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„Zurück in normalen Zeiten“ Osnabrücker FDP freut sich über Thieles 8,94 Prozent

Von Michael Schwager

Gute Laune bei der FDP (v.l.): Kreisvorsitzender Gallenkamp und Kandidat Thomas Thiele. Foto: Swaantje HehmannGute Laune bei der FDP (v.l.): Kreisvorsitzender Gallenkamp und Kandidat Thomas Thiele. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Festtagsstimmung in der Osnabrücker FDP-Wahlzentrale im Walhalla – zumindest im Verhältnis zum Katzenjammer von vor vier Jahren.

Damals waren die Liberalen aus dem Bundestag geflogen, und auch in Osnabrück sparten die FDP-Mitglieder seinerzeit nicht mit Selbstkritik.

Der Sonntagabend jetzt war dagegen von Zuversicht und guter Laune geprägt. Moritz Gallenkamp, FDP-Kreisvorsitzender von Osnabrück: „Ein sehr, sehr tolles Ergebnis für uns. Es zeigt, dass wir durch Zusammenhalt aus einer sehr schweren Zeit in eine sehr gute Zeit gelangen können.“ Wichtig dabei für Thomas Thiele, den FDP-Kandidaten im Wahlkreis 39: „Wieder eine liberale Stimme im Bundestag, darüber freue ich mich sehr.“ Allerdings: „Meine Befürchtungen haben sich bestätigt, dass die AfD in dieser Stärke im Bundestag sitzt.“

Auch über sein persönliches Abschneiden bei den Erststimmen (8,94 Prozent) freute sich der örtliche FDP-Kandidat. Allein in seinem Wahllokal, der Montessori-Schule, holte Thiele 27 Prozent der Erststimmen. Das sei auch auf den engagierten Wahlkampf der Osnabrücker Liberalen zurückzuführen.

Dem stimmte auch Thomas Haarmann zu, stellvertretender FDP-Kreisvorsitzender, der noch am Samstag an der Hasestraße vor dem Dom Infobroschüren verteilt und Bürger angesprochen hatte: „Wir haben bis zur letzten Minute gekämpft, und es hat sich gelohnt.“ Das Ergebnis zeige, dass man auch in anderer Form Wähler ansprechen kann. Die FDP hatte unter anderem an der Zahl der Plakate gespart.

Jetzt, so Haarmann, gehe es auch darum, den Schwung des Bundestagsergebnisses auf die Landtagswahl zu übertragen. Er verspreche sich Rückenwind für Tanja Josefa Figlus, die für die FDP im Landtags-Wahlbezirk Osnabrück Ost kandidiert. Sie möchte Gabriela König beerben, die nicht mehr antritt. Eine Herausforderung angesichts Listenplatz 22. König stand bei der vergangenen Wahl auf Platz 14.

Für den Liberalen Robert Seidler war das Abschneiden seiner Partei vor vier Jahren kein realistisches Ergebnis. „Jetzt sind wir zurück in normalen Zeiten“, so der ehemalige FDP-Oberbürgermeisterkandidat. Thiele zitierte dazu Hans-Dietrich Genscher: „Es gibt zwei Institutionen, die Erfahrungen mit Wiederauferstehung haben: die katholische Kirche und die FDP.“

Ein Thema bewegte die Liberalen gestern in Osnabrück auch: die Festlegung der SPD auf die Oppositionsrolle. Damit stelle sie eine Hürde für Koalitionsverhandlungen auf, die zu erheblichen Problemen führen könne. Denn wenn es jetzt nicht gelinge, Union, Grüne und FDP in Koalitionsverhandlungen zu einer Regierungsmehrheit zusammenzubringen, müsste die aktuelle schwarz-rote Regierung geschäftsführend weiter im Amt bleiben.

Die Sorge darüber wurde aber in den Hintergrund gedrängt von einer guten Nachricht für die Osnabrücker FDP: Spontan hatten zwei Besucher der Wahlparty im Walhalla einen Aufnahmeantrag unterschrieben.