Osnabrücker Spieltriebe Projektjugendclub zeigt „Girls like that“ in Skatehalle

Von Anne Reinert

Der Projektjugendclub macht mit „Girls like that“ die Skatehalle zur Bühne: Simon Niemann, Milena Kowalski, Stefan Leer, Johanna Siebert, Paula Römer (von links) und Dietz-Ulrich von Czettritz (vorn). Foto: Swaantje HehmannDer Projektjugendclub macht mit „Girls like that“ die Skatehalle zur Bühne: Simon Niemann, Milena Kowalski, Stefan Leer, Johanna Siebert, Paula Römer (von links) und Dietz-Ulrich von Czettritz (vorn). Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Das Festival „Spieltriebe“ am Osnabrücker Theater setzt sich mit dem Thema „Macht*Spiel*Geschlecht“ auseinander. Mit einer Serie beleuchten wir Produktionen und verschiedene Aspekte. Der Projektjugendclub hinterfragt die immer noch unterschiedlichen Erwartungen an Männer und Frauen.

Der Projektjugendclub und seine Leitung sind begeistert von ihrem Spielort. Der Raum reize die Bewegungsfreude und verführe dazu, die große Fläche einzunehmen, sagt Theaterpädagoge Simon Niemann. Die Halle habe viel Rhythmus, jede kleine Bewegung sei hör- und spürbar, ergänzt sein Kollege Dietz-Ulrich von Czettritz. Und Dramaturgin Milena Kowalski bringt es auf den Punkt: „Der Raum hat sehr viel Dynamik.“

Die Rede ist von der Skatehalle, in der der Projektjugendclub bei den „Spieltrieben“ das Stück „Girls like that“ des kanadisch-britischen Autors Evan Placey aufführt. Zwölf junge Menschen zwischen 14 und 26 Jahren aus fünf Amateurtheatergruppen des Theaters Osnabrück spielen mit. „Das ist abgesehen vom Symphonieorchester die größte Gruppe beim Festival“, sagt Simon Niemann, der die Gruppe mit Dietz-Ulrich von Czettritz leitet.

Das Stück spielt auf einem Mädcheninternat. Eines Tages taucht ein Nacktbild einer Schülerin auf. Die Folge: Es gibt Streit und Gerüchte, das Mädchen wird zur Außenseiterin. Als dagegen ein weiteres Nacktfoto von einem Jungen auftaucht, sind die Reaktionen ganz anders. Das Stück thematisiert so Hackordnungen – und Geschlechterrollen.

„Frauen gelten als Schlampen, wenn so etwas passiert, Männer werden dafür gefeiert“, sagt Darstellerin Paula Römer (21). Das Stück ist ein Rollenspiel im doppelten Sinn. Zum einen schlüpfen die jungen Darsteller in andere Charaktere. Zum anderen fragt das Stück nach männlichen und weiblichen Rollen: Was dürfen und müssen Männer und Frauen, was das jeweils andere Geschlecht nicht darf oder muss?

„Das Stück passt perfekt zum Spieltriebe-Thema ,Macht*Geschlecht*Spiel‘“, sagt Milena Kowalski. Das Hinterfragen der Geschlechterrollen geht auf der Spielebene weiter. Denn nicht immer sei klar, ob da nun ein Mann oder eine Frau stehe, so von Czettritz. Das sieht das Stück so vor, und so greift das Ensemble es auch auf. Dazu kommen Kommentare von Frauen vergangener Jahrzehnte.

„Viele Aspekte“ des Stücks seien typisch für das Leben heutiger junger Menschen, sagt Kowalski. Dem stimmen die drei Darsteller Johanna Siebert, Paula Römer und Stefan Leer zu. „Es finden sich viele Parallelen zum Alltag in der Schule“, bestätigt Johanna Siebert (17). Und auch wenn das Geschlecht heute auf den ersten Blick oft nicht mehr entscheidend zu sein scheint, gibt es bei näherem Hinsehen doch Unterschiede an die Erwartungen von Männern und Frauen. „Die weibliche Sexualität ist immer noch tabuisiert“, sagt Stefan Leer (17).

Simon Niemann freut sich, dass der Projektjugendclub bei den „Spieltrieben“ als gleichberechtigte Produktion zu sehen ist. Die Gruppe sei sehr zusammengewachsen, erklärt Dietz-Ulrich von Czettritz. Denn sonst arbeiten die Amateurgruppen die gesamte Spielzeit über an einer Produktion, die sie am Ende aufführen. Für „Girls like that“, zu sehen auf der pinken Route, hatte die Gruppe deutlich weniger Zeit und musste in Blöcken und viel häufiger in der Woche proben.