550 Mitarbeiter verlassen Werk VW Osnabrück bekommt doch keinen Audi – Jobs fallen weg

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Osnabrück. Schlechte Nachrichten für das Osnabrücker VW-Werk: Es bekommt offenbar nun doch vorerst kein neues Modell, zudem fallen in den nächsten Monaten beide Porsche-Modelle weg. Bis Ende des Jahres werden 550 Mitarbeiter weniger in der Osnabrücker Karmannstraße 1 arbeiten.

Diese Nachrichten bekam die Belegschaft in der vergangenen Woche auf der Betriebsversammlung mitgeteilt, wie unsere Redaktion erfuhr. Die Hoffnung, Osnabrück könne ab Ende 2018 für drei Jahre den Sportwagen TT und/oder das A3 Cabrio der Konzerntochter Audi produzieren, hat sich demnach zerschlagen.

Mehrere VW-Vorstände hatten bei einem Besuch des Osnabrücker VW-Werks im August angekündigt, in den kommenden Wochen über die Werkbelegung und Auslastung zu entscheiden.

Cayman läuft aus

Der Betriebsrat hatte danach in einer Mitteilung zudem die Hoffnung geäußert, ein bereits vorhandenes Produkt länger als geplant produzieren zu können. Den Informationen unserer Redaktion zufolge hatte es sich um den Porsche Cayman gehandelt, der seit dem Frühjahr in Osnabrück teilweise gefertigt wird. Bei der Betriebsratsversammlung erfuhren die VWler, keine Verlängerung für den Sportwagen zu kriegen. Er läuft Ende des Jahres aus.

Porsche Cayenne läuft planmäßig aus

Mit dem Verlust des Caymans verliert VW Osnabrück seine beiden Porsche-Modelle. Die Zuffenhausener Sportwagenschmiede will die dritte Generation ihres Geländewagens Cayenne zu hundert Prozent im slowakischen Bratislava bauen lassen. In Osnabrück findet derzeit die „Hochzeit“ statt, also die Verbindung von Karosserie und Motor. Noch. Die Produktion läuft ebenfalls noch in diesem Jahr aus. 2016 hatte das Werk bereits das VW Golf Cabrio verloren, das der Konzern eingestellt hatte.

Tiguan und Fabia bleiben

Was bleibt für die Osnabrücker? Weiterhin produziert das Werk die erste Generation des VW Tiguan für den US-amerikanischen und kanadischen Markt – zumindest solange die Absatzzahlen stimmen. Die Verluste der Porsche-Modelle und das Ausbleiben eines neuen Modells soll die Lackiererei in Teilen auffangen. Mehr Skoda Fabia als bislang sollen in Osnabrück lackiert werden, ein Teil der Belegschaft wechselt von der Produktion in die Lackiererei.

Emder gehen zurück

Die 250 Leiharbeiter des Personaldienstleisters Autovision GmbH – einer hundertprozentigen Tochter der Volkswagen AG – sind offenbar die Verlierer dieser Entwicklungen. Sie erhalten keine Verlängerungen und werden offenbar bis Ende des Jahres gehen müssen, die ersten im Oktober.

Die einstigen 300 Autovision-Leiharbeiter, die von Emden nach Osnabrück gekommen waren, behalten zwar ihre Arbeitsplätze, müssen aber zurück nach Emden. Sie sollten eigentlich für zwei Jahre nach Osnabrück wechseln.

Hintergrund: 1000 Leiharbeiter im Emder Werk wollte VW in festen Verträgen übernehmen. Weil es aber nicht genug Arbeit für alle gab, wechselten 300 im Frühjahr nach Osnabrück.

Zukunft für Emder unklar

Doch auch in Emden werden nicht alle 300 Arbeiter bleiben können. Ein Großteil von ihnen, womöglich bis zu 200, könnten nach ihrer Rückkehr nach Emden auf andere Werke verteilt werden, berichtet ein Insider, womöglich nach Hannover. Diese Nachricht habe unter den Mitarbeiter bei der Versammlung für Aufregung gesorgt. Immerhin wolle der Konzern die Arbeiter unserer Quelle zufolge wohl finanziell unterstützen.

Verlust der Kompetenzkette

Die VW-Vorstände hatten dem Betriebsrat zufolge während ihres Besuchs in Osnabrück die Sorge der Belegschaft geteilt, dass „der Standort seine Kompetenzkette verlieren könnte“. Der Wegfall der Porsche-Modelle und die zerschlagene Hoffnung auf ein Audi-Modell nähren diese Sorge. Auch der Betriebsrat befürchtet, der Standort könne seine Kompetenz zur Komplettproduktion – insbesondere im Karosseriebau – einbüßen.

Kommt der T-Roc nach Osnabrück?

Einen Hoffnungsschimmer soll es geben: Gerüchten zufolge könnte Osnabrück – irgendwann – das T-Roc Cabrio produzieren. Wann ist unklar, denn bislang gibt es nicht mal einen offiziellen Produktionsbeginn geschweige denn eine offizielle Bestätigung für Realisierung des offenen Geländewagens. Womöglich schon 2018 könnte das Cabrio an den Start gehen, berichtet die „Autozeitung“. Der geschlossene Kompakt-SUV – VW nennt ihn CUV (Crossover Utility Vehicle) – läuft seit August in Portugal vom Band und soll ab November ausgeliefert werden. Mehr als ein Gerücht ist es bislang aber nicht, wenn T-Roc Cabrio und Osnabrück in einem Atemzug genannt werden.

VW arbeite weiterhin an einem Gesamtkonzept für den Standort Osnabrück. Neues soll es aber nun wohl nicht vor Dezember geben.

Vom Sprecher des Osnabrücker Werks war bislang keine Stellungnahme zu erhalten.


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