Schaf und Rind erhöhen Artenvielfalt Tierisch viel los auf Osnabrücks Weiden

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück/Hasbergen. Es mäht, meckert und muht auf den Weiden im Osnabrücker Stadtgebiet. Eine große Bandbreite an Nutztierrassen trägt dort zum Naturschutz und zur Kultur- und Landschaftpflege bei. Durch ihr Weide- und Laufverhalten pflegen die zum Teil sehr seltenen Rassen die Flächen und bereichern das Landschaftsbild.

Ein Hingucker sind die 21 Weißen Deutschen Edelziegen von Franz Grober. Die helle Herde scheint wie ein Lichttupfer im dichten Wäldchen an der Düte in Hasbergen-Gaste. Durch das Abäsen von Brennnesseln, Disteln und Gehölzen halten die Ziegen dort zwei Weideflächen offen, die ohne ihren Einsatz zuwachsen würden. Diese offen gehaltenen Areale sind essenziell für Pflanzen- und Tierarten, die sich im Wald rundherum nicht wohlfühlen. So entsteht dort eine größere Artenvielfalt.

Erste Ziege für 24,10 D-Mark

Franz Grober freut sich, dass er mit seinem Hobby nebenbei auch etwas für den Naturschutz tun kann. Vor 30 Jahren ist er, nach Galloway-Rind und verschiedenen Schafrassen, auf die Ziege gekommen. „Mit dem Nachbarjungen und 24,10 D-Mark in der Tasche folgte ich neugierig der Annonce ,Ziege abzugeben‘“, erinnert sich Franz Grober. „Eigentlich kostete die Ziege mehr, aber wir haben sie für 24,10 D-Mark bekommen.“ Das war Grobers erste Weiße Deutsche Edelziege und er ist dieser Milchrasse treu geblieben. Heute kommt er ein bis zwei Mal die Woche aus dem 30 Kilometer entfernten Recke nach Gaste, um sich um seine Herde zu kümmern. An anderen Tagen kontrolliert Anwohner Uwe Westermann, ob mit den Tieren und der Umzäunung alles in Ordnung ist.

Stets am 3. Oktober setzt Franz Grober einen Bock in die Herde. „Somit kommen die Lämmer im Frühjahr und nicht im feuchten, kalten Herbst oder Winter zur Welt.“ Ziegen mögen keinen Regen und keine Kälte. Den Winter verbringen sie im Stall in Recke.

Weiterlesen: Ziegen am Ströhn in Füchtorf – Eusterwiemanns vermarkten die „Zickenbeißer“ selbst

Bentheimer Schafe

Anders die robusten Bentheimer Schafe von Jörg Langen, Inhaber eines Gartenbaubetriebs und einer Schäferei in Osnabrück. Das ganze Jahr über bleiben sie draußen auf den Weiden in Osnabrück-Sutthausen und -Atter und bekommen dort auch ihren Nachwuchs. Bentheimer stehen auf der Roten Liste der alten und gefährdeten Haustierrassen. „In den 70er Jahren waren sie fast verschwunden. Dank Erhaltungszuchtprogramm sind sie heute in Deutschland aber wieder recht verbreitet“, weiß Jörg Langen. Bentheimer Schafe seien keine „Hochleistungsschafe“, liefern aber sowohl Wolle als auch fettarmes Fleisch.

Seinen Bentheimern leisten ein paar nordenglische Swaledale Schafe und fünf Thüringer Waldziegen Gesellschaft. Die Ziegen seien eine gute Ergänzung in der Landschaftspflege, denn sie verbeißen das, was Schafe nicht fressen: Brombeere, Birke, Erle und Esche. „Aufgrund des vielen Niederschlags haben wir derzeit aber ein Problem mit Binsen, die von beiden Tierarten nicht weggefressen werden“, berichtet Langen, während sein Blick über die 2,5 Hektar große Weide am Kronenpohl in Atter schweift. Mit seinen 100 Schafen beweidet er insgesamt 20 Hektar Land auf Osnabrücker Stadtgebiet und in Georgsmarienhütte im Sinne des Naturschutzes.

Weiterlesen: Schottische Hochlandrinder – Viehauftrieb am Osnabrücker Rubbenbruchsee

100 Hektar Naturschutzfläche

Die Stadt Osnabrück hat insgesamt 100 Hektar Naturschutzfläche und 200 Hektar Ausgleichsfläche in ihrer Obhut. „Nicht alle Flächen sind Weiden, auch Wälder, Gewässer, Gehölzstreifen und Obstbaumwiesen zählen dazu“, erklären Frank Bludau und Ansgar Niemöller vom städtischen Fachdienst Naturschutz und Landschaftsplanung. Die Flächen, die umweltgerecht beweidet werden sollen, verpachtet die Stadt an Viehhalter wie Grober oder Langen. Frank Bludau spricht von einer Win-Win-Situation: „Die Halter bekommen so ausreichend Fläche und die Stadt braucht diese Bereiche nicht selbst zu pflegen. Durch die Beweidung entsteht Artenvielfalt. Außerdem sind die Tiere in der Landschaft eine Bereicherung aus umweltpädagogischer Sicht und auch für den Naherholungswert.“

Wendet sich ein Tierhalter bei der Suche einer Weide an die Stadt, wägt der Fachdienst Naturschutz und Landschaftsplanung ab, welche ihrer Flächen mit welchem Boden für welche Tierart geeignet ist, damit dort naturschutzgerechte Landschaftspflege betrieben werden kann. Einige Flächen eignen sich dabei für die temporäre, andere hingegen für ganzjährige Beweidung.

Weiterlesen: Ausgleichsflächen für Natur – Wird Kompensation im Landkreis Osnabrück genau kontrolliert?

Verein Weidelandschaften

Seit 2005 lässt der Verein Weidelandschaften 15 verschiedene alte Nutztierrassen auf 17 Hektar der städtischen Flächen grasen. Im Stadtteil Gretesch, am Daumeyersweg, kann man die schottische Hochlandrind-Familie des Vereins beobachten. Drei wuschelig aussehende Kälbchen, die tollpatschig auf der Weide herumtoben, erfreuen die Passanten besonders. „Hier lebt unsere Zuchtherde. 14 Osnabrücker Familien kümmern sich im Rahmen unseres ,Cowsharing-Projekts‘ um die Tiere“, erklärt der Vereinsvorsitzende Jan-Philip Kunath. Beim Cowsharing erwerben die Teilnehmer Anteile am Tier oder an der Zuchtherde. Mehr Information zum Cowsharing-Projekt gibt es auf der Website des Vereins: www.weidelandschaften-osnabrueck.de.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN