50 Jahre Parkgesellschaft OPG Als die Osnabrücker lernten, Autos übereinander zu parken

Von Wilfried Hinrichs


Osnabrück. Die Osnabrücker Parkgesellschaft OPG ist 50 Jahre alt. Beim Festakt im Rathaus richteten die Stadtväter den Blick nur kurz zurück und sehr lange nach vorn: Smartphone und Elektroautos werden das Parken in den nächsten Jahrzehnten dramatisch verändern.

Es gibt zu wenig Parkplätze in der Stadt: Als bei den Kommunalpolitikern Ende der Sechzigerjahre diese Erkenntnis reifte, gründeten sie die Osnabrücker Parkstätten-Betriebsgesellschaft (OPG). Der Auftrag: Das erste städtische Parkhaus in Osnabrück bauen. Und so entstand 1970/1971 am Kollegienwall das „Parkhaus Neumarkt“ mit 700 Stellplätzen.

Die Osnabrücker brauchten eine gewisse Zeit, um sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass Autos im Ruhezustand auch auf Etagen gestapelt werden können. Die Neue Osnabrücker Zeitung ließ zwei Wochen nach der Eröffnung durchblicken, dass das Parkhaus „noch längst keine Höchstkundenzahlen zu melden“ hat. Mit Modenschauen- und Campingausstellungen lockte die Parkgesellschaft in den Betonkasten hinter dem Landgericht. Ein halbes Jahr nach Eröffnung versuchte es die OPG über den Preis: Die Tarife im Parkhaus wurden gesenkt, auf den Parkflächen in der Stadt erhöht.

Über zwei Millionen Euro Gewinn

Es war die Zeit, als das Auto zum Familienmitglied wurde und die Stadt sich autogerecht umbaute. In Osnabrück waren damals 31000 Kraftfahrzeuge zugelassen, heute sind es über 86000 (Stand: Ende 2016). Damals besaß die OPG ein Parkhaus, heute sind es elf mit 4500 Stellplätzen. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU) und der Vorsitzende des Aufsichtsrates der OPG, Volker Bajus (Grüne) sprachen während eines Festaktes am Donnerstag im Rathaus übereinstimmend von einer „Erfolgsgeschichte“.

Und damit meinten beide nicht nur die geschäftliche Seite: 2016 erwirtschaftete die OPG einen Rekordgewinn von 2,05 Millionen Euro. Griesert und Bajus legten ein Bekenntnis zur öffentlichen Trägerschaft und lokalen Ausrichtung der Parkgesellschaft ab. Das war nicht immer so. Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends dehnte die städtische Tochter ihr Tätigkeitsfeld deutschlandweit aus und betrieb zu Spitzenzeiten über 100 Parkhäuser. Das Wachstum endete, als die Kommunalaufsicht die kommunale Gesellschaft daran erinnerte, dass der Gesetzgeber solche wirtschaftlichen Tätigkeiten außerhalb der städtischen Grenzen nicht vorgesehen hat. Die Stadt strukturierte die OPG um und holte private Partner ins Boot. Der letzte Schritt war in diesem Jahr die komplette Trennung der OPG mit Sitz am Vitihof von der Center Parking mit Sitz am Flughafen Münster-Osnabrück.

Die OPG, die zu 94 Prozent den Stadtwerken und zu sechs Prozent der Stadt gehört, konzentriert sich auf das Geschäft in Osnabrück. Dabei schaue die OPG nicht nur auf die Rendite, betonte Griesert, sondern ebenso sehr auf den Komfort und die Sicherheit. Er erinnerte daran, dass der ADAC 2016 das Parkhaus Vitihof auf Platz 1 einer Rangliste von 44 Parkhäusern in 12 deutschen Städten gesetzt hatte.

Mobilität der Zukunft

Aufsichtsrat Volker Bajus und Stadtwerke-Vorstand Stephan Rolfes richteten ihre Blicke auf die Mobilität der Zukunft. „Wir stehen an einem historischen Wendepunkt, und Parkhäuser werden die Hotspots der neuen Mobilität werden“, sagte Bajus. Die nächste Generation werde „mit dem Smartphone fahren“, also verschiedene umweltfreundliche Verkehrsträger miteinander verknüpfen. Rolfes sagte, die Parkhäuser seien prädestiniert, Ladestationen für Elektrofahrzeuge aufzunehmen.

Die OPG-Geschäftsführer Wigand Maethner und Volker Hänsler erläuteten in einer Gesprächsrunde unter Moderation von Christian Eick, dass es die Kunden beim Buchen und Bezahlen künftig dank digitaler Technik noch einfacher haben werden. Auf den Kunden von morgen und seine Wünsche richtete auch der Gastredner seinen Blick. Thomas Waibel, Geschäftsführer der Firma Designa in Kiel, sprach über „Parken 4.0“ in einer digitalisierten Welt. Designa ist nach eigenen Angaben weltweit Marktführer auf dem Gebiet der Parkhaustechnik und Zugangstechnik. Doch Waibel räumte zu Beginn seines Vortrages schon ein: „Ich kann Ihnen so viel Neues gar nicht zeigen, die OPG ist ja schon sehr weit.“

Parken am Kollegienwall, 2.11.1962. Foto: Hartwig Fender

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