600 Euro für Lena Hiddessen Ursulaschülerin gewinnt Mathematik-Preis mit „Catan“-Siegstrategien

Von Karsten Grosser

Lena Hiddessen von der Ursulaschule in Osnabrück gewann mit ihrer Mathematik-Facharbeit über Siegstrategien im Spiel „Catan“ den Dr. Hans Riegel-Fachpreis. Foto: Karsten GrosserLena Hiddessen von der Ursulaschule in Osnabrück gewann mit ihrer Mathematik-Facharbeit über Siegstrategien im Spiel „Catan“ den Dr. Hans Riegel-Fachpreis. Foto: Karsten Grosser

Osnabrück. Während einer Facharbeit in ihrem Seminarfach Mathematik hat sich die Osnabrücker Ursulaschülerin Lena Hiddessen mit Siegstrategien im Spiel „Siedler von Catan“ beschäftigt. Die beste Strategie indes war, sich mit dieser Arbeit um den Dr. Hans Riegel-Fachpreis der Universität Oldenburg zu bewerben. Den hat die 17-Jährige nun nämlich gewonnen.

Mathematik liegt Lena Hiddessen. Neben Physik und Chemie zählt ihr Lieblingsfach zu den Leistungskursen der 17-jährigen Ursulaschülerin. Im jüngsten Sommerzeugnis mit einem Notenschnitt von 1,4 habe sie 15 Punkte in Mathe gehabt. Dass die Zwölftklässlerin die Materie beherrscht, bestätigte ihr nun auch eine Jury an der Universität Oldenburg, die Schüler für herausragende Facharbeiten mit dem Dr. Hans-Riegel-Fachpreis ausgezeichnet hat. Lena hatte sich mit ihrer Facharbeit „Spielstrategien am Beispiel von ‚Siedler von Catan‘“ beteiligt – und schaffte es auf den mit 600 Euro dotierten ersten Platz. Für die Ursulaschule gab es zudem einen Sachpreis im Wert von 250 Euro.

Mathematik-Professor gab die Aufgabe vor

Die Facharbeit hatte Lena bereits im vergangenen Schuljahr angefertigt. Die Idee zu der Aufgabe lieferte Professor Matthias Reitzner vom Institut für Mathematik an der Universität Osnabrück. „Wir arbeiten eng mit der Uni zusammen“, erklärt Regina Schlöter, die Lenas Lehrerin im Seminarfach ist. Das eröffne den Schülern die Möglichkeit, frühzeitig Erfahrungen zu sammeln. Reitzner habe während des Schreibens der Facharbeit als Ansprechpartner und Unterstützer bereitgestanden. Doch Lena habe sehr, sehr selbstständig und intensiv am Thema gearbeitet, lobt Schlöter die aus ihrer Sicht gut organisierte Schülerin. Lediglich zweimal habe sie den Professor kontaktiert, erinnert sich Lena. Wahrscheinlich ein Zeichen dafür, dass sie die Aufgabenstellung sehr gut verstanden hat. Aber worum ging es eigentlich?

Siedlungen, Straßen und Städte

„Catan“ von Autor Klaus Teuber ist ein Gesellschaftsspiel, das 1995 mit dem Preis „Spiel des Jahres“ ausgezeichnet wurde. Die Spieler sammeln Rohstoffe wie Holz, Lehm und Erz, um auf einem in jeder Partie anders zusammengesetzten Spielfeld Siedlungen, Straßen und Städte zu bauen. Je weiter sie sich ausbreiten, desto mehr Rohstoffe erhalten sie – wenn die passenden Würfelergebnisse kommen. Reitzner hatte nun eine bestimmte Anfangsaufstellung vorgegeben. Und Lena sollte herausfinden, welche Strategie für die vier Spieler jeweils die beste ist. Erst eine weitere Siedlung bauen? Oder eine der Start-Siedlungen zu einer Stadt aufwerten?

Baumdiagramme und Erwartungswerte

„Ich habe mit vielen Baumdiagrammen gearbeitet“, erzählt Lena. So visualisierte sie die möglichen Abfolgen von Spielereignissen. „Ich habe mehrere Zettel aneinandergeklebt, um bis zu 100 Pfade aufzeichnen zu können.“ Zudem habe sie berechnet, mit welchen Erwartung die einzelnen Spieler Ressourcen erhielten. Wie viele Ressourcen? Rohstoffe welcher Art? Wahrscheinlichkeitsrechnung. Daraus leitete sie schließlich Handlungsempfehlungen ab.

Spielstrategien am Beispiel von „Siedler von Catan“ - mit dieser Facharbeit gewann Lena Hiddessen von der Ursulaschule einen Dr. Hans Riegel-Fachpreis. Foto: Karsten Grosser

Dass es bei Catan die Möglichkeit für die Spieler gibt, untereinander zu handeln, ließ sie unberücksichtigt. Wie auch das vom Würfelergebnis abhängige Auftreten eines Räubers. In der Summe überzeugte ihre 35-seitige Facharbeit durch inhaltliche und sprachliche Schlüssigkeit. „Das versteht auch jeder Nicht-Mathematiker“, meint Schlöter. Vielleicht ist es jetzt überflüssig zu erwähnen, aber die Lehrerin hatte die Arbeit im vergangenen Schuljahr mit 15 Punkten bewertet.

Geld für den Führerschein

Schon in der Mittelstufe hatte Lena ein Spiel aus mathematischer Sicht betrachtet. Im Rahmen von „Jugend forscht“ habe sie sich mit dem Kartenspiel „Phase 10“ beschäftigt. Dabei stehe Spielen gar nicht so sehr in ihrem Fokus. „Catan habe ich höchstens zehnmal gespielt“, meint die 17-Jährige. Viel lieber spiele sie Klavier oder gehe schwimmen. Beim VfL Osnabrück springt sie wettkampfmäßig ins Wasser. Außerdem stehe gerade der Erwerb des Führerscheins an. Und dafür kann sie das Preisgeld von 600 Euro gut gebrauchen.


Dr. Hans Riegel-Fachpreise

Mit den Dr. Hans Riegel-Fachpreisen zeichnen 14 deutsche und sechs österreichische Universitäten in Kooperation mit der Dr. Hans Riegel-Stiftung beziehungsweise der Kaiserschild-Stiftung (Österreich) vorwissenschaftliche Arbeiten von Schülern der Sekundarstufe II aus. Die Preise werden jeweils in den Fächern Biologie, Chemie, Physik, Geografie, Informatik und Mathematik vergeben. Die jeweils drei besten Arbeiten werden mit 600 Euro, 400 Euro und 200 Euro belohnt. Ziel des Wettbewerbs ist es, talentierte Schüler zu fördern und diesen früh einen Kontakt zur Hochschule zu vermitteln. Zudem soll der Austausch zwischen Schule und Universität unterstützt werden. Erstmals wurden im Jahr 2006 an der Universität Bonn diese Fachpreise vergeben. Mittlerweile beteiligen sich nach Angaben der Dr. Hans Riegel-Stiftung jährlich mehr als 1000 Schüler an den Wettbewerben. Gründer der Stiftungen ist mit Dr. Hans Riegel der im Jahr 2013 gestorbene frühere Mitinhaber des Süßwarenherstellers Haribo.