Abschluss im Haus der Jugend Abwechslungsreich: Improtheater Festival in Osnabrück

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Alles „Thriater“: Unter diesem Titel wurden im Haus der Jugend Ergebnisse eines Workshops gezeigt.Foto: Elvira PartonAlles „Thriater“: Unter diesem Titel wurden im Haus der Jugend Ergebnisse eines Workshops gezeigt.Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Mit einer abwechslungsreichen Improvisationstheaterschau endete im Haus der Jugend das 2. Improtheater Festival Osnabrück. Laien trafen auf Profis und motivierten sich gegenseitig.

Brecht sollte es sein, denn das Publikum mochte es wohl politisch: In der Impro-Abteilung Schauspiel wurde aus „Mutter Courage“ kurzerhand „Vater Blamage“, der in einer Schnapsfabrik die Revolution in den Sand setzte. Im dritten Akt einigten sich die Protagonisten auf einen ungewöhnlichen Status quo: „Kapitalismus mit Gefühl“.

Es ist schon faszinierend, auf welche Ideen Improvisationskünstler kommen, wenn sie vom Publikum spontane Anweisung in Bezug auf ihr Bühnenspiel zugerufen bekommen. Drei Abteilungen wurden im Haus der Jugend während der finalen Veranstaltung des diesjährigen „Improtheater-Festivals Osnabrück“ aufgerufen: Schauspiel, Science-Fiction-Film und Musical.

In jeweils drei Akten wurde improvisiert, was das Zeug hält. Da wurden Frauen zu resoluten Firmeninhaberinnen, schüchterne Männer zu Weltall-Generälen, und im Musical „Halbmast der Liebe“ verliebten sich Psychologiestudenten ineinander, die sich gegenseitig zu verblüffenden Lebensweisheiten animierten.

Open Stage

Zum zweiten Mal fand das Improtheater-Festival in Osnabrück statt. Es bestand wieder aus mehreren Komponenten: Zum Start wurde im Blue Note eine Open Stage eröffnet, im 1. Unordentlichen Zimmertheater gastierten die Osnabrücker Truppen Sportfreunde Haseglück und Improvisorium, bevor die Steife Brise aus Hamburg improvisierte. Am Freitag war vom Publikum im Rahmen des Wettbewerbs „OS Open“ im Spitzboden der Lagerhalle der „Impro-Maestro“ gekürt worden, bevor am Samstag das Finale eingeläutet wurde.

An zwei Tagen waren darüber hinaus Workshops angeboten worden, in denen sich Interessierte in der Kunst des Improvisierens üben konnten. Was sie unter Anleitung der Workshopleiter Viviane Eggers, Detlev Schmidt, Bernd Budden und Benjamin Hartwig gelernt haben, zeigten sie im Haus der Jugend unter dem Titel „Thriater“: drei Themen wurden in jeweils drei Akten entwickelt.

Höhepunkt: „Da nich für“

Als Höhepunkt des Festivals wurde das Publikum dann ins Hotel „Da nich für“ gelockt. Den Namen schlug jedenfalls ein Zuschauer vor, als es darum ging, ein fiktives Hotel in Osnabrück zu ersinnen. Die Workshopleiter taten sich mit zwei Mitgliedern der Sportfreunde Haseglück zusammen, um sich im Hotel der Liebe und dem Sterben zu widmen. Denn Zuschauerin Anne war beauftragt worden, mitten im Stück mit lauten Pieptönen darauf hinzuweisen, dass in der gespielten Szene umgehend jemand ableben oder sich ein Paar hoffnungslos ineinander verlieben muss. Tatsächlich erwischte Gevatter Tod den Großbauern Kalle, als Praktikant Sebastian in seinem Hotelzimmer gerade für warmes Wasser sorgen sollte – und vermachte sein Vermögen kurzerhand dem Heranwachsenden. Das Leben nimmt im Improtheater bisweilen sonderbare Wendungen.

„Vater Blamage„

Begleitet wurde die Show von dem Pianisten Bernd Budden. Ob Agitprop-Song in „Vater Blamage“ oder spukiges Weltraumsirren vom Keyboard im SciFi-Drama, ob schlagerhafter Singsang im Musical oder schwülstiger Pop, wenn sich eine zünftige Sexszene im Hotel „Da nich für“ anbahnte, Budden traf stets die Atmosphäre. Und er motivierte die Improvisateure, spontan Liedtexte zu erfinden und sie zu singen. „Es wird nicht das letzte Improtheater-Festival in Osnabrück gewesen sein“, erklärte ein zufriedener Organisator Ralph Vorbach nach dem Festival, das wieder unter der Schirmherrschaft von VfL-Trainer Joe Enochs stand. Warum war Vorbach von den Sportfreunden Haseglück zufrieden? Alle Veranstaltungen waren gut besucht beziehungsweise ausverkauft, und das Publikum war begeistert.


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