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Andreas Tammen wird als Jahrgangsbester Klavierbaumeister Dem Klavier eine Seele geben

Werkstattarbeit liegt ihm am Herzen: Klavierbaumeister Andreas Tammen in der Osnabrücker Werkstatt an einem Patienten.Foto: Hermann PentermannWerkstattarbeit liegt ihm am Herzen: Klavierbaumeister Andreas Tammen in der Osnabrücker Werkstatt an einem Patienten.Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. „Ich hatte keine Scheu, das Klavier auch mal auseinanderzunehmen“, erzählt Andreas Tammen (28) aus seiner Kindheit. Der Osnabrücker hat seine Prüfung als Klavierbaumeister als Jahrgangsbester in ganz Deutschland bestanden. Für den Sohn des Osnabrücker Klavierbauers Wilfried Tammen war das Instrument von Anfang an Teil seines Lebens.

Schon mit sieben Jahren begann er, selbst zu spielen. Sein Wunsch, einmal Klavierbauer zu werden, entstand aber erst einige Jahre später bei einem Praktikum im Musikgeschäft Rohlfing. Dessen Inhaber ist sein Vater. Andreas Tammen hätte sich auch eine Arbeit in der Computerbranche vorstellen können, aber das wäre auf Dauer zu langweilig gewesen, meint er.

„Dem Instrument eine Seele geben. Handwerk und Kunst in einem. Das ist das Spannendste.“ So begann er nach seinem Realschulabschluss eine Lehre zum Klavierbauer. Beim Braunschweiger Klavierbauunternehmen Schimmel lernte er das Handwerkszeug, um die Tasteninstrumente zu reparieren. „Aber für mich war es unbefriedigend, nicht zu wissen, warum ich das jetzt so oder so mache“, und als Meister des Klavierbaus würde er nicht nur die Hintergründe kennenlernen, sondern auch die Tradition des Unternehmens weiterführen.

Für Tammen folgten die „zwei schönsten Jahres“ seines Lebens, was nicht nur an der intensiven Arbeit lag, sondern vor allem daran, dass er während dieser Zeit seine spätere Frau Kirsten kennenlernte, die auch Klavierbauerin ist.

An der Oscar-Walcker-Schule im baden-württembergischen Ludwigsburg, der einzigen Klavierbaumeisterschule in Deutschland, bereitete er sich auf seine Meisterprüfung vor. Auf dem Stundenplan standen nun auch Fächer wie Konstruktion, Statik und Werkstoffkunde. Während dieser zweijährigen Vorbereitung musste er unter anderem ein eigenes Klavier am Computer entwerfen und für die Meisterprüfung ein Klavier selbst zusammenbauen. Besondere Schwierigkeit dabei sei der Zeitdruck gewesen, erklärt Andreas Tammen, denn das Piano musste nach 60 Stunden Arbeit fertig sein.

Am Ende – im Oktober 2011 – hatte er den Meisterbrief und die Auszeichnung als Jahrgangsbester in der Tasche, dazu viel neues Wissen und interessante Erfahrungen. Jetzt steht das Meisterstück für 19000 Euro im Geschäft eines Vaters zum Verkauf, während Sohn Andreas in der Werkstatt Klaviere und Flügel repariert. Das findet er noch interessanter, als sie zusammenzubauen, denn ihm begegnen nun viele unterschiedliche Instrumente.

Obwohl Klavierbaumeister „wirklich überall auf der Welt gefragt sind“, möchte Andreas Tammen in Osnabrück bleiben und mit viel Leidenschaft eine Klavierbauertradition fortsetzen. Doch ein Wunsch bleibt: Irgendwann möchte er den Entwurf für sein eigenes Klavier in die Tat umsetzen.


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