Theater Osnabrück Übernahmepremiere von „Valerie Solanas“

Wut und Schmerz: Maria Goldmann als Valerie Solanas im Bühnenbild von Marina Stefan. Links hinten Niklas Bruhn als Psychiater Doktor Ruth Cooper Foto: Marek KruszewskiWut und Schmerz: Maria Goldmann als Valerie Solanas im Bühnenbild von Marina Stefan. Links hinten Niklas Bruhn als Psychiater Doktor Ruth Cooper Foto: Marek Kruszewski

Osnabrück. Am Samstag, 9. September, ist im Osnabrücker Theater am Domhof die Übernahmepremiere der „Spieltriebe“ -Produktion „Valerie Solanas, Präsidentin von Amerika!“ von Sara Stridsberg zu erleben. Die Inszenierung von Marlene Anna Schäfer ist eine deutschsprachige Erstaufführung.

Was ist es, das an Valerie Solanas heute noch fasziniert, obwohl uns ihr radikaler Feminismus aus den 60er Jahren als historisch längst überholte Position doch eher befremdet? Es ist ihr unerschütterlicher, kompromissloser Selbstbehauptungswille in einer patriarchalisch strukturierten Gesellschaft vor 1968, die den Frauen diktiert, wie zu sein haben und wie nicht. Dann hat sich noch der Vater die Freiheit genommen, seine kleine Tochter sexuell zu missbrauchen: Solanas’ Hass aufs ganze männliche Geschlecht ist nachvollziehbar.

Wut und Schmerz

Die Osnabrücker Schauspielerin Maria Goldmann verkörpert großartig mit vor Wut und Schmerz bebendem Gesicht die unbändige Revolte von Valerie Solanas gegen die Geschlechtsrollenzuschreibungen der 50er Jahre. Sie macht plausibel, warum der erbitterte Kampf einer Einzelnen gegen den vermeintlich blinden Rest der Welt die Kräfte vor der Zeit aufzuzehren. Ob sie nun ihre Hasstiraden aus sich heraus schreit oder selbstvergessen als stilisierte Pop-Prinzessin in Tüll und Rüschen singt und tanzt: Hier ist eine Frau zu erleben, die ihre unzerstörbare, selbst definierte Identität gegen eine manipulative Gesellschaft behauptet. Ganz gleich, ob sie sich prostituiert oder obdachlos von Essensresten lebt. Das macht sie zum Vorbild späterer Generationen auch in der Homosexuellen-Bewegung.

Erinnerungen einer Sterbenden

Regisseurin Marlene Anna Schäfer lässt eingangs sehr einleuchtend per Videotechnik übergroße, verzerrte Gesichter gleichsam vorm inneren Auge der sterbenden Feministin vorbeiziehen. Es sind Cosmo-Girl, ihre flippige Geliebte aus Studienjahren (Marie Bauer), ihre Mutter Dorothy, die offenbar Marilyn Monroe an Weibchenhaftigkeit nacheiferte (Cornelia Kempers), die brav angepasste Journalistin Daddy‘s Girl (Bauer), der Professor Robert Brush (Andreas Möckel) und Psychiater Doktor Ruth Cooper, den Niklas Bruhn gekonnt zwischen weiblich und männlich oszilieren lässt. Denn es handelt sich um eine rückblickende Lebensbilanz, die Sara Stridsberg erzählt.

Doch dann überlagern sich Rückblenden, Personen und Bilder so sehr, dass sich die Lebensgeschichte ohne Textkenntnisse schwer verfolgen lässt. So wird nicht klar, warum Solanas auf Warhol schoss: Weil ihr Theaterstück in seiner Factory verloren ging und sie sich von ihm als Künstlerin ausgebeutet fühlte.


„Valerie Solanas, Präsidentin von Amerika!“, ab Samstag, 9. September, jeweils um 19.30 Uhr im Osnabrücker Theater am Domhof. Kartentel. 0541-7600076.

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