NOZ-Monatsrückblick August 2017 Viel Musik, Streit um Schlossgarten und Schulpolitik

Von Frank Riehemann


Osnabrück. Im August 2017 zieht das fast schon traditionelle Open-Air-Festival 20.000 Musikfans in den Osnabrücker Schlossgarten. Wie der Schlossgarten in Zukunft aussehen soll, darüber wird in diesem Monat heftig gestritten. Zum Beginn des neuen Schuljahres sorgt auch die Schulpolitik für Diskussionen. Mehr zu diesen und anderen Themen in unserem Monatsrückblick für die Region Osnabrück.

Voll auf die Ohren geht der August 2017 in Osnabrück. Am Monatsanfang feiern insgesamt 20.000 Besucher beim Schlossgarten Open Air ihre Stars. Am ersten Abend, dem Familientag, bieten die Konzerte von Silbermond, Andreas Bourani und Wincent Weiss ein Programm für alle Generationen. Nichts für zarte Ohren ist das Programm am zweiten Tag, dem Hip-Hop-Samstag, an dem Samy Deluxe, Afrob und die Beginners laute Bässe und fette Beats durch den Schlossgarten schicken.

Wie soll der Schlossgarten in Zukunft aussehen? Darüber wird in diesem Monat heftig diskutiert. Im Juni 2017 hat sich eine Jury für den Entwurf des Büros Pola aus Berlin ausgesprochen, der einen großen gepflasterten Platz mit einem Brunnen vor dem Schloss vorsieht. Stadtbaurat Frank Otte entgegnet den Kritikern, die eine Versiegelung des Schlossgartens befürchten, dass es nach dem Entwurf weniger versiegelte Flächen geben werde und dass der Anteil an Grün weiter ausgebaut werde.

Viel zu hören gibt es bei der Kulturnacht am Ende des Monats. Unter dem Motto „Wort“ stehen über 100 Veranstaltungen in der Innenstadt: So ziehen zum Beispiel „Die unendliche Bibliothek“ von Volker Johannes Trieb und Ruben Zumstrull auf dem Markt, die Thesentüren von Osnabrücker Schülern auf dem Domhof, Gedichte von Geflüchteten oder die szenische Darstellung des Friedensschlusses von 1648 rund 30.000 Kulturinteressierte in ihren Bann.

Die Schulen, die den Kindern die Kultur des Lesens, Schreibens und Zuhörens näher bringen sollen, sorgen zum Beginn des neuen Schuljahres für Schlagzeilen. Anfang August ordnet das niedersächsische Kultusministerium Gymnasiallehrer an Grund-, Haupt-, Real- und Oberschulen ab, um dort den Lehrermangel zu lindern. Die Folge ist ein Organisationschaos an den Schulen. Der Osnabrücker Stadtelternrat protestiert mit einem „Blauen Brief“ gegen die Schulpolitik der Landesregierung. Aber nicht nur an Lehrern mangelt es, auch an Räumen. Schuldezernent Wolfgang Beckermann schätzt die Sanierungs- und Investitionskosten an Osnabrücker Schulen auf 200 Millionen Euro.

Zu den Schulgebäuden, die dringend saniert werden müssen, gehören auch die Sporthallen der Waldschule und der Bergschule in Lüstringen. Die Stadt lässt die Gebäude aus den 1950er- und 1960er-Jahren sperren, weil wegen Schäden am Dach Einsturzgefahr besteht. Unklar ist, ob sich eine Erneuerung der Dachkonstruktion überhaupt noch lohnt, oder ob ein Neubau nicht günstiger wäre.

Der Streit um den Neumarkt erreicht eine neue Stufe. Der Verwaltungsausschuss, in dem die Regenbogenkoalition aus SPD, Grünen, FDP, Linken und UWG/Piraten die Mehrheit hat, beschließt, in Zukunft die Entscheidungen über alle Fragen, die den Neumarkt betreffen, selbst zu fällen. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert, der den Neumarkt vor einiger Zeit zur Chefsache erklärt hat, wird damit praktisch entmachtet. Die letzte Entscheidung ob und wann der Neumarkt autofrei wird, liegt aber nicht bei der Koalition, sondern beim Verwaltungsgericht. Ein Anwohner hat gegen die vom Rat beschlossene Teileinziehung des Neumarkts für den motorisierten Individualverkehr geklagt.

Ein Asylbewerber, der am Rubbenbruchsee mehrere Frauen sexuell belästigt haben soll, sorgt für Aufsehen. Der 21-jährige Sudanese wird nach den Vorfällen vom Flüchtlingshaus am Natruper Holz nach Bramsche-Hesepe verlegt und wegen sexueller Belästigung und versuchter Körperverletzung angezeigt. Laut dem Leiter der Erstaufnahmeeinrichtung, Conrad Bramm, liegt hier ein Einzelfall vor, der kulturell bedingt ist.

Rund um Osnabrück

In Belm wird die Pfarrkirche St. Dionysius von Bischof Franz-Josef Bode wieder eröffnet. In der über einjährigen Bauzeit wurden der Chorraum verkleinert sowie der Turmraum und der Eingangsbereich neu gestaltet. Außerdem erhielt die über 800 Jahre alte Kirche eine neue Heizung, Beleuchtung und Akustik. Bei den Renovierungsarbeiten wurden auch schadhafte Dachbalken entdeckt, deren Erneuerung die Sanierungskosten um 62.000 Euro auf insgesamt 640.000 Euro erhöhte.

