Sportfotos zum Berlin-Marathon 2017 Mit 19 Jahren als Fotograf aus Osnabrück nach Äthiopien

Von Bastian Klenke


Osnabrück. Fotografieren ist die große Leidenschaft von Konrad Stöhr (19) aus Osnabrück. Seit 2013 dokumentiert er die Charity-Aktion „Jede Oma zählt“ bei ihren Marathonläufen in Berlin und Hamburg mit der Kamera. Jetzt erfüllt sich Stöhr einen Wunsch: Er reist mit seiner Kamera nach Äthiopien und begleitet einen afrikanischen Läufer bei seiner Vorbereitung auf den Berlin-Marathon 2017.

Schon als Teenager war Stöhr ein begeisterter Hobbyfotograf. Bei einem Crosslauf in der Region entdeckte er seine Leidenschaft für die Sportfotografie. Vor vier Jahren war der damals 15-jährige dann das erste Mal für eine Fotoreportage mit der Laufgruppe „ Jede Oma zählt “ in Berlin beim Marathon.

Auch 2014 fuhr Stöhr wieder mit nach Berlin. Zusätzlich zu den eigenen Läufern ermöglichte die Hilfsorganisation HelpAge, Organisator der Aktion „Jede Oma zählt“, erstmals einer Läuferin und einem Läufer aus Äthiopien in Berlin zu starten.

Mit der Kamera in Berlin für die Charity-Aktion „Jede Oma zählt“

Da der Geschäftsführer von HelpAge, Lutz Hethey, den Marathon selbst laufen wollte, suchte er einen Ansprechpartner für die beiden Läufer vor Ort, einen sogenannten Elitemanager. „Das habe ich dann tatsächlich gemacht und so erste Einblicke in die Welt des Profi-Laufsports bekommen“, sagt Stöhr, der sich auf einmal als Minderjähriger zwischen den professionellen Managern der anderen Topläufer wiederfand. (Weiterlesen: Berlin-Marathon wieder mit vielen Osnabrücker Charitiy-Läufern.)

Durch die engen Kontakte zu den Läufern, die Stöhr auch 2016 in Hamburg und Berlin begleitete, entstand sein Wunsch, einmal nach Äthiopien zu reisen. „Ich würde gerne wissen, wie die Läufer da leben. Wie sie trainieren. Wie es ist, Eliteläufer zu sein und einmal im Jahr aus afrikanischen Bedingungen in deutsche Luxushotels zu kommen, um einmal die Chance zu haben etwas über zwei Stunden in Europa Vollgas zu geben“, erklärt Stöhr.

Da Stöhr kein Amharisch spricht, die Landessprache in Äthiopien, ist der gebürtige Eritreer Tesfamariam Solomon (40) vor Ort sein Ansprechpartner. Solomon ist vor einigen Jahren aus Eritrea in die Schweiz geflohen und hat dort Deutsch gelernt. Er und Stöhr kennen sich bereits vom Berlin-Marathon 2014. Solomon wird dolmetschten, und Stöhr kann bei ihm wohnen.

Jeden Tag hartes Training für den Traum, einmal zu gewinnen

Im Mittelpunkt von Stöhrs Reportage steht Chalachew Tiruneh (27). Tiruneh trainiert in Kotebe, einem Vorort der Hauptstadt Addis Abeba. Sein Ziel: den Marathon in zwei Stunden und sieben Minuten zu beenden – und damit womöglich unter die Top 15 der 40.000 Berliner Läufer kommen. „Tiruneh gehört zu denen, die wahrscheinlich nie gewinnen werden, aber trotzdem jeden Tag das ganze Jahr aufs Härteste trainieren und die Hoffnung, doch einmal zu gewinnen, nicht aufgeben“, so Stöhr fasziniert.

Helpage Deutschland und HelpAge International helfen Stöhr bei den Formalitäten. Die Organisation hat ein Büro vor Ort und dient Stöhr bei Fragen als Ansprechpartner. Neben seiner Fotoreportage kann Stöhr noch ein Projekt von HelpAge besuchen: ein Hospitz in Addis Abeba.

Stöhrs Eltern fanden die Idee ihres Sohnes anfangs schon sehr „abenteuerlich“. „Die beiden haben mich schon sehr unterstützt, auch wenn sie vielleicht gedacht haben, dass ich mir einen Floh in den Kopf gesetzt habe“, schmunzelt Stöhr. Seit dem Abitur, das er im vergangenen Jahr auf der Angelaschule gemacht hat, arbeitet er als freiberuflicher Fotograf und sammelt deutschlandweit Erfahrungen. Nach seinem Aufenthalt in Äthiopien plant Stöhr, weiter als Fotograf zu arbeiten und im Sommersemester 2018 BWL zu studieren.