Pilotprojekt in Region Osnabrück Wie „Teleärzte“ dem Landarztmangel den Kampf ansagen

Von Jean-Charles Fays

Das Modellprojekt „Telearzt“ von Stadt und Landkreis Osnabrück startet Anfang September. Künftig fahren Arzthelferinnen von fünf Praxen in Stadt und Landkreis zu Hausbesuchen, der Arzt wird per Tablet zugeschaltet. Foto: Landkreis OsnabrückDas Modellprojekt „Telearzt“ von Stadt und Landkreis Osnabrück startet Anfang September. Künftig fahren Arzthelferinnen von fünf Praxen in Stadt und Landkreis zu Hausbesuchen, der Arzt wird per Tablet zugeschaltet. Foto: Landkreis Osnabrück

Osnabrück. Das neue Pilotprojekt „Telearzt“ sagt dem Landarztmangel den Kampf an. Das in Niedersachsen einmalige Modellprojekt startet kommende Woche. Speziell ausgebildete Arzthelferinnen von fünf Praxen in Stadt und Landkreis fahren zum Patienten, der Arzt wird per Tablet zugeschaltet.

„Der Vorteil dieses Projekts ist: Es funktioniert bereits jetzt und kann schon heute dazu führen, dass sich die medizinische Versorgung verbessert“, lobt der Erste Kreisrat Stefan Muhle. Andere Maßnahmen zur Bekämpfung des Landarztmangels wie etwa Stipendien dafür, dass Hausärzte künftig verpflichtend in der Region eine Praxis übernehmen, dauerten sehr lange. Zudem sei eine solche Festlegung bereits im ersten Semester für viele Studenten nur schwer vorstellbar. Das Projekt mit der sogenannten „telemedizinischen Versorgungsassistentin“ hingegen sei ein wichtiger Baustein, um aktuell die hausärztliche Versorgung sicherzustellen.

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Arzt soll mehr Zeit mit den Patienten verbringen

Dabei soll der Hausarzt nicht durch eine Arzthelferin ersetzt werden, sondern eine Arzthelferin soll vor Ort die Aufgaben übernehmen, die nicht zwingend ein Arzt durchführen muss. „Es geht darum, dass der Arzt mehr Zeit mit den Patienten verbringen kann und keine Zeit auf dem Weg zu den Patienten auf den Landstraßen verliert“, erklärt Muhle.

Großen Bedarf gibt es, weil es in unserer Region laut Muhle immer schwieriger wird, genügend Hausärzte zu finden. Insbesondere im Bereich Melle gibt es eine Unterversorgung, weil demnach mehrere Hausarztsitze nicht besetzt werden konnten. Das erklärt auch, warum von fünf an dem Projekt teilnehmenden Arztpraxen zwei aus Melle kommen. Eine ist im Nordkreis in Berge und Nortrup und zwei sind in der Stadt Osnabrück angesiedelt.

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Die Arzthelferinnen, die künftig zu den Hausbesuchen bei den Patienten fahren, wurden in einer elftägigen Theorie und in einer 40-stündigen Praxisausbildung zur „telemedizinischen Versorgungsassistentin für hausärztliche Versorgung“ weitergebildet. Ein Drittel der 3000 Euro teuren Weiterbildung hat dabei der Landkreis übernommen. Das wichtigste Instrument ist dabei ein 7000 Euro teurer sogenannter „Telemedizin-Rucksack“, der über ein Tablet und unter anderen Hilfsmitteln auch ein EKG, ein Blutdruckmessgerät oder ein Blutzuckermessgerät verfügt. Die Gesamtkosten für dieses Equipment in Höhe von 35000 Euro haben dabei Stadt und Landkreis gemeinsam übernommen.

Arzthelferinnen besuchen chronisch kranke Patienten

Die Arzthelferinnen besuchen nicht etwa akute Notfälle, sondern chronisch kranke Patienten etwa in Altenpflegeheimen, die den Arzt schon lange von Hausbesuchen kennen und bei denen Wunden versorgt oder Daten mithilfe von medizinischem Gerät vom Patienten zum Arzt übermittelt werden müssen. Die Arzthelferinnen versteht Muhle als verlängerten Arm des Arztes: „Bei Bedarf gibt es zudem über das Tablet eine Videokonferenz mit dem Hausarzt in der Praxis. Ich gehe aber davon aus, dass der Arzt nur in Ausnahmefällen zugeschaltet wird“, erläutert Muhle.

Pilotprojekt bis August 2018

Das Pilotprojekt ist vorerst für ein Jahr bis August 2018 ausgelegt. „Ich hoffe, dass auch danach noch einige Praxen weitermachen“, sagt Muhle. „Ziel ist, das Projekt in der Pilotphase weiterzuentwickeln, und wir wären stolz, wenn wir ihm zum Durchbruch verhelfen könnten.“


Teilnehmende Arztpraxen:

Diese Praxen nehmen an dem Pilotprojekt „Telemedizin“ in Stadt und Landkreis Osnabrück teil:

1. In Berge und Nortrup:

Die Landpraxis Dr. Brands

2. In Melle:

Praxis Dr. Schnepper und Groeneveld

3. In Melle:

Praxis Dr. Herzig

4. In Osnabrück: Praxis

Dr. Diekhoff

5. In Osnabrück: Praxis

Dr. Metreveli/Dr. Metreveli-Wiese.