Andreas Maurer postet Bild bei Facebook Polizeieinsatz bei Osnabrücker Kreispolitiker – wegen dieses Fotos

Ein vermeintlich harmloses Facebookfoto brachte Andreas Maurer in den Verdacht des Verstoßes gegen das Waffengesetz. Screenshot:noz.de/facebook.com/Andreas MaurerEin vermeintlich harmloses Facebookfoto brachte Andreas Maurer in den Verdacht des Verstoßes gegen das Waffengesetz. Screenshot:noz.de/facebook.com/Andreas Maurer

Quakenbrück. Die Polizei hat das Wohnhaus von Andreas Maurer, Linken-Fraktionschef im Osnabrücker Kreistag, am Donnerstag durchsucht. Auslöser war ein Facebook-Foto des Kreispolitikers.

Andreas Maurer ist seines Zeichens nicht nur Politiker, sondern nach Angaben auf seiner Webseite auch begeisterter Hobbygärtner. Seinen jüngsten Ernteerfolg präsentierte der Linken-Chef aus Quakenbrück am Dienstag sichtlich stolz mit einem Foto auf Facebook: Unter der Überschrift „Erntezeit“ posiert er mit einem Haufen Birnen, einem Korb Äpfel und einem großen Kürbis stolz vor der Kamera. Findigen Beobachtern wird aber noch etwas anderes auf dem Foto ins Auge stechen: Ein silberner Revolver – wie griffbereit platziert, liegt zwischen einem Becher und einer Schale auf dem Gartentisch im Bildhintergrund. Ein Kommunalpolitiker in Besitz einer Schusswaffe?

Verdacht: Verstoß gegen das Waffengesetz

Nun ist insbesondere eine Handfeuerwaffe kein alltäglicher Anblick in deutschen Gärten. Das hat wohl auch ein Betrachter des Bildes gedacht. Wahrscheinlich beunruhigt über seine Entdeckung, trat er am Donnerstag mit dem Pistolen-Foto den Gang zur Polizeiwache in Bersenbrück an und präsentierte sein Netzfundstück den Beamten. Die schritten daraufhin zur Tat, bestätigt Polizeisprecherin Anke Hamker auf Nachfrage unserer Redaktion. Gegen 15 Uhr klingelten laut Polizei vier Beamte, ein Praktikant der Polizei sowie ein Mitarbeiter der Samtgemeinde Artland als unabhängiger Zeuge an der Tür von Maurers Wohnsitz in Quakenbrück. Der Verdacht: Verstoß gegen das Waffengesetz. Bestätigt hat sich der Verdacht jedoch nicht – bei dem Revolver handelte es sich um eine Spielzeugwaffe, sagt Hamker.

Maurer: „So sieht politische Verfolgung in Deutschland aus“

Maurer selbst sei zu diesem Zeitpunkt nicht Zuhause gewesen, so Hamker. Stattdessen habe er sich auf Reisen in Moskau befunden. Auch für unsere Redaktion war Maurer am Freitag weder über E-Mail noch über Telefon zu erreichen. Auf seinem Facebookprofil veröffentlichte er jedoch eine aufgebrachte Stellungnahme. Von einem „Großeinsatz der Polizei“ in seinem Garten ist darin die Rede.

„So sieht politische Verfolgung in Deutschland aus, Polizei, Richter und Staatsanwaltschaft gehen gemeinsam und fahrlässig vor“, schreibt Maurer weiter. Niemand bräuchte ihm erzählen, „seine Söhne hätten keine Plastik Pistolen und man müsste drauf achten was zu sehen ist auf Bildern“. Weiter schreibt er: „So versucht man in Deutschland Menschen einzuschüchtern, aber es ist nicht mehr und nicht weniger als ein Armutszeugnis der Beamten die hier so überreagierten“ (Rechtschreibung aus dem Original übernommen).

Keine Sonderbehandlung für Maurer

Polizeisprecherin Hamker widerspricht der Formulierung „Großeinsatz“. Sie erklärt das Vorgehen bei dem Kreispolitiker: Der Polizist habe einen Anfangsverdacht und berichte davon der Staatsanwaltschaft. Gleichzeitig gebe die zuständige Kommune Auskunft über einen vorhandenen oder nicht-vorhandenen Waffenschein. Der Staatsanwalt stelle dann einen Antrag auf Durchsuchung bei einem Richter. Erlässt dieser schließlich einen Durchsuchungsbeschluss, rücken die Beamten aus.

Sieht der Richter den Verdacht nicht ausreichend begründet, erlässt er den Beschluss nicht, sagt Hamker. Wenn möglich, werde bei einer Durchsuchung ein unabhängiger Zeuge, in der Regel ein Beamter der Kommune oder auch ein Nachbar, herangezogen. Die Prozedur sei bei Maurer genauso abgelaufen „wie bei allen anderen Menschen auch“, betont die Sprecherin. Der Linken-Politiker hat hier demnach keine Sonderbehandlung erfahren.

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Der Anfangsverdacht nach dem Zeugenhinweis war laut Hamker begründet: Das Foto gab nicht eindeutig Aufschluss darüber, ob der Revolver wirklich echt oder nur eine Attrappe war. Erst im Laufe der Durchsuchung stellte sich schließlich raus, dass es sich bei der vermeintlichen Schusswaffe um ein Spielzeug handelt, so die Sprecherin. Laut Maurers Stellungnahme hätten die Kinder aus der Nachbarschaft Tage zuvor mit seinem Sohn gespielt und den unechten Revolver auf seiner Terrasse vergessen.

Maurer und die Ukraine

Der Osnabrücker Kreispolitiker sorgte Anfang des Jahres für einen Eklat mit der Ukraine. Trotz Einreiseverbot war er auf die Halbinsel Krim in der Ukraine gereist. Die ukrainische Botschaft hatte daraufhin eine Protestnote an das Auswärtige Amt geschickt. Bei einer späteren Reise traf er hier den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Maurer wurde in russischen Medien gefeiert, weil er sich als erster deutscher Politiker für eine Anerkennung der Krim als Teil Russlands ausgesprochen hatte.


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