Roman „Schlafen werden wir später“ Zsuzsa Bánk las im Osnabrücker „Littera“-Programm

Von Dr. Stefan Lüddemann


Osnabrück. Zsuzsa Bánk trifft mit ihrem Roman „Schlafen werden wir später“ über Frauen in der Lebensmitte das Lebensgefühl vieler Leserinnen. Ihre Lesung in Osnabrück war ausverkauft.

Johanna und Márta sind so gegensätzlich wie ihre Lebensentwürfe. Die von ihrem Partner verlassene Johanna lebt nach einer Krebserkrankung im Schwarzwald, Márta mit Mann und drei Kindern in der Großstadt. Eine bange Frage eint die beiden Frauen: Geht da noch etwas in einem Leben, das in sein fünftes Jahrzehnt geht? Mit ihrem Roman „Schlafen werden wir später“ hat die Autorin Zsuzsa Bánk ein weit verbreitetes Lebensgefühl getroffen. Entsprechend dazu war ihre Lesung in der Reihe „Littera“ der Osnabrücker Buchhandlung zur Heide am Montag, 21. August 2017, schnell ausverkauft. Bánk hat vor allem ihre Leserinnengemeinde. Das wurde im Blue Note deutlich. Hier weiterlesen: „Babylon“ - der neue Roman von Yasmina Reza.

Roman aus E-Mails

Über drei Jahre hinweg senden sich Johanna und Márta E-Mails, in denen sie sich von ihren Lebensgefühlen erzählen. Die Autorin wählt für Lesungen aus ihrem modernen Briefroman stets jene Passagen, die zur jeweiligen Jahreszeit passen. Die Osnabrücker Zuhörerinnen und Zuhörer durften entsprechend in den satten Sommergemälden schwelgen, die Zsuzsa Bánk mit warmer Stimme zum fiktiven Leben erweckte. Wiesen im Schwarzwald, Ferien auf Fehmarn, Morgenblicke aus Fenstern in einen neuen Tag, der „groß, frisch, unbenutzt“ vor einem liegt - Bánk versteht sich auf dichte Beschreibungen von Natur, Tageszeiten, Stimmungslagen. Und darauf, die Unsicherheiten und Selbstzweifel ihrer Figuren auszuleuchten. Hier weiterlesen: Das Littera-Programm in Herbst und Winter 2017.

In der Lebensmitte

Nachdenklich, bisweilen misstrauisch schauen Márta und Joahnna auf ihr „abgetragenes, abgewetztes Leben“, fragen nach verpassten Lebenschancen, horchen auf jenes „Knistern in den Lebensfäden“, das sich wie ein Leitmotiv durch den Text zieht. Zweifel am eigenen Lebenskonzept, Brüche in Partnerschaften, ernste Krankheiten - all dies lässt das Lebensgewebe brüchig werden. Die beiden Frauen erzählen einander von einem Gefühl, das in der Lebensmitte viele haben - Optionen zu verlieren und die eigene Vergänglichkeit zu spüren. Zsuzsa Bánk fand gerade mit den nachdenklichen Passagen ihrer Lesung aufmerksame Zuhörer. Hier weiterlesen: „Hölderlin“: Autor Peter Härtling ist gestorben.

Wann gelingt das Leben?

Sie habe ihre Heldinnen bewusst als Gegensätze konstruiert, erzählte Zsuzsa Bánk nach der Lesung. Es mache ihr Spaß, Figuren zu erfinden und sie agieren zu lassen. Johanna und Márta seien für sie sehr schnell wirkliche Personen geworden, deren Schicksal sie durch den umfangreichen Roman verfolgt habe. Wann ist das Leben gelungen? Mit Kindern oder ohne, in der Stadt oder auf dem Land? Diese Fragen bestimmen nach Auskunft der Autorin den Roman. Vermutungen, sie habe in „Schlafen werden wir später“ auch von ihrem eigenen Leben erzählt, erteilte die Schriftstellerin allerdings eine Absage. „Ich stehe auf, schreibe, mache Abendbrot für die Kinder, gehe dann ins Bett. Das füllt keine 700 Seiten“, fasste Bánk mit einem Lachen ihr eigenes Frauenleben knapp zusammen. Hier weiterlesen: Auf der Flucht - Dave Eggers´ Roman „Bis an die Grenze“.


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