NOZ-Monatsrückblick September 2017 Wahl, Friedenspreis und Weltreligionen in Osnabrück

Von Frank Riehemann


Osnabrück. Bundestagswahl und Dieselfahrverbot, der Türkei-Konflikt und das Verhältnis der Religionen – im September 2017 bestimmen nationale und internationale Themen auch die Schlagzeilen in Osnabrück. Mehr zu diesen und anderen Ereignissen in unserem Monatsrückblick für die Region.

Die Bundestagswahl ist natürlich auch in Osnabrück und Umgebung das Gesprächsthema Nummer eins in diesem Monat. Wie erwartet, verteidigen Mathias Middelberg (CDU) im Wahlkreis 39 Osnabrück-Stadt, zu dem auch Wallenhorst, Belm, Hagen, Hasbergen und Georgsmarienhütte gehören und André Berghegger (CDU) im Wahlkreis 38 Osnabrück-Land ihre Direktmandate. Spannend machen es Mathias Seestern-Pauly (FDP) und Waldemar Herdt (AfD). Für beide steht erst am Montag um 5.25 Uhr fest, dass sie den Sprung in den Bundestag geschafft haben. Auch Filiz Polat (Grüne) und Rainer Spiering (SPD) werden die Region in Berlin vertreten. In beiden Wahlkreisen bleibt die AfD mit 6,3 Prozent (WK 39) und 7,3 Prozent im Landkreis (WK 38) deutlich unter ihrem Ergebnis im Bund, wo sie 12,6 Prozent der Stimmen erhält. Eine Besonderheit: Osnabrück ist die einzige Großstadt in Deutschland, in der kein Direktkandidat der AfD antritt.

Droht den Dieselfahrern in Osnabrück ein Fahrverbot? Seit Jahren übersteigen die Stickstoffdioxidwerte in der Stadt die von der EU festgelegten Grenzwerte. Jetzt fordert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) die Stadt auf zu erklären, wie sie den Schadstoffausstoß bis Anfang 2018 reduzieren will. Die Kommunalverwaltung übermittelt der DUH daraufhin eine „substanziierte Rückmeldung“ und eine Einladung zum Dialog. Am Ende wird die DUH über eine Klage beim Europäischen Gerichtshof entscheiden, was zu einem Dieselfahrverbot führen könnte.

In Zeiten internationaler Konflikte und religiöser Spannungen gehen von Osnabrück im September 2017 eindrucksvolle Zeichen für Frieden und Verständigung aus.

Die Verleihung des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises wird in diesem Jahr von den Entwicklungen in der Türkei bestimmt. Die türkische Schriftstellerin und Essayistin Asli Erdogan erhält den Preis für ihren Kampf für die Menschenrechte und für ihre „Berichte über die Auswirkungen der politischen Verhältnisse in der Türkei auf die Menschen und ihren Alltag“, wie es in der Begründung heißt. Im August 2016 war sie in der Türkei festgenommen worden, weil sie zeitkritische Kolumnen für eine Zeitung geschrieben hatte. Nach der Haftentlassung wurde ihr monatelang die Ausreise verweigert. Überraschend kann Asli Erdogan jetzt kurzfristig nach Osnabrück reisen und den Preis persönlich entgegennehmen. Den Sonderpreis erhalten Daniel und Sabine Röder aus Frankfurt für ihre Initiative „Pulse of Europe“, mit der sie für die EU und ihre freiheitlichen Grundwerte demonstrieren.

Ein beeindruckendes Zeichen für den Frieden setzen auch die Religionen in Osnabrück. Zum Abschluss des Weltfriedenstreffens der Gemeinschaft Sant'Egidio ziehen Vertreter aller Weltreligionen vor das Rathaus und unterzeichnen einen gemeinsamen Friedensappell, in dem sie sich verpflichten, „neue Wege des Friedens“ zu eröffnen. An den beiden Tagen zuvor hatten die Teilnehmer in Münster während zahlreicher Gespräche und Diskussionen bestehende Kontakte über religiöse, nationale und politische Grenzen hinweg erneuert und gefestigt.

Rund um Osnabrück

Bissendorf ist als Wirtschaftsstandort gefragt. Im Gewerbegebiet Beetkamp können Bürgermeister Guido Halfter und Landrat Michael Lübbersmann zwei neue Unternehmen begrüßen: den Hersteller von Reha-Hilfsmitteln, Schuchmann, und das Elektrotechnikunternehmen Heinrich + Ellermann. Damit ist das jüngste Gewerbegebiet der Gemeinde vollständig belegt. Bereits im letzten Jahr war die Firma Runge von Osnabrück nach Bissendorf gezogen. Jetzt soll das Natberger Feld erschlossen werden, um das es in den letzten Jahren heftige Diskussionen gegeben hatte.

Im Wallenhorster Ortsteil Hollage wollen der „Heimat- und Wanderverein“ und der Verein „Heimathaus Hollager Hof“ ihre Kräfte bündeln und sich zum Verein „Heimathaus Hollager Hof von 1656“ zusammenschließen. Gemeinsam wollen sie sich für Heimat und Kultur in Hollage einsetzen. Zwischen beiden Vereinen bestehen seit Langem enge Beziehungen. Bis vor 27 Jahren bildeten sie schon einmal eine Einheit. Dann wurde das Heimathaus Hollager Hof gebaut. Weil sich nicht alle Mitglieder an diesem Großprojekt beteiligen wollten, wurde ein eigener Verein „Heimathaus Hollager Hof“ gegründet.

