1.200 Euro fürs Türöffnen Polizei Osnabrück warnt vor Abzockern bei Schlüsseldiensten

Ermittlerin Karolina Staszewska von der Polizei Osnabrück  hält eine Rechnung von einem Schlüsseldienst in der Hand, der das Vielfache der normalen Summe berechnet hat. Die Polizei ist gegen solche Unternehmer weitgehend machtlos, da es sich um Geschäfte „hart am Rande der Legalität“ handelt. Foto: Sven KienscherfErmittlerin Karolina Staszewska von der Polizei Osnabrück hält eine Rechnung von einem Schlüsseldienst in der Hand, der das Vielfache der normalen Summe berechnet hat. Die Polizei ist gegen solche Unternehmer weitgehend machtlos, da es sich um Geschäfte „hart am Rande der Legalität“ handelt. Foto: Sven Kienscherf

Osnabrück. Die Osnabrücker Polizei warnt vor unseriösen Schlüsseldiensten, die „hart am Rande der Legalität“ operieren. Zuletzt hatte es in der Stadt Osnabrück Fälle gegeben, in denen Kunden Rechnungen bis zu 1.200 Euro ausgestellt worden sind.

Der Ablauf ist meistens ähnlich, wie Karolina Staszewska von der Osnabrücker Polizei sagt. Die Menschen, die sich ausgesperrt haben, suchen im Internet nach der Wortkombination „Schlüsseldienst Osnabrück“ und stoßen so ganz vorne bei den Ergebnissen auf entsprechende Einträge mit 0800-Nummern.

Auch auf Nachfrage versicherten die Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung, der Mitarbeiter komme ganz aus der Nähe. Tatsächlich haben viele der dubiosen Unternehmen aber ihren Sitz in Ruhrgebiet, entsprechend lange dauert die Anreise. Auf der Rechnung stehen dann aber nicht nur die erhöhten Anfahrtskosten, sondern auch Zuschläge für Nachtarbeit oder Feiertage lassen sich die Handwerker fürstlich entlohnen. Neu eingesetzte Türschlösser werden schon mal mit dem Zehnfachen des eigentlichen Werts berechnet. „Die Gesamtrechnungen betragen zwischen 500 und 700 Euro“, sagt Staszewska. In einem Fall habe eine junge Frau sogar 1.200 Euro gezahlt. Bei einem seriösen Unternehmen kostet ein Einsatz dagegen zwischen 80 und 200 Euro.

Menschen sind überfordert

Die angereisten Handwerker lassen sich meist vor Beginn der Arbeit eine Rechnung unterschreiben, manchmal auch blanko. „Die Männer treten sehr entschieden und überzeugend auf“, sagt Staszewska. Oft kommen sie zu zweit. Allerdings wählen sie ihre Worte offenbar so, dass sie ihre Kunden nicht direkt bedrohen.

Die Unternehmen setzen darauf, dass die Menschen aufgrund ihrer misslichen Lage ohnehin überfordert sind und einfach unterschreiben.

Zahlen können die Kunden nur in Bar oder mit EC-Karte. Das Geld ist dann weg und muss in den meisten Fällen wohl auch abgeschrieben werden. „Ein Betrug ist schwer nachzuweisen“, sagt Ulrich Klus von der Osnabrücker Polizei. Zunächst einmal handele es sich um einen rechtmäßig abgeschlossenen Vertrag, gegen den der geprellte Kunde dann gerichtlich vorgehen muss. Ausgang ungewiss.

Schlüsseldienst vorher heraussuchen

Die Polizei rät daher, sich bereits einen Schlüsseldienst aus der Region herauszusuchen, wenn man sich nicht in einer Notlage befindet und die Nummer zu speichern. Ferner sollte man keine Angebote raussuchen, bei denen man direkt zahlen muss. „Bei seriösen Anbietern bekommt man eine Rechnung ausgestellt, die später überwiesen werden kann.“ Und im Falle des Falles sollte man die Polizei rufen, wenn sich das Gefühl einstellt, man habe es mit zweifelhaften Handwerkern zu tun, sagt Karolina Staszewska. Und zwar am besten, bevor eine Rechnung unterschrieben und eine Leistung erbracht worden ist. „Wenn die Polizei eintrifft, bestehen die Handwerker in der Regel nicht auf die sofortige Zahlung.“

Die dubiosen Handwerker lassen sich vorab eine Rechnung unterschreiben. Die Summe für die erbrachten Leistungen beträgt ein Vielfaches des Preises, den normale Handwerker veranschlagen würden. Foto: Sven Kienscherf


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