Live-Comedy in Osnabrück „Komische Nacht“: Intelligentes Kabarett und derbe Witze

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. Die Abendstunden des Mittwochs standen in Osnabrück ganz im Zeichen der 13. Auflage der „Komischen Nacht“. An acht Orten brachten acht Künstler das Publikum zum Lachen.

Wer erst kurz vor Veranstaltungsbeginn die Jazz- und Blues-Bar Blue Note betritt, ergattert mit viel Glück noch einen Platz am Tresen. Alle anderen Tische und Stühle sind voll besetzt, das Publikum ist schon eine Weile hier und mit Essen und Getränken versorgt. Dann wird um 19.30 Uhr das Licht gedimmt, ein Jingle ertönt, und ein bebrillter Mann im braunen Sakko betritt die Bühne. Sieht aus wie ein Lehrer. Ist er auch: Herr Schröder hat das Klassenzimmer abgeschlossen, der Deutschlehrer ist auf die Bühne gewechselt und konfrontiert das Publikum mit Traumata aus dessen eigener Schulzeit. Inhaltsangabe. Gedichtinterpretation. Lyrisches Ich. Die Gäste stöhnen auf, Herr Schröder hat, was er will – den Aufhänger für sein Comedy-Programm, das er „World of Lehrkraft“ nennt und aus dem er als Aufheizer für die Komische Nacht einen etwa halbstündigen Auszug präsentiert. Mit Erfolg, denn seine humorvollen Anekdoten aus dem Alltag eines „Beamten mit Frustrationshintergrund“ sorgen für viele laute Lacher, bissig und pointenreich, aber auch nicht um flache Witze verlegen: „Man sagt nicht mehr dicke Veganer, sondern pflanzliche Fette!“

Nicht nur im Blue Note wird an diesem Abend gelacht, auch im Café Extrablatt, Café &Bar Celona, Filmtheater Hasetor, Haus der Jugend, Grüner Jäger, in der Lagerhalle und im Lutherhaus lassen sich die Gäste der Komischen Nacht von Herrn Schröder, Andre Kramer, Cloozy Haber, Marco Weissenberg, Peter Löhmann, Robert Alan, Sebastian Schnoy und Thomas Schmidt unterhalten. Das Publikum sucht sich einen der Veranstaltungsorte aus, in denen jeweils fünf der acht Comedians ein kurzes Stand-up aufs Parkett bringen. Im Blue Note wird Herr Schröder vom All-Rounder Sebastian Schnoy abgelöst. Schnoy ist bereits seit 20 Jahren als Comedian tätig, aber auch als Musiker und Autor. Im Blue Note zeigt er humorvolles und intelligentes Kabarett mit Themen aus Geschichte und Politik.

Wer Anfang Juli, als in Hamburg die Krawalle um den G-20-Gipfel wüteten, in den sozialen Medien unterwegs war, wird den folgenden Künstler womöglich erkannt haben. Andre Kramer gelang ein Social-Media-Coup, als er sich inmitten einer Polizei-Blockade mit dem Schild „Ich bin Anwohner und gehe nur kurz zu Edeka. Danke.“ fotografieren ließ. Kramer wohnt auf St. Pauli und hat darauf auch sein Programm ausgerichtet, das im Blue Note allerdings auf verhaltene Reaktionen stößt, als er über seinen Alltag mit der Dating-App Tinder, die Erfahrungen mit Prostituierten auf der Reeperbahn und Geschlechtskrankheiten erzählt. Sein Humor ist schwarz und – „untenrum“, wie er sagt. Im Blue Note muss er um jeden Lacher kämpfen.

Da hat es der sympathische Marco Weissenberg leichter. Als geduldiger Zauberkünstler bringt er frischen Wind in den Stand-up-Abend, bezieht das Publikum ein, wie es sich für eine Zaubershow gehört und gewinnt dabei dessen Sympathie. Ironisch gebrochen und souverän referiert er über die Kunst der Illusion. Es dürfte sich lohnen, seinen Weg weiterzuverfolgen.

Den Abschluss macht der lakonische Thomas Schmidt. Der bebrillte 31-Jährige ohne Bartwuchs hat ein trockenes, aber derbes und selbstironisches Programm „übers Bumsen“ im Gepäck und erzählt smart und gelassen über die Tücken des Alltags, vom Kondomkauf im Supermarkt bis hin zum Besuch beim Proktologen. Sicherlich nicht jedermanns Sache – trotzdem absolut empfehlenswert.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN