Band geht auf Tour Mr. Hurley & Die Pulveraffen: „Wir haben die Korken knallen lassen“

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Osnabrück. Aus einer Schnapsidee geboren wurde die Osnabrücker Gruppe Mr. Hurley & Die Pulveraffen zu einer bundesweit gefeierten Band. Anlässlich der jetzt startenden Tournee sprachen wir mit Simon „Mr. Hurley“ Erichsen über Familienbanden, Sauflieder und das Wacken Open Air.

Mr. Hurley, Ihre aktuelle Platte „Tortuga“ ist hoch in die Verkaufscharts eingestiegen. Wie haben sie den Erfolg gefeiert?

So, wie wir das am besten können: mit einem Konzert. Die Platte ist ja im August erschienen. Im Sommer waren wir fast jedes Wochenende unterwegs, um auf Festivals zu spielen. Am Samstag nach dem Erscheinungsdatum waren wir in Hamburg und sind beim MPS, dem „Mittelalterlich Phantasie Spectaculum“ aufgetreten. Da haben wir schon während des Konzerts die Korken knallen lassen.

Hat Sie der Erfolg der Platte überrascht?

Ja. Als wir mitbekamen, wie viele Vorbestellungen für das Album eingingen, haben wir gedacht: Es könnte tatsächlich möglich sein, mit unserer Spartenmusik in die Charts zu kommen. Vielleicht landen wir ja auf Platz 80. Dann kamen die ersten Zahlen und es zeichnete sich ab, dass die Platzierung doch höher sein könnte. Dann kam die Mitteilung: Es ist Platz fünf. Die Begeisterung war dementsprechend groß.

Haben sie einen Lieblingssong auf dem neuen Album?

Ja, er heißt „Wär‘ ich Gouverneur“. Die meisten unserer Songs sind ja schnell, tanzbar und zum Abfeiern. „Wär‘ ich Gouverneur“ ist fast balladesk, mit Klavier eingespielt und textlich anders. Am Ende hat er einen ernsten Unterton, da wird er fast politisch. Es geht um diese „König von Deutschland-Mentalität“ und drückt aus, wie es wäre, wenn Mr. Hurley am Ruder wäre.

Sie sind seit 2009 auf den Bühnen der Republik unterwegs. Haben Sie immer noch Spaß oder schleicht sich Routine ein?

Routine muss den Spaß nicht ausschließen. Der Ablauf unserer Konzerte ist routiniert, dennoch ist jedes Konzert anders. Das Publikum ist regional unterschiedlich, hat andere Mentalitäten, jeder Abend hat einen anderen Charakter. Bis jetzt haben wir den Spaß jedenfalls nicht verloren.

Viele Ihrer Lieder sind Sauflieder. Gehen Sie beim Trinken von Alkohol mit gutem Beispiel voran oder müssen Sie sich disziplinieren?

Die Zeiten, in denen Sex & Drugs & Rock’n’Roll praktiziert wurden, sind ja wohl vorbei. Die meisten wissen mittlerweile, dass Musik machen viel mit Arbeit zu tun hat. Man ist als Selbstständiger unterwegs und hat selten mal Feierabend. Interviews geben, Plakate für die nächste Tour gestalten, neue Songs schreiben, Proben, die nächste Bühnenshow entwickeln, Lichtshow ausdenken oder auch so unangenehme Dinge wie Steuererklärung machen – das gehört ja alles dazu. Auf Tour trinkt man natürlich mal ein Bier oder auch mehrere. Aber sicherlich nicht jeden Tag, denn dann wird’s ungesund und du schaffst das dann auch nicht mehr. Man sollte sich nicht zu sehr gehen lassen.

Das hört sich so an, als würden Sie alles selbst machen.

Ja, das ist uns auch wichtig. Wir geben nur selten Sachen aus der Hand. Ein Musikvideo können wir beispielsweise nicht selbst drehen. Oder die großen Promotionsoffensiven starten, mit Werbespots im Fernsehen. Das macht jetzt unsere Plattenfirma.

Sie sind von der Osnabrücker Firma Timezone zum Major Universal gewechselt. War das Ihr Plan oder ist die Firma auf Sie zugekommen?

Die Leute von Universal haben bei uns angefragt, ob wir uns mal unverbindlich treffen könnten. Wir hatten erst Angst: Vielleicht wollen die etwas an unserer Musik verändern, damit sie mainstreamtauglich wird. Das war aber gar nicht der Fall. Als wir uns getroffen haben, war „Tortuga“ auch schon komplett fertig. Wir hatten das hier im DocMaKlang-Studio am Limberg aufgenommen. Also haben wir einen sogenannten Bandübernahmevertrag geschlossen: Universal hat das Material so übernommen, wie wir es produziert haben.

Ihre Band ist ein Familienunternehmen: Drei Brüder und eine Schwester. Gibt es da nicht mal richtig Streit?

Nein, überhaupt nicht. Wir kommen aus einer kitschig-harmonischen Familie. Nur zwei Mal in unserem ganzen Leben haben wir uns mal gestritten: Einmal wegen eines Legomodells und einmal, weil wir uns nicht entscheiden konnten, welche Serie wir im Fernsehen gucken wollten. Wir freuen uns immer, wenn wir uns treffen, um als Band unterwegs zu sein.

Gab es einen Wunsch, den Sie sich erfüllen konnten, als sich der Charterfolg abzeichnete?

Wir haben uns alle einen Porsche gekauft! Nein, Quatsch. Wir sind einfach froh, dass wir uns keine Sorgen mehr machen brauchen, ob wir die Miete oder den nächsten Lebensmitteleinkauf bezahlen können. Und ich habe spontan eine Woche Urlaub in Irland gemacht. Unsere Musik ist ja stark an den Irish Folk angelehnt. Entsprechend hatte ich immer schon den Wunsch, nach Irland zu fahren, in einen Pub zu gehen und mir da die Musik und das Drumherum authentisch vor Ort anzuschauen. In Galway an der Westküste habe ich viel davon mitbekommen.

Oh, haben Sie das Galway Girl von Ed Sheeran getroffen?

Das von Ed Sheeran nicht. Aber ich habe in einem Pub jemanden kennen gelernt, mit dem ich eine zauberhafte Unterhaltung geführt habe: Mit einer schätzungsweise 70 Jahre alten Irin. Das war mein Galway Girl.

Gibt es als Band aus Osnabrück ein Nord-Süd-Gefälle bei der Resonanz auf ihre Konzerte?

Lange Zeit waren wir tatsächlich im Norden bekannter, doch das ändert sich gerade. Auf der kommenden Tour ist München bisher der stärkste Termin. Seit Monaten sind alle 600 Tickets verkauft. Es gibt eher ein Ost-West-Gefälle. In den neuen Bundesländern tun sich die Leute noch ein bisschen schwer. Aber das ändert sich bestimmt bald.

Was waren denn bisher Ihre aufregendsten Konzerte?

Da spielt das Wacken Open Air eine besondere Rolle. Dort sind wir bereits vier Mal in Folge aufgetreten. Zwar nur auf einer Peripherie-Bühne, aber das ist trotzdem immer ein besonderes Erlebnis. Ein absolutes Highlight war in diesem Jahr das Summer Breeze, das nach Wacken zweitgrößte Hardrock Festival in Europa. Wir haben als erste Band um elf Uhr morgens vor immerhin schon 15000 Leuten gespielt und es ging die Post ab, obwohl wir gar keine Metalband sind.


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