Konzert in St. Johann Telemanns Musik weiht renovierten Kreuzgang ein

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Weihen den renovierten Kreuzgang in St. Johann ein: Das Ensemble Musica Alta Ripa. Foto: Egmont SeilerWeihen den renovierten Kreuzgang in St. Johann ein: Das Ensemble Musica Alta Ripa. Foto: Egmont Seiler

Der Kreuzgang in St. Johann strahlt in neuem Glanz. Das hat Musica Alta Ripa mit dem ersten Kreuzgangkonzert nach der Renovierung gefeiert. Auf dem Programm: Musik von Georg Friedrich Telemann.

Eine Renovierung muss gefeiert werden; das ist in der Studenten-WG nicht anders als bei Sakralbauten. Deshalb spendiert die Johannisgemeinde Fleischbällchen und Schnittchen zum (kostenpflichtigen) Pausenwein des Kreuzgangkonzerts, und vielleicht ist die Pause auch einen Tick länger als üblich, um den idyllischen Kreuzgang zu genießen und vielleicht einen Blick auf den neuen Glanz des Gemäuers zu werfen. Ein wenig heller sehen Boden und Mauern aus, neue Beleuchtung taucht den Gang in warmes oranges Licht: Die Arbeiten sind kosmetischer Natur, aber gleichwohl nötig gewesen. In jedem Fall aber liefern sie einen Anlass zum Feiern, und die Musik dazu hat sich Kirchenmusikdirektor Christian Joppich vom Ensemble Musica Alta Ripa zusammenstellen lassen, die sich wiederum im reichen Œvre von Georg Philipp Telemann bedient haben. Weiterlesen: Christian Joppich beim Orgelsommer

Telemanns Musik: Immer ein gute Wahl

Das ist eine gute Wahl, weil elegante Leichtigkeit Telemanns Musik prägt. Womöglich haben schon seine Zeitgenossen sie als partytauglich eingestuft, nur war die Musik vor zweieinhalb Jahrhunderten nicht in ein festes Beats-per-minute-Korsett gezwängt; ein schwebendes „Grave“, ein luftig schwingendes „Siciliano“ zwischen zwei Allegro-Sätzen war damals absolut ok. Unterschiedliche Besetzungen waren das ebenfalls: Telemann ging meisterhaft mit der reichhaltigen Klangfarben-Palette seiner Zeit um. Cembalist Berndward Lohr hat da in seiner Anmoderation nicht zu viel versprochen.

Neben dieser klanglichen Vielfalt vermitteln die fünf Musiker ein weiteres wichtiges Merkmal in Telemanns Werk: Die Musik lächelt feinsinnig. Telemann ist nicht der kontrapunktische Tüftler wie sein Freund und Zeitgenosse Johann Sebastian Bach, Telemann hat Musik geschrieben, die das Publikum durch ihre Unmittelbarkeit mitnimmt, die unterhalten will und darf. Diesen Aspekt arbeitet Musica Alta Ripa in den Sonaten, Ouvertüren und Concerti des Abends schön heraus. Weiterlesen: Das Barockorchester L‘Arco spielt Telemann im Osnabrücker Schloss

Gewitter wartet das Konzertende ab

Nun verlangt Telemann neben dem feinen Klang ein gehöriges Maß an Virtuosität – die man im besten Fall als Hörer gar nicht bemerkt. Die fünf Musikerinnen und Musiker ließen einen an diesem Abend aber nicht um Unklaren:Im virtuosen Dickicht kam Alta Ripa doch manchmal ins Stolpern und Schlingern. Aber auf einer Feier überhört man das großzügig und erfreut sich an der geistvollen Musik Telemanns. Und das ist bei diesem ersten Kreuzgangkonzert nach der Renovierung sehr wohl gelungen. Dabei hat sogar das Wetter mitgespielt: Das angekündigte Gewitter hat das Konzertende abgewartet. Sehr nobel.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN