Stadt klagt gegen die Bima Landgericht Osnabrück entscheidet über Gertrudenberger Höhlen

Unter Tage in den Gertrudenberger Höhlen: Einbauten aus dem Zweiten Weltkrieg sind am roten Ziegelstein zu erkennen. Foto: Andreas StoltenbergUnter Tage in den Gertrudenberger Höhlen: Einbauten aus dem Zweiten Weltkrieg sind am roten Ziegelstein zu erkennen. Foto: Andreas Stoltenberg

Osnabrück. Vor dem Landgericht will die Stadt Osnabrück durchsetzen, dass die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben weiterhin ihre Verantwortung für die Gertrudenberger Höhlen wahrnimmt. Es zeichnet sich aber schon ab, dass nur die im Krieg eingebauten Luftschutzeinrichtungen für den Rechtsstreit relevant sind.

Stadt Osnabrück gegen Bundesrepublik Deutschland: Im Saal 91 des Landgerichts sollte am Dienstag schon eine Entscheidung verkündet werden. Aber die 12. Zivilkammer will den Kontrahenten noch zwei Wochen Zeit für eine Stellungnahme geben, auf Wunsch auch mehr. Dabei geht es um Toiletten, Pfeiler und Zwischenwände, mit denen das Höhlensystem im Zweiten Weltkrieg zum Schutzraum für 4000 Menschen umgebaut wurde. Für Nutzungseinschränkungen, die sich durch diese Einbauten ergeben, müsste die Bima nach Auffassung des Gerichts aufkommen.

Von ihrer Klage hatte sich die Stadt allerdings mehr erhofft. Noch vor Kurzem war die Bima fest entschlossen, eine Millionensumme zu investieren, um den riesigen unterirdischen Hohlraum mit einer Zementschlämme zu verfüllen. Damit wäre ein für Osnabrück bedeutsames Kulturdenkmal unwiederbringlich zerstört worden. Dabei stützte sich die Bima auf ein Gutachten der Oberfinanzdirektion, in dem die Warnung ausgesprochen wurde, das 700 Jahre alte Höhlensystem könne einstürzen. Eine Behauptung, die inzwischen widerlegt ist, weil das auf Bergbau spezialisierte Ingenieurbüro Taberg die Statik des Gangsystem im Auftrag der Stadt detailliert überprüft hat.

Letztlich wurde mit dem neuerlichen Gutachten der Nachweis erbracht, dass die teure Verfüllung der Höhlen überflüssig ist. Aber die Bima, die von dieser Erkenntnis profitiert, lehnte eine Kostenbeteiligung ab. Stattdessen legte sie der Stadt nahe, die Verantwortung für das Gertrudenberger Loch zu übernehmen. Dazu besteht auch die Bereitschaft, allerdings nicht zum Nulltarif, wie Stadtkämmerer Thomas Fillep schon vor Monaten betonte. Weil es zu keiner Einigung kam, blieb der Stadt nur die Klage.

Dass es jetzt im Rechtsstreit nur noch um die Einbauten aus dem Zweiten Weltkrieg gehen soll, findet Wilfried Kley, der Vorsitzende des Vereins Gertrudenberger Höhlen, bedenklich. Im Gegensatz zu den Juristen weiß er, wie es unter Tage aussieht. Nach seiner Ansicht haben die eingezogenen Pfeiler und Wände aus Ziegelsteinen keinen großen Schaden für das Gangsystem angerichtet.

Kritisch sieht er hingegen, dass der Bund bereits in den 70er Jahren Teile der Höhlen mit einer Betonschlämme verfüllt hat, in der Flugasche von Kraftwerken enthalten ist. Bei Analysen wurden erhebliche Konzentrationen an Arsen, Strontium und Schwermetallen nachgewiesen. Dieser Schaden sei immens, meint Kley. Aber leider sei das kein Thema im Rechtsstreit zwischen Stadt und Bima.


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