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Wahlkreis Osnabrück-Land Seestern-Pauly (FDP) und Herdt (AfD) im Bundestag

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Osnabrück. Auch Matthias Seestern-Pauly (FDP) und Waldemar Herdt (AfD) haben den Sprung nach Berlin geschafft. Bis Mitternacht hatte es noch so ausgesehen, als würden im Wahlkreis Osnabrück-Land (38) nur André Berghegger (CDU), Rainer Spiering (SPD) und Filiz Polat (Grüne) im Bundestag vertreten sein.

Für Matthias Seestern-Pauly, liberales Talent aus Bad Iburg, wurde die Stimmauszählung zu einem Wechselbad der Gefühle. Das zweistellige Ergebnis der FDP im Bund schien zunächst eine Garantie für den Inhaber des Listenplatzes 7 für den Einzug in den Bundestag. Doch die Gewissheit schwand im Laufe des Abends. Seestern-Pauly musste warten, bis der Wahlleiter am frühen Morgen das vorläufige amtliche Endergebnis verkündete. Nach einer Hochrechnung des „Tagesspiegels“ in Kooperation mit der Internetplattform „mandatsrechner.de“ rutschte Seestern-Pauly kurz nach Mitternacht doch noch in den Bundestag. Das blieb auch bis 6 Uhr so.

( Weiterlesen: Matthias Seestern-Pauly im Porträt)

Sensationelles Ergebnis für Waldemar Herdt (AfD)

Ähnlich erging es Waldemar Herdt (AfD) aus Neuenkirchen-Vörden. Auch er ist Mitglied des Bundestages. Herdt (Listenplatz 7) hatte sich vor der AfD noch für die christliche Splitterpartei „Partei Bibeltreuer Christen“ engagiert. Das Bundestagsmandat hat er dem AfD-Erfolg auf Bundesebene zu verdanken. Im Landkreis blieben die Rechtspopulisten hinter den Erwartungen zurück.

( Weiterlesen: Waldemar Herdt: „Mit 76 D-Mark in bar“ angefangen)

Herdt: „Ich hätte sogar erwartet, dass die AfD 23 Prozent auf Bundesebene bekommt“

Herdt selbst sagte am Sonntagabend, als noch nicht feststand, ob er in den Bundestag einzieht: „Ich hätte sogar erwartet, dass die AfD 23 Prozent auf Bundesebene bekommt.“ Der 54-jährige Russlanddeutsche, der als Unternehmer in der Bau-Branche tätig ist, will aus der AfD eigenen Angaben zufolge „eine Problemlöser-Partei machen“. Was das konkret bedeuten soll, konnte er Sonntagabend am Telefon nicht erläutern.

Zweistelliges AfD-Ergebnis im Kreis Osnabrück erwartet

Die Freude über den Einzug von Herdt konnte die Enttäuschung über das schlechte Abschneiden auf Kreisebene aber nicht aufwiegen. Der Sprecher des AfD-Kreisverbands, Hartwig Knoops, sagte: „Ich hätte auch bei uns im Wahlkreis ein zweistelliges Ergebnis erwartet. Dass uns das nicht gelungen ist, ist sehr unerfreulich.“

Nur 7,3 Prozent für AfD im Kreis Osnabrück

Am Ende brachte es die AfD im Kreis Osnabrück nur auf 7,3 Prozent und damit rund sechs Prozentpunkte weniger als auf Bundesebene. Verantwortlich dafür machte er, dass „die AfD in der Region mit einem enormen medialen Gegenwind zu kämpfen hatte“, wie Knoops es beschreibt. Auf der anderen Seite konstatierte er, dass parteiinterne Streitigkeiten „sicherlich einige Prozentpunkte“ gekostet hätten. Es sei natürlich unglücklich gewesen, dass die Partei es nicht geschafft habe, im Wahlkreis Osnabrück-Stadt einen Direktkandidaten aufzubieten. Knoops empörte sich: „Wir haben innerhalb unserer Partei eine Gruppe, die uns sabotiert. Das führt dazu, dass wir nach außen den Eindruck der Zerrissenheit vermitteln.“

( Weiterlesen: So hat der Wahlkreis Osnabrück-Land abgestimmt)

„Wir wollen die CDU ablösen“

Nach der ersten Hochrechnung hatte Knoops alleine bei sich zu Hause in Wallenhorst noch eine Flasche Sekt aufgemacht, wie er um kurz nach 18 Uhr noch telefonisch berichtet hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatte er sich noch „positiv überrascht“ gezeigt, denn er hätte bundesweit nur mit etwa 12,5 Prozent für die AfD gerechnet. Knoops bezeichnete diese Wahl daher als „Denkzettel für die Altparteien“. Die AfD habe den Anspruch, Volkspartei zu werden und die CDU abzulösen.

Berghegger (CDU) verlor mehr als sieben Prozentpunkte

Ungefährdet zog an der Spitze der CDU-Amtsinhaber André Berghegger seine Runden, der allerdings deutliche Einbußen zu verdauen hat. Der ehemalige Bürgermeister von Melle verlor über sieben Prozentpunkte, wie auch die CDU im Kreis Federn ließ.

Rainer Spiering (SPD) aus Bad Rothenfelde kann aufgrund seines sicheren Listenplatzes seine Arbeit in Berlin fortsetzen, auch wenn die Sozialdemokraten im Kreis Boden verloren.

Den nächsten Karrieresprung vollzieht Filiz Polat: Die Landtagsabgeordnete der Grünen aus Bramsche wechselt von Hannover nach Berlin und kommt vielleicht sogar in den Genuss, Mitglied einer Regierungskoalition zu werden. Mit Listenplatz drei bei der Bundestagswahl hatte sie nicht lange bangen müssen.

Im Wahlkreis Osnabrück-Stadt schaffte Mathias Middelberg (CDU) als Direktkandidat den Wiedereinzug in den Bundestag.

( Weiterlesen: Wahlsieger Middelberg (CDU) trotzt dem Bundestrend)


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