OB-Kandidaten im Porträt Seidler: Hart in der Sache – aber mit Respekt



Osnabrück. Robert Seidler (58) tritt für die FDP am 22. September als Oberbürgermeisterkandidat an. Für Politik interessiert er sich allerdings schon seit über 40 Jahren. Es war im Frühjahr 1972, als die Diskussion um das Misstrauensvotum gegen Willy Brandt das Interesse des damals siebzehnjährigen Gymnasiasten weckte.

Im Herbst 1972 fanden Bundestagswahlen statt. Das Interesse an Politik war damals bei allen Bürgern groß. Seidler , der mit 18 Jahren zwar noch nicht volljährig war, aber gerade die Wahlberechtigung bekommen hatte, war überzeugt: „Du kannst nicht nur meckern. Wenn dir etwas nicht gefällt, musst du selbst mitmachen.“

Diese Haltung habe er sich übrigens bis zum heutigen Tage erhalten, sagt der OB-Kandidat. Und noch eines habe er damals schon so gemacht wie heute: „Bevor ich mich für irgendetwas entscheide, schaue ich mir die Sache vor Ort an und informiere mich genau.“ Bevor er sich also einer Partei anschloss, informierte er sich in seinem Heimatort Kamp-Lintfort bei den örtlichen Filialen der Parteien.

Die beiden Großen hatten es damals offensichtlich nicht nötig, junge Leute mit offenen Armen aufzunehmen. Bei einer Infoveranstaltung der SPD wies ein Türsteher den Polit-Novizen mit dem Hinweis ab: „Bevor du bei uns den Mund aufmachen kannst, musst du erst 20 Jahre den Vorwärts ausgetragen haben.“ Bei der CDU blitzte er ab , weil er als Evangelischer keine Erfahrung als Messdiener vorweisen konnte. Lediglich bei der FDP fühlte sich der aufstrebende Jungpolitiker willkommen.

Bevor er den Liberalen schließlich beitrat, hatte sich Seidler allerdings noch bei den Jugendorganisationen aller drei damals relevanten Parteien die notwendigen Informationen für eine fundierte Entscheidung beschafft und war zu dem Schluss gekommen, dass er bei den Liberalen am besten aufgehoben war.

Dass die FDP in seinem Heimatort damals nicht im Stadtrat vertreten war, führte Seidler auf die behäbige Pressearbeit zurück. Die FDP beauftragte das Neumitglied dann auch gleich damit, das Problem selbst zu lösen. Das gelang dem Jungliberalen offenbar gut. Bei der Kommunalwahl 1974 zog die FDP mit drei Mitgliedern ins Kommunalparlament ein.

Er selbst kam damals nicht rein, weil er nach dem damaligen Wahlrecht dafür noch zu jung war. Politisch engagierte er sich darauf in der Schule. Mit der Schülermitverwaltung, die durch ihn von jungen Liberalen dominiert war, organisierte er den öffentlichen Widerstand gegen die Besetzung der Schulleiterstelle mit einem Parteibuchinhaber der CDU. „Anschließend haben die versucht, mich mit Noten zu disziplinieren“, erinnert er sich. Aber da er ohnehin Jura studieren wollte, damals ohne Zugangsbeschränkung, habe ihn das relativ kalt gelassen.

Nach Osnabrück kam Seidler durch seine Frau Carla, die er 1976 im Studium in Hannover kennengelernt hatte. „Am 1.11.“, an das Datum erinnert sich der Jurist.

Nach dem Staatsexamen im März 1982 wurde er im Juni desselben Jahres als Anwalt vereidigt und stieg in die Kanzlei eines Kollegen ein.

„Ich fühle mich wohl in Osnabrück“, sagt Seidler. Hamburg finde er auch lebenswert, „aber ein bisschen groß“. Von seinem Haus in der Dodesheide sei es nicht weit ins Grüne oder zum Nettebad. Dort wuchsen die beiden Kinder der Seidlers auf.

Politisch engagiert sich Seidler in der Osnabrücker FDP seit 1979. Von 1982 bis 1993 war er Vorsitzender des Kreisverbandes. 1999 kam Hans-Albrecht Dicke, der damalige Vorsitzende der FDP-Ratsfraktion, auf ihn zu. Dicke war gesundheitlich nicht auf der Höhe. „Wann kannst du?“, habe er ihn gefragt, erinnert sich Seidler. Er habe etwas überlegen müssen, dann aber zugesagt: „Wenn ich etwas mache, dann nicht mit halber Kraft.“ In die Probleme um die Renovierung der Großen Straße hängte sich damals Seidler rein, „volle Pulle“ sozusagen. „Wenn ich etwas für falsch halte, dann spreche ich das offen an“ , sagt Seidler. Momentan kritisiert er die Neumarkt-Situation: „Die Problemlösung dauert zu lange. “ Er will ein grünes Freizeitgelände am Güterbahnhof und kein Gewerbe. Ganz neu: Er will die Verwaltungsspitze umbauen und plant ein neues Dezernat Wirtschaft und Marketing kostenneutral einzurichten. Er sei für mutige und vehemente Debatten. Dabei gehe es ihm um Themen, nicht um Personen: „Macken hat jeder, aber jeder Mensch verdient Respekt “, findet der OB-Kandidat. „Ich kann gut zwischen Sache und Person unterscheiden.“


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