Performative Lesung vom Holzthron Kulturnacht am Markt: „Die unendliche Bibliothek“

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In dem aufwändigen Bühnenbild von Volker-Johannes Trieb wird Ruben Zumstrull seine Lesung auf einem hölzernen Thron inszenieren. Foto: Gert WestdörpIn dem aufwändigen Bühnenbild von Volker-Johannes Trieb wird Ruben Zumstrull seine Lesung auf einem hölzernen Thron inszenieren. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Ein Künstler und ein Literat werden den Osnabrücker Markt während der Kulturnacht in ein Theater der besonderen Art verwandeln: In einer Art Bühnenbild von Volker-Johannes Trieb (VJT) wird der Schriftsteller Ruben Zumstrull (RZ) auf einem hölzernen Thron sitzen und eine performative Lesung inszenieren. Wir sprachen mit den Akteuren über Entstehung, Art und Zukunft des Projektes.

Herr Zumstrull, haben Sie sich mit dem Konzept für die „Unendliche Bibliothek“ als Highlight der Kulturnacht auf dem Osnabrücker Markt bei der Stadt beworben?

RZ: Nein, dazu kam es eher durch Zufall während einer Soiree in meinem Elternhaus. Ich kam mit Patricia Mersinger, der Leiterin des Fachbereichs Kultur, ins Gespräch. Da mein Leben von der Literatur bestimmt wird, landeten wir schnell beim Thema der diesjährigen Kulturnacht, die unter dem Motto „Wort“ steht. Mir fiel ein, dass ich mich in Hildesheim, wo ich „Literarisches Schreiben“ studierte, einmal mit dem Konzept der „Unendlichen Bibliothek“ beschäftigt habe. Das erzählte ich Frau Mersinger und sie wurde sofort hellhörig.

 

Was hat es mit der „Unendlichen Bibliothek“ auf sich?

RZ: Das Konzept basiert auf einer Erzählung des argentinischen Schriftstellers Jorge Luis Borges: „Die Bibliothek von Babel“. Er entwirft darin eine fiktive Welt als Universalbibliothek. Es geht um Unendlichkeit, um Verstehen und um eine Welt, die sich im Verfall befindet.

 

Lesen Sie während der Kulturnacht aus Borges Erzählung vor?

RZ: Nein, ich habe einen eigenen Text geschrieben, eine Hommage an Borges, die ich als performative Lesung inszeniere. Der Text besteht aus drei Teilen. Zunächst mache ich mit den Zuhörern eine imaginäre Führung durch die „Unendliche Bibliothek“. Es folgt eine Betrachtung der Analogien zwischen Natur und Literatur, dann lade ich die Zuhörer zu meiner persönlichen Flucht aus Babylon ein. Der ganze Zyklus dauert zirka 90 Minuten, den ich ab 18 Uhr mehrmals wiederhole.

 

Herr Trieb, wie kamen Sie ins Spiel?

VJT: An dem besagten Abend war ich ebenfalls im Hause Zumstrull. Frau Mersinger fand Rubens Idee mit der performativen Lesung sehr interessant, allerdings meinte sie, man müsse das Konzept erweitern, damit es auch künstlerisch-optisch zum Highlight auf dem Markt werden würde. Ich hatte sofort eine Vorstellung davon, wie wir vorgehen könnten: Ich wollte Ruben eine Art Bühnenbild schaffen, damit die Besucher die Lesung mit allen Sinnen erleben können.

 

Hatten Sie sofort das Bild von strahlenförmig angeordneten Baumstämmen im Kopf?

VJT: Das Konzept entwickelte ich in den folgenden Tagen während einiger ausgedehnter Spaziergänge. Zunächst wollte ich ein Labyrinth bauen, in dessen Zentrum Ruben auf einer Art Thron sitzt und liest. Doch die Umsetzung erwies sich als zu aufwändig.

 

Aber auf einem hölzernen Thron sitzen Sie jetzt tatsächlich, Herr Zumstrull.

RZ: Richtig. Ich sitze erhöht vor zwölf spiralförmig positionierten Baumstämmen, einem Symbol für Unendlichkeit. Volker-Johannes Trieb hat die Stämme mit Büchern ausgestattet, die dort real vorhanden sind, sich aber dem Zugriff entziehen. Er erweitert die Motive aus meiner Lesung um die Aspekte Natur und Vergänglichkeit.

 

Fahren Sie nicht einen ziemlich hohen Aufwand für eine einzige Nacht?

VJT: Das dachten wir uns auch. Daher haben wir uns Gedanken über eine Nachnutzung gemacht: Im nächsten Jahr wandert die „Unendliche Bibliothek“ nach Bad Iburg, wo sie im Waldkurpark aufgestellt und dort dem allmählichen Verfall preisgegeben wird. Das Ganze ist eine Kooperation mit der Landesgartenschau, mit der wir die Kosten teilen. Über Ursula Stecker von der Geschäftsführung der LaGa sind wir auch an unseren Hauptsponsor, die Firma Löffeld gekommen.

 

Wie gestaltet sich die Förderung?

VJT: Löffeld ist ein großes Forstwirtschaftsunternehmen in Lienen. Der Chef, Hermann Löffeld, war von unserer Idee sofort begeistert. Er stellte uns die zwölf Eichen- und Pappel-Stämme zur Verfügung, wir konnten sie auf seinem Gelände bearbeiten, seine Maschinen nutzen und die Firma kümmert sich auch um den Transport nach Osnabrück.

 

Herr Trieb, haben Sie selbst den Holzsitz bearbeitet und die Bücher in den Stämmen verankert?

Nein, dafür habe ich einen Bekannten engagiert, mit dem ich schon seit Jahren zusammen arbeite: Raimer Wolter. Er hat sich um die Holzbearbeitung und alle anderen handwerklichen Arbeiten gekümmert.

 

Wird Ihre Inszenierung auf dem Osnabrücker Markt auch nach Einbruch der Dunkelheit noch zu sehen sein?

RZ: Da hat sich die Firma Lightline aus Osnabrück etwas Besonderes ausgedacht. Ich werde unter einem Laserhimmel, einer Art Lichtbaldachin sitzen, derweil die Fassaden des Rathauses und der Stadtwaage als Projektionsfläche für eine Laserinstallation zum Thema Wort genutzt werden.


Samstag, 26. August, ab 18 Uhr: Kulturnacht zum Thema „Wort“. Auf dem Markt: „Die unendliche Bibliothek“ von Ruben Zumstrull und Volker-Johannes Trieb.

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