Der Eversburger Bahnhof Lachstartar an der Bahnsteigkante

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. Viele Eversburger sind heute nicht gut auf die Bahn zu sprechen. Besonders dann nicht, wenn sie mal wieder lange vor der geschlossenen Schranke an der Atterstraße warten müssen. Vor 150 Jahren haben die Stadtväter dafür gekämpft, dass die Bahn nach Eversburg kommt.

Sie kam. Und braust seitdem viele Male am Tag durch Eversburg. Jedoch nur hindurch. Einen Bahnhalt gibt es hier schon lange nicht mehr. Dafür aber einen sehr schönen – manche sagen: Osnabrücks schönsten – Bahnhof.

Kurze Wege für die Kohle

Als vor gut 160 Jahren über die Hannoversche Westbahn diskutiert wurde, also die Strecke Hannover – Löhne – Osnabrück – Rheine, da sprach Osnabrück sich dafür aus, dass die Linie im Nordwesten unweit des Piesbergs aus der Stadt herausgeführt wird und nicht etwa geradewegs im Westen. Die Kohlenzeche Piesberg gehörte der Stadt. Ihr war daran gelegen, dass die Kohle auf kurzem Wege über das entstehende Eisenbahnnetz abtransportiert werden konnte. Deshalb ließ sie sich den Schlenker am Piesberg vorbei auch etwas kosten. Sie stellte Grundstücke unentgeltlich zur Verfügung.

1856 nahm die Westbahn in Richtung Rheine den Betrieb auf. Bereits ein Jahr später war auch die kurze Gleisverbindung zur Zeche Piesberg fertiggestellt. Anfangs zogen Pferde die Kohlewaggons über das Anschlussgleis, das im Bereich des späteren Bahnhofs Eversburg in die Hauptstrecke einmündet.

Sonderzug für den Großherzog

Erst eine weitere Streckeneinfädelung rund 20 Jahre später löste den Bau eines ersten Eversburger Bahnhofs aus. Die Großherzoglich Oldenburgische Eisenbahn (GOE – oft verballhornt zu „Ganz Ohne Eile“) hatte sich zum Bau der Oldenburger Südbahn entschlossen, die Oldenburg und den Kaiserlichen Marinestützpunkt Wilhelmshaven an das Preußische Staatsbahnnetz anschließen sollte. Knotenpunkt für die aus Oldenburg über Cloppenburg und Bramsche kommende Strecke mit der Hannoverschen Westbahn wurde Eversburg. Hier erbaute die GOE einen Personenbahnhof als südlichen Endpunkt ihres Streckennetzes – auf preußischem Gebiet, was per Staatsvertrag geregelt wurde. Zur Streckeneinweihung und zur Besichtigung des neuen Bahnhofs kamen der Großherzog und seine Gemahlin persönlich am 8. August 1876 im Sonderzug angereist.

Nicht nur der Personenverkehr wurde über Eversburg abgefertigt. Auch alle Güterzüge von und nach Oldenburg wurden in Eversburg zerlegt beziehungsweise zusammengestellt, wodurch der Bahnhof ein umfangreiches Gleisvorfeld bekam. 1878 zählte man 19 Weichen, ein Stellwerk ging in Betrieb. Mit der Fertigstellung des neuen Güterbahnhofs im Fledder 1913 verlor der Rangierbahnhof Eversburg einen Großteil seiner Funktionen. Der Güterverkehr auf der Oldenburger Strecke erreichte nach dem letzten Krieg zwar neue Höchstwerte, aber es waren zumeist Ganzzüge, die durchfahren konnten. Vor dem Bau der Pipeline rollten täglich Kesselwagen an Kesselwagen mit Ölprodukten von Wilhelmshaven ins Industrierevier an Rhein und Ruhr.

Sockel aus Piesberger Sandstein

In den Knoten Eversburg wurde 1903 noch eine weitere Strecke eingefädelt, die Kleinbahn Eversburg – Recke – Rheine, die 1935 auf Normalspur umgebaut wurde und danach Tecklenburger Nordbahn (TNB) hieß. Hauptbahn, Nebenbahn, Kleinbahn und Industriegleise sorgten für ein komplexes Betriebsgeschehen. Das erste Bahnhofsgebäude wurde der gewachsenen Bedeutung des Eisenbahnknotens Eversburg nicht mehr gerecht. 1906 kam es zum Bau des hier abgebildeten Empfangsgebäudes in schönstem Jugendstil. Das Sockelgeschoss bestanden aus Piesberger Sandstein, die Obergeschosse aus Fachwerk. Die Giebel wurden bewusst asymmetrisch angeordnet, sie verliehen dem Komplex eine aufgelockerte Note.

1940 erhielt Eversburg auch einen Bahnsteig an der Hauptstrecke nach Rheine. Der Umweg und Umstieg in Osnabrück war jetzt nicht mehr nötig, wenn man aus Eversburg nach Rheine oder Bentheim wollte. Die bahnbetriebsmäßige Erschließung Eversburgs hatte damit ihren Höhepunkt erreicht.

Niedergang in den 60er Jahren

Wie bei anderen Vorortbahnhöfen auch setzte in den 1960er-Jahren der Niedergang ein. Viele Pendler stiegen aufs eigene Auto um und kehrten den Nahverkehrszügen den Rücken. Im Mai 1967 endete der Personenverkehr auf der TNB, 1970 die gesamte Stückgutabfertigung, 1976 die Expressgutabfertigung, 1979 der Fahrkartenverkauf. Ab 1991 rauschten auch die Züge Richtung Halen durch, Eversburg war nicht einmal mehr ein Haltepunkt. Die Bahn nutzte das Empfangsgebäude anfänglich als Wohnheim für Bedienstete, verkaufte es dann an private Investoren.

Einfühlsam saniert

Die hatten keine glückliche Hand. Pläne für das „größte Kartoffelhaus Deutschlands“ scheiterten, Konkursverfahren und Zwangsverwaltung folgten, das Rotlichtgewerbe zeigte Interesse. Erst im Oktober 2005 endeten die Jahre des Verfalls. Eine Investorengruppe, die auch schon die Lechtinger Kaue vor dem Untergang gerettet hatte, kaufte die denkmalgeschützte Immobilie auf und sanierte sie einfühlsam und ideenreich. Erst sollte ein Kinderhort einziehen, aber dann stellte sich die Stadtverwaltung quer. Seit Juni 2010 ist alles auf Fisch und Meeresfrüchte getrimmt. Das Restaurant „Gezeiten“ serviert - unter anderem - Hummercremesuppe im Wartesaal und Lachstartar im Freiluftbereich an der Bahnsteigkante.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN