Lektionen vom Knochenbrecher „Big Tobi“ referiert beim Polizeihundeverein Osnabrück

Von Carolin Hlawatsch


Osnabrück. Tierchiropraktiker Ulrich Tobias, bekannt als „Big Tobi – die zarte Hand“ referierte am Samstag beim Polizeihundeverein Osnabrück (PHV). Er informierte nicht nur über Themen wie Erste-Hilfe und Muskelaufbau beim Hund, sondern löste auch, da wo nötig, Verspannungen und Blockaden in den Bewegungsapparaten der anwesenden Vierbeiner.

Big Tobi ist ein sogenannter „Knochenbrecher“. „Früher hatte jedes Dorf in Nord- oder Ostfriesland seinen eigenen Knochenbrecher“, berichtete der Tierchiropraktiker aus Varel. 25 Hundehalter hingen im PHV-Vereinsheim an seinen Lippen und löcherten ihn nach dem Vortrag mit Fragen. Heute sei die alte Berufsbezeichnung Knochenbrecher fast nur durch die TV-Serie mit dem auf Pferde spezialisierten und 2016 verstorbenen Knochenbrecher Tamme Hanken geläufig. Das Handwerk des Knochenbrechers habe aber eine lange Tradition und basiere größtenteils auf einer speziellen Begabung. „Obwohl auf dem Land groß geworden und stets von Tieren umgeben, habe ich diese Begabung erst mit 22 Jahren bewusst wahrgenommen“, so Big Tobi.

Scannen mit den Fingern

„Ich fühle Verspannungen und Verrenkungen am Tier indem ich mit meinen Fingern Knochenbau, Sehnen und Bänder abscanne. Das funktioniert sowohl beim Hund als auch beim Pferd und vielen anderen Tieren mit Fell. Bei Geflügel hingegen fühle ich gar nichts“, erklärt der Chiropraktiker, den man sich mit seiner imposanten Statur und den großen Händen eher bei der Behandlung eines Rinds als am Meerschweinchen vorstellen kann. „Meistens kostet das Einrenken von Gliedmaßen und Wirbeln viel Kraft“, sagt er und betont, dass der Berufsstand des Knochenbrechers ernst genommen werden müsse: „Das, was wir mit unseren Fingern machen, ist brandgefährlich, wenn man sich nicht genau an die Regeln hält“.

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Durch gezielte Impulse, vorrangig im Bereich der Wirbelsäule, versucht Chiropraktiker „Big Tobi“ Blockaden zu lösen, denn Fehlstellungen von Wirbeln könnten nicht nur zu Verspannungen, sondern auch zu starken Schmerzen bis hin zu Fehlfunktionen der inneren Organe führen. Anzeichen für Blockaden beim Hund, so erfuhren die Zuhörer am Samstag, seien unter anderem Bewegungsunlust, Überempfindlichkeit bei Berührung, einseitiges Halten oder Bewegungslosigkeit der Rute oder auch Leckekzeme an den Beinen. Häufige Ursachen für Blockaden seien Unfälle, Belastungen aus dem Hundesport, altersbedingte Schäden wie Arthrosen oder auch erbliche Erkrankungen wie Hüftgelenksdysplasie.

Röntgenbilder

Einige Gäste hatten zur Veranstaltung nicht nur ihre Hunde, sondern auch deren Röntgenbilder mitgebracht und baten Big Tobi um Bewertung. Die Chiropraktik ersetze nicht die traditionelle Veterinärmedizin, biete jedoch bei der Behandlung von Funktionsstörungen des Bewegungsapparats und bei Schmerzzuständen eine sinnvolle Ergänzung, ist der Knochenbrecher überzeugt.

Kennengelernt und nach Osnabrück eingeladen hatte ihn Heiner Feldscher, der Vorsitzende des PHV. Er traf „Big Tobi“ vor sechs Jahren auf einer Hundeprüfung für Terrier in Varel. „Damals stellte ich ihm meinen Airedale Terrier Paul vor, der sein rechtes Hinterbein schonte“, erinnert sich Heiner Felscher. Trotz Röntgen hätten Tierärzte das Problem nicht ausmachen können. Seitdem „Big Tobi“ an Paul Hand anlegte, ginge es dem heute zwölfjährigen Rüden bestens.


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