre Deutschkenntnisse verbessert. Foto: Jörn MartensSpielerisch haben Kinder aus Zuwandererfamilien in den Herbstferien beim Projekt „Talentcampus“ in Osnabrück ihre Deutschkenntnisse verbessert. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. 24 Kinder, die erst seit Kurzem in Deutschland leben, haben während der Herbstferien beim Projekt „Talentcampus“ in Osnabrück spielerisch ihre Deutschkenntnisse verbessert. Das Bundesprogramm, das dies ermöglicht, läuft in diesem Jahr aus.

Zwar rechne die Volkshochschule Osnabrück (VHS) mit einer Neuauflage, Programmkoordinatorin Marion Beier wisse aber noch nicht genau, wie es weitergehe, sagte sie unserer Redaktion.

Aus den Räumen des VPAK (Verein zur pädagogischen Arbeit mit Kindern aus Zuwandererfamilien) an der Iburger Straße schallte am Abschlusstag Lachen und Deutsch mit diversen Akzenten: Arabisch, Russisch, Chinesisch. Schon zum achten Mal richtete sich das ganztägige Ferienangebot unter dem Motto „Meine neue Sprache – meine neue Stadt“ an Kinder aus Migrantenfamilien.

„Viel Deutschunterricht am Anfang ist das Allerwichtigste.“

Die Mädchen und Jungen im Alter von zehn bis 15 Jahren gehen in Osnabrück auf völlig verschiedene Schulen – auf welche, kann Projektleiterin Gabriele Grosser meistens leicht erraten. Sie deutet auf ein Mädchen, das schon sehr gut Deutsch spricht. „Sie lebt erst seit August hier“, sagt Grosser. Dass das Mädchen die Sprache schon so gut beherrsche, liege am Schulunterricht, sagt sie. Ob eine Schule die Mittel bekomme, Sprachlernklassen einzurichten oder nicht, mache einen großen Unterschied. Grossers Meinung dazu ist klar: „Viel Deutschunterricht am Anfang ist das Allerwichtigste.“

Bildungsferne Milieus

Gabriele Grosser ist bei der Stadt Osnabrück tätig für die RAZ, die Regionale Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien. Die Eltern, die zu ihr in die Beratung kommen, fragen häufig, was ihr Kind in den Ferien unternehmen kann, schildert Grosser. Nur wenige, die ganz neu in der Stadt sind, würden ihre Kinder direkt beim städtischen Ferienpass-Programm anmelden – beim „Talentcampus“ sei die Hürde geringer. In Kooperation mit der RAZ und dem VPAK fand die Aktion, für die die VHS die Bundesmittel erhält, nun seit 2014 schon zum achten Mal statt.

Dieses Mal besuchten die Kinder den Zoo, machten eine Stadtrallye, bemalten Steine – und lernten dabei intensiv Deutsch. Angeleitet wurden sie in kleineren Gruppen von VPAK-Mitarbeiterin Kristina Urbanovic, Germanistikstudenten der Universität Osnabrück und einer Abiturientin, die die Arabische Sprache beherrscht.

Deutsche Kinder schwerer zu erreichen

Das Ferienbildungsprogramm „Talentcampus“ richtet sich grundsätzlich an Kinder aus sogenannten „bildungsfernen Milieus“. Die Teilnahme ist kostenlos und ermöglicht so auch Eltern, denen es finanziell schlecht geht, ihren Kindern eine sinnvolle Beschäftigung während der Ferien zu bieten. Die Plätze seien in den vergangenen Jahren immer belegt gewesen, bis hin zu Wartelisten, sagt Programmkoordinatorin Beier von der VHS. Sie würde sich allerdings wünschen, dass sich in den Gruppen Migranten auch einmal mit deutschen Kindern mischen würden. „Benachteiligung haben wir bei deutschen Jugendlichen auch“, gibt sie zu bedenken. Gemischte Gruppen zu erreichen, sei jedoch nicht einfach: „Die Kooperationspartner müssen pädagogische Einrichtungen sein, die einen direkten Zugang zu den Jugendlichen haben“, erläutert Beier die Bedingungen des Bundesprogramms. „Und die haben häufig ihre eigenen Angebote.“

Immer in den Oster- und Herbstferien hat die VHS Talentcampus-Projekte durchgeführt und dabei auch schon mit den Berufsbildenden Schulen oder der Förderschule an der Rolandsmauer kooperiert. Beier: „Über neue Projekte für 2018 wird bereits nachgedacht; teilnehmen können auch andere Einrichtungen, die mit Kindern beziehungsweise Jugendlichen arbeiten.“


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