Spiel mit Geschlechterrollen „Spieltriebe“: Gender- und Generationengespräch

„Talking ‚bout my Genderation“: (von links) Routenpatin Susanne Wittorf, Dramaturgin Elisabeth Zimmermann, Gleichstellungsreferentin Melora Felsch, Schauspielerin Jelka Denter und Chefdramaturg Jens Peters. Foto: Jörn Martens„Talking ‚bout my Genderation“: (von links) Routenpatin Susanne Wittorf, Dramaturgin Elisabeth Zimmermann, Gleichstellungsreferentin Melora Felsch, Schauspielerin Jelka Denter und Chefdramaturg Jens Peters. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Nur bedingt dem „Spieltriebe“-Thema gerecht wurde das Gender- und Generationengespräch im oberen Theaterfoyer, das mangels Publikumsinteresse kurzerhand vom Podium an einen Tisch verlegt wurde.

Denn Transsexualität wurde lediglich als zusätzliche Option ins Spiel gebracht, die bipolaren Strukturen der „hetero-normativen“ Gesellschaft aufzubrechen. Wenn eben auch das gewählt werden könne, sei es ein „Zugewinn“, bemerkte dabei Melora Felsch, die als Gleichstellungsreferentin an der Universität tätig ist. Gleichzeitig verwies sie aber mit Blick auf das Spiel mit den Geschlechtern in der Popkultur, dass man „nicht alles bitterernst“ nehmen müsse. Man könne weibliche und männliche Eigenschaften auch im alltäglichen Leben beliebig „zusammenbasteln““, um über ein entsprechendes „Werkzeug“ zu verfügen.

Rollenspiele im Alltag

Etwas Ähnliches in Richtung „Das Beste aus beiden Welten“ hatte wohl auch die Psychologin und Psychotherapeutin Susanne Wittorf, die als Patin der orangefarbenen Route am Festival beteiligt war, im Sinn, als sie dafür plädierte, einfach einmal rollenspielerisch im Alltag die Klischees über das jeweils andere Geschlecht zu erfüllen, um sich hautnah mit entsprechenden Reaktionen zu konfrontieren. Andererseits bemerkte sie aber auch, dass Zuschreibungen durchaus „Handlungssicherheit“ bewirken und umgekehrt ein Aufbrechen der Klischees „Unklarheit“ schafft.

Publikum in realen Räumen

Sebastian van Loh vom Schwulenreferat des AStA der Universität machte als Pate der Route Grün darauf aufmerksam, dass zugunsten der Kontaktknüpfung im Internet reale Räume, die dies „greifbarer“ machen würden, und auch Rückzugsorte zunehmend aussterben. Sprache und deren Implikationen sei dabei auch Ausdruck jenes Machtspiels, das im Titel des diesjährigen Spieltriebe-Festivals angedeutet wird.

Das allerdings hätte nicht zuletzt durch die Einbindung des Publikums in den realen Raum zur Auseinandersetzung mit einem Thema gezwungen, mit denen sich die meisten Besucher wohl vorher noch nie beschäftigt haben, waren sich die Gesprächsteilnehmer einig – inklusive Schülerin Jelka Denter, die im Stück „Girls Like That“ mitgewirkt und die jüngere Generation vertreten hat. Für die wünschte sich Routenpatin Susanne Wittorf eine neue „Solidarität unter Frauen“.

Geschichte der Frauenbewegung neu erzählen

Und Melora Felsch beklagte auch im Hinblick auf das Eröffnungsstück „Valerie Solanas“, dass die Geschichte der Frauenbewegung immer wieder neu erzählt werden müsse, weil deren Errungenschaften heutzutage wieder vielfach „untergraben“ würden. Dass die meisten thematisch einschlägigen Beiträge der Spieltriebe darüber aber schon längst weit hinausgedacht haben, kam nicht zur Sprache.


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