Bundestagskandidat im Porträt Bramscher Josef Riepe will für Arbeitnehmer sprechen

Entspannen kann Josef Riepe am besten auf dem heimischen Sofa. Foto: Heiner BeinkeEntspannen kann Josef Riepe am besten auf dem heimischen Sofa. Foto: Heiner Beinke

Bramsche. Josef Riepe ist das, was man gemeinhin eine ehrliche Haut nennt. Drumherum reden, das ist nicht seine Sache. Und so stellt der Direktkandidat der Linken für die Bundestagswahl 2017 im Wahlkreis 38 gleich klar, dass er für sich persönlich keine Chance sieht, tatsächlich in den Bundestag einzuziehen. Aber der 60-jährige Bramscher versteht sich als Stimme der einfachen Arbeitnehmer.

„Es ist wichtig, dass sich ganz normale Arbeitnehmer mit ihrer Lebenserfahrung engagieren“, findet Riepe, der den Besuch zusammen mit Ehefrau Beate auf der schicken Terrasse seines Eigenheimes im Ortsteil Achmer empfängt. Er selbst bringt in diesem Sinne reichlich Erfahrung mit: Der Betriebsschlosser war 40 Jahre bei Karmann und jetzt bei der Volkswagen Osnabrück GmbH. Seit vier Jahren ist er dort auch im Betriebsrat, aber nicht als freigestelltes Mitglied. „So bin ich viel näher an der Basis und komme mit den Leuten an der Werkbank ins Gespräch.“

Lebenserfahrung

Riepe muss niemand etwas erzählen über Manager, die mit kurzsichtigen Fehlentscheidungen Betriebe in Schieflage bringen und darüber, dass am Ende nicht die Nieten in Nadelstreifen, sondern die einfachen Arbeiter die Zeche zahlen. „In Osnabrück treffe ich heute noch Menschen, die nicht darüber hinweggekommen sind, dass sie bei Karmann gehen mussten“, sagt Riepe. Derzeit ärgert ihn am meisten die „Dreistigkeit“ der VW-Manager: „Die sind aufgeflogen und machen mit der gleichen Kiste weiter. Die gefährden leichtfertig Tausende von Arbeitsplätzen.“ Ein weiteres aktuelles Beispiel aus der Region ist für ihn der Feinkosthersteller Homann, der aus Gründen der Gewinnmaximierung an einem anderen Ort „bei Null anfängt“, während hier die treuen Arbeitnehmer auf der Straße stehen.

Kurze Zeit in der SPD

Arbeitnehmerrechte haben den Bramscher schon früh interessiert, auch wenn er im politischen Spektrum im Laufe der Jahre eine ziemliche Wanderung hingelegt hat. Angefangen hat der Katholik in der CAJ, der Christlichen Arbeitnehmerjugend. Später engagierte er sich als Jugendsekretär beim Deutschen Gewerkschaftsbund. Er war auch kurzfristig Mitglied der SPD, „aber nicht lange“, wie er betont. Der NATO-Doppelbeschluss trieb ihn Anfang der 80er Jahre aus der Partei. Lange Jahre blieb er danach politisch interessiert, aber nicht an eine Partei gebunden.

Erst bei den Linken fand er jetzt wieder eine politische Heimat. Seit der letzten Kommunalwahl sitzt er für die Partei im Bramscher Stadtrat. Eine Aufgabe, die er sehr reizvoll findet. „Da wollen wirklich alle das Beste für die Stadt. In der Sache kann und muss man streiten, aber der Umgangston ist immer respektvoll“, findet er.

Bildung und Arbeitswelt

Auch hier sind ihm die Themen Bildung und Arbeitswelt am wichtigsten. Chancengleichheit in der Schule ist für den Vater zweier Kinder ein zentrales Anliegen. Die Mindestrente und die Eindämmung der Leiharbeit sind weitere zentrale Themen. „Wir haben bei uns Leute, die haben bis zu fünf Jahre gebraucht, bevor sie richtig mit fester Anstellung in den Laden reingekommen sind. Da muss sich gewaltig etwas ändern“, sagt Riepe.

Dass er selbst aktiv daran als Bundestagsabgeordneter mitwirken kann, glaubt Riepe nicht. Auch die Chancen für die Linke auf eine Regierungsbeteiligung sieht er skeptisch, „weil die SPD zu schwach ist“. Aber im Wahlkampf will er alles dafür geben, dass seine Partei in seinem Wahlkreis die Hürde von fünf Prozent meistert.

Die Kandidaten für die Bundestagswahl der Stadt Osnabrück (Wahlkreis 39) im Porträt:

Die Kandidaten für die Bundestagswahl im Wahlkreis Osnabrück-Land (Wahlkreis 38) im Porträt:


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