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03.09.2017, 18:55 Uhr ZUR KRITIK AM OSNABRÜCKER MUTTER-KIND-HAUS

„Feindbild Mutter“ im St.-Anna-Stift nicht hilfreich

Ein Kommentar von Louisa Riepe


Bewohner des Mutter-Kind-Hauses an der Lohstraße in Osnabrück beklagen die Zustände in dem Haus. Foto: Jörn MartensBewohner des Mutter-Kind-Hauses an der Lohstraße in Osnabrück beklagen die Zustände in dem Haus. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Einem Kind geht es am besten bei seinen Eltern. Dass dies nicht immer und uneingeschränkt gilt, zeigen die Fälle aus dem Osnabrücker Mutter-Kind-Haus deutlich. Doch selbst wenn viele Mütter im St.-Anna-Stift nicht allein mit ihren Kinder umgehen können, darf das nicht bedeuten, dass man ihnen nichts zutraut.

Niemand will, dass Säuglinge und Kleinkinder von ihren Eltern misshandelt oder vernachlässigt werden. Deshalb ist es die legitime Aufgabe eines Jugendamts, Kinder aus Familien, in denen so ein Schicksal droht, zu beschützen. Wer auf der Kippe steht, kann sich im Osnabrücker Mutter-Kind-Haus St. Anna beweisen und lernen.

Aber Schilderungen der Bewohner legen nahe, dass Einrichtungsleitung und Mitarbeiter zumindest in manchen Fällen eine Art Feindbild Mutter (oder Vater) pflegen: Da werden dann Regeln aufgestellt, Verbote ausgesprochen, es wird kontrolliert und womöglich sogar gedroht – alles gegenüber zumeist erwachsenen Menschen.  

Wäre es nicht förderlich, die alleine überforderten Eltern in ihren Fähigkeiten zu unterstützen, anstatt das Schlechteste von ihnen zu erwarten? In einem Klima, dass von Machtgefälle und Angst geprägt scheint, dürfte sich kaum ein Elternteil zum Positiven entwickeln.


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