Jugendparlament im Schulausschuss Osnabrücker Schüler über Hitze, Fahrkarten und fiese Klos

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Nicht selten entlarvt der Blick durch Brille der Schultoilette den Sanierungsstau. Archivfoto: Frank Rumpenhorst/dpaNicht selten entlarvt der Blick durch Brille der Schultoilette den Sanierungsstau. Archivfoto: Frank Rumpenhorst/dpa

Osnabrück. Kaum einer ist näher dran an fiesen Schulklos und überheizten Klassenräumen als die Vertreter des Jugendparlaments. Sie können den Schulausschuss durch Alltagsanalysen bereichern – und selbst jede Menge mitnehmen. Drei Lektionen für alle.

Schulklos sind ein Dauerbrenner: Kaum ein Phänomen zieht sich so beharrlich durch jede Schullaufbahn wie das stinkende Klo. Markus Pietschner, Schüler und Vertreter des Jugendparlamentes, regt im Schulausschuss an, Hygienespender in Toiletten an weiterführenden Schulen anzubringen. Eine Idee, die an medizinischen Standards scheitert. Der Gesundheitsdienst für Stadt und Landkreis rät von Desinfektionsmittelspendern in Schulen ab, heißt es in der Vorlage der Verwaltung. Der Trend geht zum klassischen Händewaschen. „Wissenschaftliche Studien belegen das“, erklärt Brigitte Neumann (CDU). Hygienespender könnten bei falscher Anwendung zu Allergien und Hautirritationen führen. „Wenn mich nicht alles täuscht, sind diese Desinfektionsmittel auch stark alkoholhaltig“, so Thomas Klein (Grüne). Ein weiteres K.o.-Kriterium für die Schule.

Was hängen bleibt: Sind die Hände auch gewaschen, ist längst nicht alles sauber. Für viele Schüler bleibt die Schultoilette Ekelfaktor Nummer eins. Auch der Blick durch die Klobrille entlarvt den Sanierungsstau an Osnabrücker Schulen. Eins lässt hoffen: Es zeichnet sich ab, dass der Stadtrat etliche Millionen zusätzlich pro Jahr in die Schulen spülen wird.

Wenn die Stadt nicht helfen kann, frag das Land: Für Oberstufenschüler gibt es kein hitzefrei, regelt ein Erlass des Niedersächsischen Kultusministeriums. Also schwitzen bis der Arzt kommt? Das Jugendparlament wünscht sich Klimaanlagen in Osnabrücker Schulen. „Im Sommer sah der Unterricht für Oberstufenschüler so aus“, skizziert Markus Pietschner eine schweißtreibende Unterrichtsstunde am Graf-Stauffenberg-Gymnasium: „Der Lehrer redet, wir legen den Kopf auf den Tisch, in der Pause schnell raus, Wasser ins Gesicht, weiter.“ Abgesehen davon, dass es ein zu teures Unterfangen wäre, Osnabrücker Schulen komplett mit Klimaanlagen auszustatten, erklärt Ludger Rasche, Fachdienstleiter Hochbau in der Stadtverwaltung: „Klimaanlagen in Schulen sind weder ökologisch noch lufthygienisch sinnvoll.“ Nicht nur Energie geht flöten, auch Keime werden verteilt. „Da kann man besser mal schwitzen“, versichert er. „Allerdings ist die Frage berechtigt, ob sich Oberstufenschüler bei Temperaturen über 30 Grad besser konzentrieren können als jüngere Schüler“, gibt Ausschussvorsitzender Jens Martin (SPD) zu bedenken und gibt einen Tipp: „Vielleicht kann man ja an der Hitzefrei-Regelung drehen?“ Dafür müssten sich die Schüler an das Land wenden.

Was hängen bleibt: Sonne macht das Land. Es gibt oft nicht nur eine Tür, an die man mit seinem Anliegen klopfen kann. Wenn das Land allerdings nicht weiterhilft, geh zurück auf Los – zur Stadt oder direkt zur Schulleitung. Dann muss vor Ort jenseits der Klimaanlage eine Lösung gefunden werden, die runterkühlt.

Keine Kommunalpolitik ohne Missverständnisse: „Unsere Anfrage wurde irgendwie falsch verstanden“, stellt Markus Pietschner beim Blick auf die Vorlage zur Schülerbeförderung fest. Sie benennt, dass Schüler aus der Sekundarstufe II unterstützt werden möchten und dröselt auf, was die Stadt in puncto Busfahrkarte bereits leistet. Rund 4,8 Millionen Euro veranschlagt sie im Haushalt für 13700 Schüler-Busfahrkarten (bis einschließlich Jahrgang 10). „Wir wissen, dass die Stadt da viel Geld in die Hand nimmt“, sagt Pietschner. „Wir hatten an kreative Mengenmodelle gedacht.“ Oberstufen-Schüler könnten sich online zusammenschließen und eventuell gemeinsam ein gewisses Fahrkarten-Kontingent abnehmen, sodass die Karte unterm Strich günstiger für alle wird, formuliert er den Ansatz aus dem Jugendparlament. Man könne abfragen, wer ab welchem Preis dabei wäre – „freiwillig, nicht verpflichtend“.

Was hängen bleibt: Keine Vorlage ersetzt die persönliche Erläuterung. Politik heißt immer auch reden und erklären. Bleibt die Frage: Was macht man mit guten Ideen und wer könnte sie umsetzen?


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