Konzept aus Westerkappeln Pfandsystem soll Pappbecherflut in Osnabrück stoppen

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Ein Mehrwegsystem für Coffee-to-go-Becher soll den Pappbecherwahn stoppen. Foto: Gert WestdörpEin Mehrwegsystem für Coffee-to-go-Becher soll den Pappbecherwahn stoppen. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Kerstin Albrecht (BOB) ist genervt. Die stetig wachsende Zahl der Coffe-to-go-Pappbecher lässt ihr keine Ruhe. Jetzt hat sie die Initiative ergriffen und Kontakt mit der Klaus Rudolph Consulting in Westerkappeln aufgenommen, die in Kooperation mit der Firma Logicycle ein Pfandsystem für die To-go-Becher an den Markt bringen will.

Kaffee im Gehen zu trinken muss man wirklich mögen. Eigentlich ist es ja schöner, dass von vielen in den Rang eines Lebenselixiers erhobene Heißgetränk entspannt im Sitzen zu sich zu nehmen. Offensichtlich fehlt aber immer mehr Menschen dazu die Muße. Sie greifen lieber zum Pappbecher, um ihren Kaffee zum Beispiel auf dem Weg ins Büro zu trinken. Die Folge dieser (Un-)Sitte ist ein stetig wachsender Müllberg, der nicht nur für viel Geld entsorgt werden muss, sondern auch in hohem Maß Ressourcen verschwendet.

Insellösung reicht nicht

Nun hat sich ein Unternehmer aus Westerkappeln auf den Weg gemacht, ein bundesweites Pfandsystem für Coffee-to-go-Becher zu entwickeln. Selber schon seit Jahren im Pfandbereich unterwegs, hat er sich noch die Firma Logicycle als Partner ins Boot geholt. Gemeinsam wollen sie ihre Idee bundesweit installieren, denn, so Klaus Rudolph, Geschäftsführer der gleichnamigen Consultingfirma: „Ein Pfandsystem macht erst dann Sinn, wenn ein Kunde im Osnabrücker Bahnhof einen Kaffee für die Reise kauft und den Becher dann im Hamburger Bahnhof gegen Pfand wieder abgeben kann.“

Der Kampf gegen die To-go-Becher wird mittlerweile bundesweit geführt. Kein Wunder, schaut man auf die Menge der produzierten Wegwerfbehältnisse. Die Deutsche Umwelthilfe spricht von 320000 To-go-Bechern, die stündlich bundesweit verbraucht werden. Pro Jahr seien das drei Milliarden Becher. Die Umweltauswirkungen beschreibt die Umwelthilfe so: „Für Herstellung der Polyethylen-Beschichtungen der Innenseiten und Polystyrol-Deckel werden jährlich etwa 22000 Tonnen Rohöl verbraucht. Für die Herstellung der Coffee-to-go–Becher entstehen CO2-Emissionen von rund 83000 Tonnen. Die Herstellung der Polystyrol-Deckel verursacht zusätzlich rund 28000 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr. Viele Coffee-to-go-Becher werden achtlos weggeworfen und verschmutzen Straßen, öffentliche Plätze und die Natur.“

Da bekommt der Kaffee einen faden Nachgeschmack. Nun ist es bei Weitem nicht so, dass die – von Rudolph „Inverkehrbringer“ genannten – Verkäufer von Coffee to go nicht auch selbst die Misere erkannt hätten. Dementsprechend offen stehen Bäckereien, aber auch die Großen der Branche wie Tchibo, Starbucks oder McDonald’s einem Mehrwegsystem gegenüber. Allerdings setzen sie derzeit auf eigene Mehrwegkreationen, die wieder aufgefüllt werden. Die einmal für Preise zwischen vier und 15 Euro erworbenen Trinkgefäße verbleiben beim Kunden. Ob so dem Pappbecherwahn Einhalt geboten werden kann, ist fraglich.

Klaus Rudolph, der nach eigenen Worten bereits an einigen Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen Becher-Pfandsysteme installiert hat, glaubt nicht an die bestehenden Mehrwegvarianten. Auch Albrecht hält sie für zu umständlich und für den Endverbraucher letztendlich auch zu teuer. Sie will deshalb Politik und Verwaltung für Rudolphs Pfandsystem sensibilisieren. Sie sei sich bewusst, so Albrecht, dass ein solches Pfandsystem rein privatwirtschaftlich zu organisieren sei, gleichwohl hält sie es für richtig und wichtig, die Einführung zumindest ideell durch Rat und Politik zu unterstützen. Deshalb hat sie das Modell aus Westerkappeln jetzt im Ausschuss für den Osnabrücker Servicebetrieb vorgestellt.

Wie Pfandflaschen

Auf diese Unterstützung setzen auch Rudolph und seine Partner. „Wir werden unser Projekt jetzt in München und Heidelberg vorstellen“, so der Mehrwegfachmann. Auch hier hofft er auf Unterstützung. Denn eines sieht auch Rudolph: „Insellösungen machen keinen Sinn.“ Zwar kann sich der Mann aus Westerkappeln vorstellen, den Siegeszug seines Systems, dass vereinfacht gesagt analog dem System bei Pfandflaschen funktioniert, in Osnabrück beginnen zu lassen. Der bundesweite Einsatz müsse aber das Ziel sein.

In der Praxis will Rudolph die Becher an die Inverkehrbringer verkaufen. Das Unternehmen, für das derzeit noch ein Name gesucht wird, wird die Becher verteilen und, so von den angeschlossenen Kaffeverkäufern gewünscht, die Reinigung übernehmen. An attraktiven Standorten in den Städten verteilte Rücknahmeautomaten soll es ebenfalls langfristig geben. Ein Pfandsystem werde nur angenommen, wenn es einen größtmöglichen Komfort biete, so Rudolph.

Die im OSB-Ausschuss vertretenen Parteien haben die Albrecht-Initiative zunächst einmal zur Kenntnis genommen und wollen das System fraktionsintern beraten.


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