Übernahme aus den „Spieltrieben“ Queerer Horror: „Perfekt Wives“ im Emma-Theater

Schon optimal? Aus Sicht der Frauen von Stepford müssten Joanna (Elaine Cameron) und Bobbie (Helene Stupnicki) noch ganz schön an sich arbeiten. Foto: Marek KruszewskiSchon optimal? Aus Sicht der Frauen von Stepford müssten Joanna (Elaine Cameron) und Bobbie (Helene Stupnicki) noch ganz schön an sich arbeiten. Foto: Marek Kruszewski

Nach zwei Kinoverfilmungen haben es „Die Frauen von Stepford“ von Ira Levin jetzt auf die Theaterbühne geschafft. Nach den „Spieltrieben“ kommt das Stück jetzt in Osnabrück ins Emma-Theater.

Seltsame Kräfte wirken in Stepford: Psychiater? Drogen? Männer? Auf jeden Fall drehen die Kräfte den Frauen den Spieß der Emanzipation um: Einen Frauenverein gibt es nicht mehr, stattdessen hecken die Männer im Männerclub eine schöne neue Welt aus, in der die Männer arbeiten und in den Club gehen, die Frauen sich schön machen und in der Hausarbeit ihre Erfüllung finden. Dieses Szenario beschreibt Ira Levin 1972 in seinem Horrorthriller „Die Frauen von Stepford“. Fürs Festival „Spieltriebe“ hat das Theater Osnabrück daraus das Theaterstück „Perfect Wives“ destilliert und nun in den regulären Spielplan des Emma-Theaters übernommen.

So ganz falsch kann das Theater damit nicht liegen; immerhin ist das Buch zweimal verfilmt worden; unter anderem hat Nicole Kidman die Rolle der Joanna gespielt. In der Osnabrücker Version tut das nun Elaine Cameron sehr anschaulich: Sie ist die Joanna, die mit ihrem Mann Walter (Valentin Klos) und zwei Kindern ins Provinznest Stepford zieht. Dort ist die Luft sauber und der Steuersatz niedrig – der Preis ist trotzdem hoch: Walter geht in den Männerclub, doch statt dort, von innen heraus, für die Gleichberechtigung der Frauen zu kämpfen, schlägt er ein paar Emanzipationsrollen rückwärts. Im Gegenzug verbündet sich Joanna mit Bobbie – Helene Stupnicki spielt als quirliges Energiebündel – zum vehementen Kampf gegen das Rollenmodell des Heimchens am Herd.

Nun können die Bühnenadaption und die Umsetzung durch Regisseurin Claudia Bossard nicht kaschieren, wo wir uns befinden: Tief in einer anderen Epoche der Emanzipation. Linda Schnabels Bühne übt sich zudem in Zurückhaltung; was Bewegung markiert, sind Kostümwechsel auf offener Bühne.

Das ist denn auch der Clou des Abends: Vor allem Ronald Funke als auch Klos wechseln munter Kostüme und Charaktere sowie das Geschlecht. Das gelingt den beiden recht überzeugend und verleiht der Inszenierung queeren Glamour. Ein bisschen Horror wird auch nach und nach untergemischt, und so zeigt das Stück zwar keine emanzipatorischen Perspektiven auf. Als Boulevard- und Horrorkomödie funktionieren die „Perfect Wives“ aber ganz gut.


Weitere Aufführungen: 10., 15., 22. September. Kartentelefon: 0541/7600076

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