Ringe aus Fimo „High Society“ jongliert gewitzt mit Klischees

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Osnabrück.  Auch Anika Deckers zweite Regiearbeit „High Society“ überzeugt als locker inszenierte Komödie mit einer guten Portion Witz, Herz und einem tollen Ensemble.

Es ist der Albtraum aller Eltern. Auf der Babystation wird das eigene Kind vertauscht, und niemand bemerkt etwas. Aber wie kann es überhaupt zu so einem krassen Fehler kommen? Etwa durch Sparmaßnahmen am total überlasteten Personal? Von wegen. In der lockeren Komödie „High Society“ löst ein Kettenbrief, wie er in den 1990er Jahren grassierte, einen feucht-fröhlichen Babytausch auf der Säuglingsstation aus, der erst 25 Jahre später ans Tageslicht kommen soll.

So erfährt das vom Reichtum ihrer vermeintlichen Erzeuger verwöhnte Partygirl Anabel von Schlacht ( Emilia Schüle) erst sehr spät, dass ihre leibliche Mutter Carmen Schlonz ( Katja Riemann) dem anderen Ende der Wohlstandsskala angehört. Wie so ein Leben mit Hartz IV im Plattenbau unter ärmlichen Bedingungen wohl ist?

Nach einem total verkorksten Sommerfest ihrer „falschen“ Mutter Trixi ( Iris Berben) und Zickereien mit ihrer „neuen“ Schwester Aura (Caro Cult) packt Anabel die Koffer und zieht bei Carmen ein. Als sie den süßen Polizisten Yann ( Jannis Niewöhner) kennenlernt, der ausgerechnet ein Verhältnis mit Aura hat, gerät die ohnehin verwirrte Anabel noch mehr durcheinander. Obwohl das Geld plötzlich nicht mal mehr für einen Ring aus Fimo reicht, merkt sie, dass Luxus nicht alles ist.

Nach ihrem Regiedebüt „ Traumfrauen “ überrascht Anika Decker erneut mit einer erfrischenden, ungezwungenen Komödie. Die Handlung um zwei vertauschte Babys, die dadurch in eine Culture-Clash-Komödie mit Selbstfindungstrip mündet und ein sehr vorhersehbares Ende findet, ist zwar weder neu noch originell. Aber die Inszenierung von Decker, die auch das Drehbuch verfasst hat, strotzt nur so vor witzigen, klasse umgesetzten Einfällen. Alleine schon die Anfangssequenz mit den überkandidelten Krankenschwestern hebt „High Society“ aus dem Gros deutscher Komödien heraus. Decker beweist einfach ein hervorragendes Händchen für Timing und eine pointierte Bildsprache.

Natürlich sind die Milieuschilderungen von starken und vereinfachenden Überzeichnungen geprägt. Aber der Film jongliert auf eine dermaßen erfrischende wie ungezwungene Art und Weise mit allerlei sozialen Klischees, dass man der Produktion für nichts böse sein kann.


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