Kitschklippen knapp umschifft Max Prosa singt Lyrik in der Kleinen Freiheit

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Osnabrück. Eigenwilligen deutschsprachigen Pop präsentierte der Berliner Sänger und Songschreiber Max Prosa in der Kleinen Freiheit.

Nachdem der ebenfalls aus der Hauptstadt kommende Vorsänger Lutz Rode mit traurig-melancholischem Grundton unter anderem Geschichten von „Mimi“ erzählt hatte, brachte der 27-Jährige deutlich mehr Optimismus und Licht ins Dunkel des Saales. „Max Power“ hatte jemand das Tourplakat an der Tür umgeschrieben. Und das passte. Denn Prosas neue vierköpfige Band, deren Mitglieder aus Neuseeland, Dänemark und Israel stammen, präsentierte sich klirrend kraftvoll und energiegeladen. Optisch und tänzerisch wie der junge Jim Morrison, griff der Frontmann selbst mal zur akustischen Gitarre und mal zur Mundharmonika, die er sich dylanesk um den Hals band. Mit ausdrucksstarker Stimme sehnt sich Prosas Lyrik „raus aus den Abgründen der Stadt“, behauptet romantisch: „Alles, was ich sehe, singt ein Lied von dir“, oder verkündet angesichts von „verlorenen Propheten“ pathetisch die politische Botschaft „Tragt Leben in die totgesagte Welt“ – einen Ball, den das Publikum gern aufnahm und den Sänger am Ende summend unterstützte.

Solo auf der Tanzfläche

Auf Tuchfühlung begab er sich mit einem Intermezzo inmitten des Raumes, wo er in konventioneller Liedermachermanier unter anderem den Titelsong seines neuen Albums „Keiner Kämpft Für Mehr“ vortrug. Fast fünf Jahre hat er sich damit Zeit gelassen und solange ist es auch her, dass er das letzte Mal in der Kleinen Freiheit war, wo er nun zu „Die Phantasie wird siegen“ seine Runden zog. Dass er die Herausforderung des schwierigen dritten Albums mit Bravour gemeistert hat, bewiesen auch starke, hymnische Lebensballaden wie „Diesseits/Jenseits“ oder Power-Popsongs wie „Glücklich mit nichts“. „Ich wollte immer nur singen“, behauptet Prosa darin nicht ohne Koketterie. Denn auch ein selbst geschriebenes Gedicht las er zwischendurch vor.

Nicht nur mit seiner aktuellen Musik, sondern auch mit seinen Texten hebt er sich wohltuend ab vom aktuellen Deutschpop-Einerlei Marke Bendzko oder Giesinger – auch wenn er dabei die Klippen des Kitsches oftmals nur knapp umschifft. Ob das gut oder schlecht sei, fragte Max Prosa sich, als sich herausstellte, dass keiner seiner Zuhörer, die er am Ende „bis nach Haus“ trug, bereits vor fünf Jahren da war. Aber wie auch immer: Weiterentwickelt hat er sich allemal.


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