Politiker beantworten Schülerfragen Podiumsdiskussion der BBS Pottgraben zur Wahl


Osnabrück. Mehr als 300 Schüler der Berufsbildenden Schule (BBS) Pottgraben saßen am Mittwoch im voll besetzen Saal im Haus der Jugend, stellten den Bundestags-Kandidaten von fünf Parteien Fragen und lauschten, was sie zu sagen hatten. „Es war alles andere als langweilig, wie es sonst über den Wahlkampf gesagt wird“, bilanzierte Moderatorin Marion Fründ die Podiumsdiskussion.

Das Aufeinandertreffen der Politiker mit den Berufsschülern wurde vom Fachteam „Politik“ der Schule organisiert. Melanie Frömelt co-moderierte die Diskussion, die meistens sachlich blieb. Nur als sich Bundestagsmitglied Rainer Spiering (SPD) und Ratsherr Thomas Thiele (FDP) ein Rededuell lieferten, johlten und klatschten die Schüler. Der 25-jährige Jan-Felix Wirl wunderte sich darüber, dass sich Spiering meistens mit Bundestagsmitglied Mathias Middelberg (CDU) einig war, und Thiele auf der gleichen Wellenlänge wie Günther Westermann vom Bündnis 90/Grüne lag, obwohl deren Parteien doch sonst eher gegenteiliger Meinung waren.

Alle Infos zur Bundestagswahl auf einen Blick auf Ihrem Onlineportal

Meister Beifall für Brandes-Steggewentz

Die Fünfte im Bunde, Giesela Brandes-Steggewentz, konnte für sich verbuchen, dass sie am meisten Beifall erhielt, als die Kandidaten aufschreiben sollten, warum die Schüler ihre Partei wählen sollen. Sie sprach sich unter anderem für eine Einheitsrente in Höhe von 1050 Euro aus.

Jan-Felix Wirl hatte die Podiumsdiskussion extra abgewartet, um seine Stimme per Briefwahl abzugeben. Seine Entscheidung stand aber schon vorher fest, und sie hat sich nach Anhörung der Politiker nicht geändert. Die 18-jährige Frauke Lippe gibt am 24. September ihre Stimme in einer Wahlkabine ab. Eine Entscheidungshilfe war die Podiumsdiskussion auch für sie nicht. Dass sie im Unterricht die Wahl-Programme der Parteien analysierten, habe ihr mehr geholfen, sagte sie.

Positionen aus den Medien bekannt

Grundsätzlich begrüßten es beide Schüler, dass die Podiumsdiskussion stattfand. Jan-Felix Wirl kritisierte jedoch, dass die Politiker das sagten, was schon durch das Fernsehen oder die Medien bekannt ist. „Sie haben aber nicht abgehoben, sondern verständlich geredet“, meinte Frauke Lippe.

Insgesamt standen vier Themenkomplexe auf der Tagesordnung: innere Sicherheit und Terrorabwehr, Flucht und Asyl, Arbeit und Soziales sowie Umwelt und Klima. Der letzte Punkt musste aus zeitlichen Gründen entfallen. Dafür stellten die Schüler vor allem zu den Themen Arbeit und Soziales viele Fragen. Auf die Frage eines Schülers, wie die Forderung der Linken, den Mindestlohn auf zwölf Euro zu erhöhen, finanziert und in kleinen Betrieben umgesetzt werden soll, antwortete Brandes-Steggewentz, dass durch die Anhebung die Kaufkraft vieler Arbeitnehmer gesteigert werde.

Mängel an Schulgebäuden

Spiering sagte an die Schüler gerichtet, es solle eine Allianz auf Bundesebene eingerichtet werden, um Mängel an Schulgebäuden sanieren zu können und die Ausbildung von Lehrern an Unis zu verbessern. Zum Thema Rente sagte Mathias Middelberg, sie sei sicher, solange es der Wirtschaft in Deutschland gut gehe. Um Fachkräfte zu akquirieren müsse ein geregeltes Einwanderungsgesetz geschaffen werden, sagte Thiele. Westermann sagte, bei den Ursachen von Flucht müssten ähnlich wie bei der Verbrechensbekämpfung präventiv in den Herkunftsländern gehandelt werden. Eine Schülerin erhielt viel Beifall dafür, als sie sich dafür aussprach, in die geistige Gesundheit der Menschen zu investieren, um Straftaten zu verhindern.

Weiterlesen: Bundestagswahl 2017 – Bildung und Forschung: Was wollen die Parteien?

Manche Berufsschüler waren für diese Argumente nicht empfänglich. Sie legten ihre Köpfe auf ihre Arme und chillten, andere schalteten während der Diskussion ab und ihre Smartphones an, andere schwatzten. Der Großteil des Auditoriums verfolgte die Diskussion jedoch mit großem Interesse.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN