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Auf dem Wallring das übliche Chaos Neumarkt ist gesperrt: Polizei kontrolliert Autofahrer

Seit einigen Stunden ist der Neumarkt in Osnabrück für den motorisierten Individualverkehr gesperrt. Foto: EbenerSeit einigen Stunden ist der Neumarkt in Osnabrück für den motorisierten Individualverkehr gesperrt. Foto: Ebener 

chl/sdo/hin Osnabrück. Seit Freitag um null Uhr ist der Neumarkt in Osnabrück für den motorisierten Individualverkehr gesperrt. Doch halten sich die Autofahrer auch an das Durchfahrverbot?

Nicht jeder Autofahrer scheint etwas von der Sperrung mitbekommen zu haben. Zwar war der Neumarkt deutlich leerer, als es sonst während des Berufsverkehrs zu beobachten war. Dennoch fuhren am Freitagmorgen trotz Verbots und entsprechender Schilder noch zahlreiche Fahrzeuge durch die Zone. Stichproben unserer Redaktion sowohl um kurz nach 7 Uhr als auch um 8.30 Uhr ergaben, dass viele Autofahrer das Verbot ignorierten. Auch am Mittag bot sich ein ähnliches Bild. Passanten berichteten unserer Redaktion, dass sie kaum einen Unterschied im Vergleich zum Verkehrsaufkommen der vorherigen Tage bemerkten. Ein Mitarbeiter der Bahnhofsmission, der am Neumarkt Fahrgästen an den Bussteigen hilft, sagte, dass der Verkehr zwar etwas geringer sei als in den vergangenen Tagen. Dennoch würden viele Autofahrer die Sperrung missachten. „Das war schon die letzten Male so, als der Neumarkt gesperrt war“, sagt er. Teilweise würden Autofahrer auch rasen, um schneller aus dem verbotenen Bereich zu gelangen.

Eine Vielzahl Autofahrer ignoriert das seit Mitternacht geltende Durchfahrverbot auf dem Neumarkt. Foto: Ebener

Wer darf durchfahren, wer nicht?

Am 29. September hatte die Stadt die „sofortige Vollziehung der Teileinziehung des Neumarktes“ für den 13. Oktober angekündigt. Seit Freitagnacht um 0 Uhr ist der Bereich zwischen Lyrastraße und Kollegienwall daher für den motorisierten Individualverkehr gesperrt. Busse, Fahrräder und der Lieferverkehr (von 6 bis 10.30 Uhr) dürfen den Neumarkt dagegen noch passieren – Fußgänger sowieso.

Wer erwischt wird, muss 20 Euro zahlen

Nur einige Autofahrer kehrten um, als sie die Verbotsschilder bemerkten. Wer das Durchfahrverbot ignoriert, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Verwarngeld in Höhe von 20 Euro geahndet werden kann. Das Geld geht übrigens an die Stadt Osnabrück. Mit Kontrollen müssten die Autofahrer immer rechnen, sagte Polizei-Pressesprecherin Mareike Kocar am Freitag. Am Freitagmorgen hätten Polizisten mehrere Autofahrer erwischt und gegen sie ein Verwarngeld in Höhe von 20 Euro verhängt, sagte die Pressesprecherin weiter. Sie betonte, dass es bislang keine „chaotischen Zustände“ durch die Sperrung gegeben habe. Die Kontrollen werden von Polizisten im normalen Streifendienst den ganzen Tag über nur stichprobenartig durchgeführt, sagte eine Mitarbeiterin der Wache am Kollegienwall am Freitagnachmittag. Wie viele Autos oder auch Laster das Durchfahrverbot ignorieren, werde nicht erhoben – noch. Eine Großkontrolle sei bereits in Planung.

Verkehrsexperte: Autofahrer brauchen eine Woche bis drei Monate Gewöhnungszeit

Verkehrsexperten halten grundsätzlich nicht viel davon, Straßen in kurzen Abständen zu öffnen und wieder zu schließen. Jörg Herold, Ingenieur für Verkehrswesen beim Beratungsbüro TSC in Essen, sagt: Verkehrsteilnehmer, die regelmäßig dieselbe Strecke nutzen, brauchen etwa eine Woche, um sich auf eine neue Situation einzustellen. Bei anderen Verkehrsteilnehmern geht der Verkehrsexperte von einer Eingewöhnungszeit von drei Monaten aus. „Das hängt natürlich auch von der Öffentlichkeitsarbeit ab. Je intensiver, umso schneller gelingt die Umstellung“, sagte Herold. Das Ingenieurbüro TSC hat mehrfach Verkehrsgutachten im Auftrag der Stadt erstellt. Zuletzt untersuchten die Essener 2015 die Folgen einer Neumarktsperrung für den Verkehr auf dem Wallring. Die Verkehrsqualität auf dem Wall bewerteten die Verkehrsingenieure damals mit der Schulnote 4. Dringenden Handlungsbedarf sahen sie zu dem Zeitpunkt auf dem Wall auch bei Sperrung des Neumarktes nicht. Dort herrscht am Freitagnachmittag der übliche Berufsverkehr-Stau.

Nadelöhr Hasetor

Ein Nadelöhr ist am Nachmittag das Hasetor stadtauswärts. Eine Fahrspur Richtung Norden ist unterhalb der Eisenbahnbrücke (Ecke Bramscher Straße) wegen Bauarbeiten gesperrt. Der Verkehr staut sich am Freitagnachmittag zurück bis zum Berliner Platz. Die Netz-Tochter der Stadtwerke erneuert an der Stelle die Versorgungsleitungen. Sie werden fit gemacht für die Elektrifizierung und Beschleunigung der Buslinie 41 ab Ende 2018/Anfang 2019, wie die Stadtwerke mitteilten. Die Bauarbeiten werden den Angaben zufolge bis Anfang November andauern.

Kaffeetafel

Die Grünen, die zusammen mit SPD, FDP, Linken und UWG/Piraten am 30. Mai gegen die Stimmen von CDU/BOB im Rat die Neumarktsperrung beschlossen hatten, bauten am Freitagnachmittag im Bereich der Fußgängerampel eine Kaffeetafel auf. So richtig gemütlich war das nicht: Hinter ihnen bretterten weiter Autos und auch Lkw über den Neumarkt – wenn auch verbotenerweise. Der Osnabrücker Bürgerbund (BOB) rief derweil per Pressemitteilung dazu auf, seine Klage gegen die Neumarktsperrung mit Spenden zu unterstützen.


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