232000 Euro für Proberäume Stiftung und Ministerium investieren im Hafen

Von Tom Bullmann

Die Gitarre durfte nicht fehlen, als sich diese Gruppe ein Bild von der alten Militärpolizeiwache machte (von links): Burkhard Jasper (CDU-Landtagsabgeordneter), Heidrun Achler (SPD-Ratsfrau), Holger Maack (Deutsche Rockmusik-Stiftung), Dangard Schubert (Architekt), Gabriele Heinen-Kljajic (Landesministerin für Wissenschaft und Kultur), Volker Bajus (Grünen-Landtagsabgeordneter), Sebastian Bracke (Grünen-Ratsherr) und Kai Sandersfeld (Kulturverein Petersburger Freiraum). Foto: Elvira PartonDie Gitarre durfte nicht fehlen, als sich diese Gruppe ein Bild von der alten Militärpolizeiwache machte (von links): Burkhard Jasper (CDU-Landtagsabgeordneter), Heidrun Achler (SPD-Ratsfrau), Holger Maack (Deutsche Rockmusik-Stiftung), Dangard Schubert (Architekt), Gabriele Heinen-Kljajic (Landesministerin für Wissenschaft und Kultur), Volker Bajus (Grünen-Landtagsabgeordneter), Sebastian Bracke (Grünen-Ratsherr) und Kai Sandersfeld (Kulturverein Petersburger Freiraum). Foto: Elvira Parton

Osnabrück. In der ehemaligen Militärpolizeiwache der britischen Streitkräfte im Osnabrücker Hafen wird demnächst gerockt: Politiker und die Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur besichtigten künftiges Proberaumzentrum.

Wo kann man richtig laute Rockmusik machen, um sich auf den großen Bühnenauftritt vorzubereiten: im Proberaum. Was früher in Papas Garage oder in einem feuchten Keller der Großeltern praktiziert wurde, sucht mittlerweile das Licht: „Die Ansprüche sind gestiegen“, weiß Holger Maack. Er muss es wissen, denn er ist im Vorstand der Deutschen Rockmusik-Stiftung, die seit einigen Jahren bundesweit aktiv ist, vor allem in Bezug auf Akquise und Bereitstellung von Proberäumen. Dabei geht die Stiftung gern eine Allianz mit Landesregierungen und anderen Kulturförderern ein – wie jetzt in Osnabrück, wo im nächsten Jahr ein neues Proberaumzentrum eröffnet werden soll.

„Wir haben der Stiftung 232000 Euro zur Verfügung gestellt, damit sie die ehemalige Wache der britischen Militärpolizei im Hafen erwerben kann“, erklärt Niedersachsens Kulturministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne). Zusammen mit Maack sowie Landtagsabgeordneten verschiedener Parteien besichtigte die Politikerin jetzt die Immobilie, in der demnächst die Verstärker aufgedreht und die Schlagzeugfelle lautstark traktiert werden. „Wir befinden uns in einem Gewerbegebiet. Da dürfen ruhig mal Klänge nach außen dringen. Die Schallisolierung, die hier eingebaut wird, soll eher nach innen wirken, damit sich die Bands nicht gegenseitig stören“, berichtet Maack.

Zurzeit versucht der Proberaumspezialist, Gelder aufzutreiben, um die Renovierungsarbeiten im Gebäude zu finanzieren. Beim Kulturstaatsministerium in Berlin habe er bereits aussichtsreich einen Antrag gestellt. Wenn alles klappt, könnten die Arbeiten schon bald beginnen, sodass das Proberaumzentrum mit elf Räumen zu erschwinglichen Mietpreisen spätestens Mitte nächsten Jahres eröffnet werden kann.

Allerdings wäre das ein Tropfen auf den heißen Stein, denn es mangelt in Osnabrück an adäquatem Raum für Bands. „Ich weiß, dass es in Osnabrück viele Bands gibt, die Räumlichkeiten suchen, daher ist unser Geld in diesem Bereich gut angelegt“, sagt Ministerin Heinen-Kljajic und spricht von „einem entscheidenden Baustein für kulturelle Teilhabe“. Doch nicht alle können von dem Engagement aus Hannover profitieren – angesichts der Tatsache, dass auf dem Limberg-Areal, wo zurzeit circa 60 Bands proben, offenbar viele der alten Gebäude demnächst abgerissen werden. Und am Güterbahnhof, wo Carsten Gronwald ein Proberaumzentrum betreibt, läuft Ende 2018 der Pachtvertrag aus.

„Das ist ein Grund, warum wir hier in Osnabrück aktiv werden“, sagt Maack, dessen Stiftung ihren Sitz in Hannover hat. Mit Aktivisten vom Kulturverein Freiraum Petersburg hat er bereits einen Mietvertrag über die Räume in Vorderhaus der ehemaligen Militärpolizeiwache abgeschlossen. „Wir arbeiten, solange es geht, am Bahnhof weiter, haben aber jetzt im Hafen einen zweiten, sicheren Standort für unsere Kulturaktivitäten“, sagt Kai Sandersfeld vom Verein. Er öffnet ein großes Garagentor, hinter dem bereits eine Werkstatt eingerichtet wurde. Atelier für Künstler, Fahrradwerkstatt oder Büroräume, in denen Bands ihre Karriere managen – hier soll vieles möglich werden.

Die Proberäume entstehen im Keller und in zwei Geschossen des hinteren Gebäudeblocks. „Sie werden zwischen 25 und 35 Quadratmeter groß sein und alle eine eigene Toilette haben“, sagt Architekt Dangard Schubert, der mit der Planung des neuen Proberaumzentrums beauftragt wurde.