Mensch und Maschine gegen Verkehr Auto oder Rad: Wer ist schneller in Osnabrück?

Von Jörg Sanders und Nadine Grunewald


yjs/ngr Osnabrück. Autofahrern zufolge macht das Autofahren in Osnabrück keinen Spaß, Radfahrern zufolge macht das Radfahren in der Stadt keinen Spaß. Beide kämpfen gegen den Verkehr, Baustellen, Falschparker et cetera. Wer kommt schneller voran? Wir wollten es testen: an einem vergleichsweise verkehrsarmen Vormittag und im Feierabendverkehr um 16.30 Uhr. Die zweite Fahrt konnten wir uns sparen.

Die Kontrahenten: Es treten an: Redakteurin Nadine Grunewald in ihrem Opel Astra Diesel mit 135 Pferdestärken und Redakteur Jörg Sanders auf seinem Raleigh Sports Hollandrad von 1974 mit sagenhaften drei Gängen.

Die Vorbedingungen: Start war gegen 11 Uhr unsere Redaktion im Breiten Gang, das Ziel der Eingang des Zoos im Stadtteil Schölerberg. Google zufolge ist die Strecke mit dem Auto über den Ring und die Iburger Straße 4,4 Kilometer lang. Fahrzeit laut Google: 13 bis 15 Minuten, je nach Verkehrslage. Mit dem Rad für dieselbe Strecke: 17 Minuten. Rund 50 Höhenmeter liegen zwischen Start und Ziel: Vorteil für den Opel.

Ärger & Stress: Für die Opel-Pilotin begann der Ärger etwa dreieinhalb Sekunden nach dem Start: Die Karlstraße ist derzeit teilweise gesperrt, sie musste erst mal bis zum Hasetor auf den Erich-Maria-Remarque-Ring fahren – in entgegengesetzter Richtung zum Ziel. Langsame Lkw-Fahrer verhinderten schnelleres Vorankommen ebenso wie zwei Bullis, die auf der Iburger Straße die rechte Spur blockierten. An roten Ampeln konnte der zuvor überholte Radfahrer immer wieder aufschließen.

Der Fahrradfahrer hatte bis auf wenige Ausnahmen eine recht entspannte Fahrt. Zweimal bremsten vorausfahrende langsame Radfahrer ihn aus, die wegen der geringen Breite des Radwegs nur schwer zu überholen waren. Ein Lkw und ein Kuriertransporter versperrten den Radweg auf der Iburger Straße. Ärgerlich: Als Linksabbieger musste der Radfahrer zweimal den Umweg über zwei Ampeln nehmen (Petersburgerwall in Johannisstraße, Iburger Straße in Im Nahner Feld), weil er im dichten Verkehr nicht auf die Linksabbiegerspur kam.

Wertung: unentschieden (Punkte für Auto und Rad)

Umwelt: Die Fahrt mit dem Rad spart gegenüber dem Auto 0,83 Kilogramm CO2 ein (Referenz 8 Liter Verbrauch), nicht zu vergessen die giftigen Stickoxide.

Wertung: Punkt Fahrrad

Gesundheit: Radfahren schont nicht nur die Umwelt, sondern stärkt auch das Herzkreislaufsystem. Auf den etwa 4,5 Kilometern verbrennt der Körper einem Fettverbrennrechner im Internet zufolge 105 Kilokalorien – was in Anbetracht der Statur des Radlers aber eher als negativ zu bewerten ist. Hinzu kommt: Wegen des recht starken Gegenwindes und der deutlich spürbaren Steigung war der Weg recht beschwerlich. Das Autofahren ist zwar weitaus weniger anstrengend – dafür tut man dabei aber auch nichts für seine Gesundheit.

Wertung: unentschieden (Punkte für Auto und Rad)

Parken: Das Wetter war schön, der Parkplatz am Zoo entsprechend voll. Pech für die Autofahrerin, die nach vergeblicher Suche wieder vom großen Parkplatz fuhr – da bog der Kollege auf dem Rad gerade auf diesen – und in einem der letzten Stellplätze an der Straße parkte. Die Lücke war so eng, dass sie kaum aus dem Wagen kam, was zusätzliche Zeit kostete. Und dann folgte noch der Weg bis zum Eingang. Mit dem Fahrrad kann man bis dorthin fahren – und findet sofort einen Stellplatz.

Wertung: Punkt Fahrrad

Zeit: Grunewald benötigte für die Fahrt im Auto 18:23 Minuten, Sanders auf dem Rad 17:02 Minuten – abzüglich etwa 60 bis 90 Sekunden wegen technischer Probleme mit der Kamera am Rad. Ergibt: etwa 15:45 Minuten.

Wertung: Punkt Fahrrad

Ergebnis: 5:2 für den Fahrradfahrer. Weil das Duell im vergleichsweise geringen Vormittagsverkehr schon zugunsten des Rads ausgegangen ist, fiel das Rennen im Feierabendverkehr aus. Da wäre der Fahrradfahrer wohl schon am Zoo gewesen, während die Autofahrerin noch nicht mal die Iburger Straße erreicht hätte.


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