Quo vadis? Osnabrücker Kandidaten diskutieren über Energiewende


Osnabrück. Osnabrücker Bundestagskandidaten von CDU, SPD, FDP und den Grünen haben im ZUK über die Zukunft der Energiewende und erneuerbare Energien diskutiert.

Energiewende – was kann und muss die Politik dazu tun? Dieser Frage stellten sich am Donnerstagabend im Zentrum für Umweltkommunikation der Bundesumweltstiftung die Politiker Mathias Middelberg (CDU), Rainer Spiering (SPD), Thomas Thiele (FDP) und Günter Westermann (Grüne). Die Linke und die AfD waren den Veranstaltern zufolge ebenfalls eingeladen gewesen, aber nicht zur Diskussionsrunde angetreten.

Die Kandidaten für die Bundestagswahl stellten sich gemeinsam mit Detlef Gerdts, Fachbereichsleiter Umwelt und Klima der Stadt, dem Moderator Klaus Kuhnke vom Solarenergieverein und einem engagierten Publikum. Wie geht es mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) weiter? Und vor allem: Was darf Energie kosten? Diese Fragen werden in den kommenden Jahren wichtig werden, und sie standen auch im Mittelpunkt der Diskussion.

„Das Thema Biogas beispielsweise ist nach hinten losgegangen“, bilanzierte Spiering die Bemühungen, erneuerbare Energien zu fördern. Für Middelberg muss sich die Energiewende an Wirtschaftlichkeit messen. Umbau und Bezahlbarkeit gehören für ihn zusammen. Dem stimmte der FDP-Vertreter zu: „Subventionen sorgen nicht für sichere Arbeitsplätze“, meinte Thiele.

Meinungsverschiedenheiten zwischen den Parteien gibt es unter anderem bei der Frage, ob ein starker Netzausbau oder eher ein dezentrales System zu bevorzugen ist. Für CDU und SPD stehe der schnelle Ausbau der Netze im Fokus, waren sich Middelberg und Spiering einig. Die FDP bevorzuge die Energieproduktion vor Ort, so Thiele – so wenig Trassen wie möglich, sei die Vorgabe. Dennoch sei die Infrastruktur für die Wirtschaft wichtig und müsse entsprechend ausgebaut werden. Nur Westermann vertrat die Idee einer deutlich dezentralen Ausrichtung. Für die wichtigen Speicherlösungen fehlen allerdings noch die nötigen Technologien.

Detlef Gerdts berichtete von den Bemühungen der Stadt und der Region, auf alternative Energien umzusteigen. Um wirklich den gesamten Strom selbst zu erzeugen, brauchte die Stadt aber weitere 100 Drei-Megawatt-Windanlagen. Platz sei bei optimistischer Schätzung lediglich für drei oder vier. Das Problem lasse sich daher nur in der Region lösen. Besser sehe es im Bereich Photovoltaik aus. Hier habe die Stadt mit dem Solarkataster eine viel kopierte Grundlage geschaffen.

Alle anwesenden Politiker wollen die Gebäudesanierung forcieren. „Sanierung ist dringender als Photovoltaik-Anlagen“, meinte Middelberg. Genauso wie Spiering möchte er mit steuerlichen Anreizen für mehr Dynamik auf diesem Feld sorgen. Steuerliche Erleichterungen wünscht sich auch Spiering, will aber auch mehr auf kommunale Wohnungsbaugesellschaften setzen.

Auch beim Ausstieg aus der Kohleverstromung bietet die Politik unterschiedliche Lösungsmodelle an. Während für die Grünen das möglichst schnelle Ende der Technologie im Mittelpunkt steht, wie Westermann sagte, sehen die anderen Parteien Probleme für die Energieversorgung. Die SPD hoffe, so Spiering, dass der Technologiesektor durch den Kohleausstieg noch einen Schub bekommt. Für Middelberg ist ein kurzfristiger Ausstieg undenkbar. Dafür lieferten die Erneuerbaren Energien einfach noch nicht gleichmäßig genug Strom in die Netze. Auch die FDP halte einen überhasteten Ausstieg für gefährlich, betonte Thiele.

Veranstaltet worden war die Diskussion von mehreren ökologisch orientierten Initiativen. Neben dem Solarenergieverein hatten die Energiegenossenschaft nwerk, die Initiative „Klimastadt Osnabrück“, der Bundesverband Windenergie, die Osnabrücker Klimaallianz und die Lokale Agenda 21 ins ZUK eingeladen.


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