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Mitarbeiterversammlung in Dissen Homann-Mitarbeiter über Sozialplan: „Lächerlich“

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Dissen. Homann-Mitarbeiter zeigen sich enttäuscht vom Sozialplan, den Gesamtbetriebsratschef Andreas Straede am Freitagmittag bei einer Mitarbeiterversammlung in Dissen vorgestellt hat. „Das ist einfach nur lächerlich“, flucht der 58-jährige Mitarbeiter Rüdiger Tölle nach Verlassen des Werksgeländes.

Die Halteprämie für Mitarbeiter, die bis zum Schluss bleiben, wird nicht die zunächst diskutierten zwei Monatsgehälter pro Jahr betragen, sondern nur ein Monatsgehalt pro Jahr. Außerdem gibt es Abzüge von der Halteprämie, wenn sich Mitarbeiter mehr als zwei Tage pro Monat krankmelden. Tölle, der für die zu Homann gehörende Spedition Emhage arbeitet, hätte sich darüber hinaus eine Abfindung von mindestens 0,7 bis zu einem Monatsgehalt pro Jahr Betriebszugehörigkeit gewünscht. Stattdessen sieht der Sozialplan für Mitarbeiter zwischen 50 und 60 Jahren als Abfindung nun 0,55 Monatsgehälter pro Jahr Betriebszugehörigkeit vor. Mitarbeiter, die jünger als 30 Jahre alt sind, sollen nur 0,4 Monatsgehälter pro Jahr Betriebszugehörigkeit bekommen. Der Bissendorfer, der schon seit 37 Jahren bei Homann ist, glaubt nicht daran, dass der Betrieb in Dissen wie geplant bis 2020 aufrecht erhalten werden kann. Dem 58-Jährigen zufolge haben in seiner Abteilung schon knapp die Hälfte der Mitarbeiter gekündigt. Das sei in seiner Abteilung extrem und sähe in anderen Bereichen noch nicht so schlimm aus, doch nach diesem Verhandlungsergebnis würden sich viele Mitarbeiter nun sicherlich überlegen, woanders eine Beschäftigung aufzunehmen.

( Weiterlesen: Dissen nach dem Homann-Ende: „Verarscht“)

„Das wird sich hier sicherlich bemerkbar machen“

Eine 48-jährige Hilteranerin, die in der Homann-Salatfabrik arbeitet, ihren Namen hier aber nicht genannt wissen will, hätte sich ebenfalls mehr gewünscht. Sie lässt sich von nun an „alle Optionen offen. Ab jetzt werde ich Bewerbungen schreiben. Wenn sich woanders etwas ergibt, dann gehe ich.“ Wegen der Produktionsverlagerung ins sächsische Leppersdorf und der Vernichtung von 1200 Arbeitsplätzen im Landkreis Osnabrück hat sie „überhaupt keine Achtung mehr“ vor Leuten wie Theo Müller, dem Molkemilliardär und Chef von Müller – der Unternehmensgruppe, der auch Homann angehört. Für sie ist jedenfalls klar, dass es nach diesen Verhandlungen „nur noch einen sehr geringen Anreiz gibt, hier zu bleiben“. Sie weiß, dass auch andere ihre Meinung teilen und prognostiziert: „Die Folgen dieses Ergebnisses werden sich hier sicherlich bemerkbar machen.“

„Kein gutes, aber akzeptables Ergebnis“

Der Homann-Gesamtbetriebsratschef Andreas Straede bezeichnet das mit der Unternehmensleitung ausgehandelte Ergebnis als „kein gutes, aber akzeptables Ergebnis“. Es seien „knallharte Verhandlungen“ gewesen. „Leider war aufgrund der wirtschaftlichen Situation nicht mehr drin“, erläuterte Straede. Die Stimmung bei der Mitarbeiterversammlung ab 12 Uhr beschrieb er als „nachdenklich“. Besonders wichtig sei aber, dass die Unternehmensgruppe Theo Müller eine Bürgschaft unterzeichnet habe, dass die Abfindungen an die Mitarbeiter selbst im Falle einer Insolvenz gezahlt werde.

( Weiterlesen: Müller will 25-Millionen-Subvention für Homann)

„Große Herausforderung, die Mitarbeiter zum Bleiben zu bewegen“

Laut Straede ist eine Kündigungswelle nun nicht auszuschließen. Er betont: „Ich habe ein reines Gewissen und habe das rausgeholt, was möglich war.“ Straede, der sei 33 Jahren bei dem Feinkostriesen arbeitet, ist überzeugt, dass ein schlechteres Ergebnis erzielt worden wäre, wenn dieser Sozialplan nicht zustande gekommen wäre und erst die Einigungsstelle des Arbeitsgerichts eine Entscheidung getroffen hätte. Allerdings prognostiziert auch Straede: „Sicherlich wird es für die Geschäftsführung noch eine große Herausforderung, die Mitarbeiter zum Bleiben zu bewegen. Da wird sie wohl noch etwas drauflegen müssen.“

( Video: Hier plant Müller das neue Homann-Werk)

Betriebsrat: Nur 100 Mitarbeiter gehen nach Leppersdorf

Straede geht davon aus, dass nur etwa 100 Mitarbeiter das Angebot annehmen, ab 2020 im 500 Kilometer entfernten Leppersdorf zu arbeiten. Daran ändere auch nichts, dass eine Wechselprämie von 8000 Euro, ein Mietzuschuss von 300 Euro pro Monat und das gleiche Gehalt wie in Dissen gezahlt werden soll. Das Unternehmen geht laut Straede davon aus, dass 150 bis 200 Mitarbeiter an den neuen Produktionsstandort bei Dresden wechseln.

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