Auch die evangelische Kirche in Bissendorf-Achelriede hat im August 2017 einen Grund zum Feiern. Pastor Christoph Schnare und Landessuperintendentin Birgit Klostermeyer segnen zwei neue Bronzeglocken. Aus dem Turm der Achelrieder Kirche rufen jetzt die Friedensglocke und die Trostglocke zusammen mit der rund 130 Jahre alten dritten Glocke die Gläubigen zu den Gottesdiensten.

An der Holter Burg in Bissendorf wird der „Ruhwald“ eröffnet. In dem Wald gibt es 300 Bäume unter denen jeweils bis zu zehn Urnen beigesetzt werden können.

In Wallenhorst sorgt im August 2017 der öffentliche Personennahverkehr für Diskussionen. Mit dem Fahrplanwechsel nach den Sommerferien wird der Verlauf der Buslinie 610 geändert. Damit gibt es keine regelmäßige Direktverbindung mehr zwischen Wallenhorst und Bramsche. Gemeinde und Fahrgastverband kritisieren die Entscheidung. Auch im „neuen Wallenhorst-Takt“, der im Sommer 2018 in Kraft treten soll, sieht die Gemeinde Verbesserungsmöglichkeiten. Hier geht es um den 20-Minuten-Takt zwischen Hollage und Osnabrück, die Erschließung des Hollager Gewerbegebietes und eine Verbindung zwischen Hollage und Halen.

Ein Grund zur Freude ist dagegen die Eröffnung der ersten Fahrradstraße Wallenhorsts. Auf der insgesamt 1,6 Kilometer langen Strecke zwischen der Moorbachstraße und der Osnabrücker Straße über den Boerskamp, die Wessels Straße und die Pyer Straße haben jetzt die Radfahrer Vorrang.

In Hasbergen legen Jugendliche aus ganz Europa die Fundamente und Kellerräume eines Wohnhauses frei, das neben der Gedenkstätte Augustaschacht lag. Von dem Gebäude gab es bisher nur Fotos, jetzt kann auch die Raumaufteilung im Keller rekonstruiert werden.

Südkreis

1.450 Bewohner der Georgsmarienhütter Ortsteile Oesede und Kloster Oesede müssen wegen einer Bombenräumung ihre Wohnungen und Häuser verlassen. Die Kampfmittelexperten können die 250-Kilo-Bombe mit Bodenaufschlagzünder vor Ort entschärfen.

Nach 58 Jahren schließt das Traditionsgeschäft Kleine-Börger in Georgsmarienhütte. Wer für den Besuch eines Oktoberfestes karierte Hemden, Lederhosen, Dirndl oder Janker suchte, war bei Erika und Martin Kleine-Börger richtig. Ein zweites Standbein war der Verkauf von Motorradkleidung.

Auch bei der Schokoladenfabrik Berning gibt es Veränderungen. Die 1915 in Osnabrück gegründete Fabrik produzierte seit Anfang der 1970er-Jahre Pralinen und Energieriegel in Georgsmarienhütte. Jetzt stellt die niederländische Prinsen Food Group bei der deutschen Kartellbehörde einen Antrag auf Genehmigung des Erwerbs aller Anteile der Gustav Berning GmbH & Co. KG. In Georgsmarienhütte sollen nur noch Energieriegel hergestellt werden.

Mit Geduld und großer Spendenbereitschaft haben die Katholiken in Kloster Oesede ihr Ziel erreicht. Nach sieben Jahren Planungszeit wird in der Klosterkirche St. Johann eine neue Orgel eingeweiht. Die Firma „Späth“ in Freiburg baute das Instrument, das aus 912 Pfeifen besteht. 200 Pfeifen stammen aus der alten Orgel aus dem Jahr 1670. Von den 220.000 Euro, die die neue Orgel kostet, fehlen nur noch 20.000.

Die Trockenzeit in Bad Iburg hat ein Ende. Ein Jahr lang waren die Wasserspiele auf dem Fontänenfeld im Kneipperlebnispark abgeschaltet, nachdem täglich bis zu 80 Kubikmeter Wasser durch undichte Fugen im Boden versickert waren. Jetzt wurde der Fehler behoben und die Wasserfontänen bieten wieder Abkühlung an heißen Tagen.

In Dissen nimmt die Hermann Freye-Gesamtschule ihre Arbeit auf. Der kommissarische Schulleiter Jan Wessels und Bürgermeister Hartmut Nümann begrüßen die ersten 68 Schülerinnen und Schüler der Integrierten Gesamtschule.

Blick nach Westfalen

Golfen für einen guten Zweck in Lotte.Im Golfclub Osnabrück-Dütetal treffen sich alljährlich Prominente zu einem Wohltätigkeitsturnier. Den Gewinn erhält der Verein „Wir starten gleich!“, der Kinder aus finanzschwachen Familien zum Schulstart mit Tornistern ausstattet. In diesem Jahr eröffnet der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius das Turnier. Die Schauspieler Klaus J. Behrendt, Joe Bausch, Andrea Spatzek, Anjorka Strechel sowie Moderator Werner Schulze-Erdel, der ehemalige Fußballprofi Uli Stein und der Unternehmer Reinhard Höfelmeyer aus Osnabrück gehen für die gute Sache an den Start.

Persönlich

Conrad Bramm, Leiter der Asylunterkunft am Natruper Holz in Osnabrück und seit fast 30 Jahren im Dienst der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen, geht in den Ruhestand.


Hier fassen wir jeweils zum Ende eines Monats die wichtigsten Themen der vorangegangenen Wochen in Kurzform zusammen. Ähnlich wie in den beliebten Jahresrückblicken der Zeitung können Sie hier alles Wissenswerte des Monats aus Osnabrück und Umgebung Revue passieren lassen. Hyperlinks im Text führen Sie bequem zu vorheriger Berichterstattung.