„Wir Kinder in Eversburg“ Theaterprojekt bringt geflüchtete und einheimische Kinder zusammen

Von Anne Reinert


Osnabrück. Ein Theaterprojekt an der Grundschule Eversburg in Osnabrück bringt geflüchtete und hier geborene Kinder zusammen. Die Schule arbeitet dafür mit der Theaterpädagogischen Werkstatt (tpw) zusammen.

Theaterpädagogin Johanna Bethge hat etwas mitgebracht. „Süßigkeiten?“ fragt Jana hoffnungsvoll. „Nein, viel besser“, entgegnet Johanna Bethge. Und holt eine Tasche mit Brillen, Mützen, Ohren aus Kunstfell und anderen Accessoires zum Verkleiden hervor. Die können die Kinder in der nächsten Szene tragen.

Die Jungen und Mädchen probieren Badekappen und Brillen aus, tauschen noch mal untereinander. Dann kann die Probe losgehen. Bethge will, dass die Kinder sich zum Standbild am Strand aufstellen. Lamis legt sich zum Sonnen hin, Areeba ist eine Schwimmerin, drei Mädchen posieren als Damen am Strand.

Der Außerirdische vom Planeten Blatossa

„Wir Kinder in Eversburg spielen, tanzen und machen Theater“ heißt das theaterpädagogische Projekt an der Grundschule Eversburg, das in Kooperation mit der Theaterpädagogischen Werkstatt (tpw) nach den Sommerferien gestartet ist. Noch stehen Bethge und die elf Kinder am Anfang. Die Aufführungen finden am Schuljahresende statt.

Initiiert hat das ganze Schulsozialpädagogin Ann-Christin Rüngling, die an der Grundschule Eversburg tätig ist und die Kontakt zur tpw aufgenommen hat. Und so gibt es nun eine Gruppe mit geflüchteten Kindern und Kindern, die in Deutschland geboren sind. Geleitet wird sie von tpw-Theaterpädagogin Johanna Bethge.

Sie hat den Kindern die Vorgabe gemacht, dass es im Stück um einen Alien gehen soll. „Den Rest der Geschichte haben sich die Kinder selbst ausgedacht“, sagt Bethge. Etwa die Raumschiffreparaturmaschine. Oder den Namen des Heimatplanten des Außerirdischen: Blatossa.

Deutsch lernen durch Theater

Das Theaterprojekt soll Kinder, die neu in Deutschland sind, und die, die hier schon immer leben, zusammenbringen. Aus Syrien, dem Libanon und Pakistan kommen sie unter anderem. Auch viele Kinder mit Migrationshintergrund sind in Osnabrück geboren. An der Grundschule Eversburg liegt ihr Anteil bei 65 Prozent. 21 Sprachen würden an der Schule gesprochen, sagt Schulleiterin Cornelia Klösel mit sichtbarem Stolz.

Zwei Kinder der Theatergruppe seien derzeit in Sprachlernklassen, andere seien erst seit kurzem in Regelklassen, so Klösel. Deutsch lernen sie aber auch über das Theaterspiel. „Sprache lernt sich mit Bewegung leichter“, sagt Liane Kirchhoff, leitende Theaterpädagogin der tpw. Wissenschaftliche Studien belegen das.

Leuchtende Augen beim Spielen

Und auch das Selbstbewusstsein wächst beim Theaterspielen. Das haben Rüngling und Klösel an mehreren Kindern beobachtet, die bisher recht still waren, beim Spielen aber regelrecht aufblühen.

Für die Kinder zählt vor allem eins beim Theater: Es macht Spaß. Die Begeisterung ist ihnen anzumerken. Selbst nach eineinhalb Stunden Probe, als sie sich zum Abschluss stellen sie sich in einen Kreis stellen, um sich voneinander zu verabschieden. Das machen sie laut und freudig. Und mit leuchtenden Augen.