Nach zwei Jahren endet vor dem Landgericht Osnabrück ein Verfahren um ein lahmendes Pferd. 2013 hatte eine Schweizerin vom Hagener Hof Kasselmann für 900.000 Euro „Londontown S“ gekauft. Ein Jahr später wurde bei einer Untersuchung die Lahmheit des Dressurpferds festgestellt. Die Käuferin hatte Kasselmann daraufhin vorgeworfen, sie arglistig über den Zustand des Pferdes zum Zeitpunkt des Kaufs getäuscht zu haben und eine Rückabwicklung des Kaufvertrags gefordert. Jetzt weist das Gericht die Klage ab. Die Klägerin konnte nicht nachweisen, dass die Ursachen für die spätere Lahmheit des Pferdes bereits beim Ankauf vorlagen, so die Urteilsbegründung.

Südkreis

Georgsmarienhütte feiert die 475. Oeseder Kirmes. Zum Jubiläum beginnt das Fest schon am Donnerstagabend, einen Tag früher als gewöhnlich, mit einem Hochamt in der St.-Peter-und-Paul-Kirche und einem Festakt im Zelt am Riesenrad. Etwa 200.000 Menschen genießen an den folgenden vier Tagen Fahrten in der modernen Achterbahn und der historischen Raupenbahn.

In Bad Iburg wird Eckart von Hirschhausen mit dem Courage-Preis geehrt. Das Preiskomitee ehrt den Arzt, Kabarettisten, Ratgeber und Quizmaster für die Arbeit seiner Stiftung „Humor hilft heilen“. Die Stiftung fördert unter anderem Humor-Schulungen für Ärzte und Pflegekräfte, bringt professionelle Clowns in Krankenhäuser und Pflegeheime und beauftragt auch wissenschaftliche Studien zur medizinischen Wirkung des Lachens.

Aus Dissen kommen endlich einmal gute Nachrichten: Fuchs Gewürze, Deutschlands marktbeherrschender Gewürzhersteller mit Sitz in Dissen, hat in den letzten Jahren kräftig im Ausland investiert. Im Juni 2017 wurde in den USA ein neues Industriewerk für 40 Millionen Euro eröffnet. Bereits im letzten Jahr wurde ein Entwicklungs- und Vertriebszentrum in Schanghai für die asiatische Lebensmittelindustrie eröffnet, wie die Geschäftsführer Nils Meyer-Pries und Jan Plambeck im Interview mit NOZ Medien erklären. Außerdem wurde ein französisches Werk deutlich erweitert. Auch die nationalen Standorte sind nach Angaben des Familienunternehmens gestärkt worden. Allein in Dissen wurden fast 100 neue Stellen geschaffen. Nach dem Aus für Homann, ist dies endlich ein Lichtblick für den Industriestandort Dissen.

Blick nach Westfalen

Bei der Bundestagswahl verteidigt Anja Karliczek (CDU) im Wahlkreis Steinfurt III, zu dem auch Lotte und Westerkappeln gehören, ihr Direktmandat. Außerdem zieht aus der Region Michael Espendiller von der AfD in den Bundestag ein.

Nach sechsmonatiger Bauzeit wird die grundsanierte K8 zwischen Lotte-Osterberg und Tecklenburg-Leeden wieder für den Verkehr freigegeben. Auf drei Kilometern wurde die Straße für 800.000 Euro von 4,6 auf sechs Meter verbreitert.

Ein tragischer Unfall erschüttert das Tecklenburger Land. Ein Bus, der Besucher von Ledde zur Feier „500 Jahre Reformation im Münsterland“ nach Tecklenburg bringen soll, kommt in einer Kurve von der Fahrbahn ab und kippt auf die Seite. Eine Frau aus Osnabrück wird unter dem umstürzenden Bus begraben und erliegt ihren Verletzungen. 21 weitere Insassen werden verletzt.

Persönlich

Schwester Willehada stirbt im Alter von 79 Jahren. Viele Osnabrücker kennen sie als Lehrerin der Berufsbildenden Schule im Marienheim Osnabrück-Sutthausen. Besonders in Erinnerung bleiben wird ihr Einsatz für Tiere auf dem Gutsgelände.

Wolfgang Prämaßing wird Deutschlands erster Rasenprofessor. Ab dem Wintersemester wird er an der Hochschule Osnabrück zum Thema Rasen forschen und lehren.

Bodo Suhren, Verwaltungsbeamter bei der Osnabrücker Polizei und AfD-Funktionär, gerät ins Visier der Staatsanwaltschaft. Er soll Polizei-Interna unbefugt an seine Partei weitergegeben haben.

Andreas Albers, Heimatfreund und Autor von heimatgeschichtlichen Beiträgen für die „Wallenhorster Geschichten“, erliegt im Alter von 53 Jahren einer schweren Krankheit.

Bischof Franz-Josef Bode wird zum stellvertretenden Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt.

Herbert Grönemeyer wird Botschafter des Afghanischen Frauenvereins aus Osnabrück.


Hier fassen wir jeweils zum Ende eines Monats die wichtigsten Themen der vorangegangenen Wochen in Kurzform zusammen. Ähnlich wie in den beliebten Jahresrückblicken der Zeitung können Sie hier alles Wissenswerte des Monats aus Osnabrück und Umgebung Revue passieren lassen. Hyperlinks im Text führen Sie bequem zu vorheriger Berichterstattung.