Friedenspolitischer Frühschoppen Osnabrücker auf der Suche nach seriösen Informationen

Von Norbert Meyer

Fluch oder Segen? Über Informationsmöglichkeiten im Internet-Zeitalter diskutierten Rainer Lahmann-Lammert, Katharina Opladen, Rolf Wortmann, Alfred Rotert und Sergej Friesen (von links). Foto: Elvira PartonFluch oder Segen? Über Informationsmöglichkeiten im Internet-Zeitalter diskutierten Rainer Lahmann-Lammert, Katharina Opladen, Rolf Wortmann, Alfred Rotert und Sergej Friesen (von links). Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Wie bleibt man gut informiert in Zeiten von „Fake News“ und „Social Bots“? So lautete eine Kernfrage beim jüngsten „friedenspolitischen Frühschoppen“ in Osnabrück.

Zum sechsten Mal hatte der Förderkreis der Osnabrücker Friedensgespräche zu einer solchen Veranstaltung eingeladen, diesmal ging es um das Thema „Ende der Öffentlichkeit“.Mit den Moderatoren Katharina Opladen und Rolf Wortmann vom Förderkreis diskutierten NOZ-Redakteur Rainer Lahmann-Lammert, Sergej Friesen vom Asta der Hochschule Osnabrück und Alfred Rotert, Organisator des European Media Art Festivals (EMAF).

Was man heute unter Öffentlichkeit verstehe, gehe auf einen Prozess der Meinungsbildung in Kaffeehäusern, Vereinen, Orden oder bei Zeitungen vornehmlich im 19. Jahrhundert zurück, sagte Wortmann. Diese Öffentlichkeit sei „jedem zugänglich“ gewesen. Nach anfänglicher Euphorie und der ursprünglichen Hoffnung auf größere Selbstbestimmung bei den Internet-Nutzern bestehe mittlerweile der Verdacht, dass das World Wide Web „eine Einflugschneise für Fake-News“ sei und andere Medien verdränge.

„Die Hälfte macht nicht mit“

Schlimmsten Befürchtungen in dieser Richtung trat Lahmann-Lammert entgegen. Die Zeitung wandele sich ständig und passe sich veränderten Lesegewohnheiten an, sagte der seit mehr als drei Jahrzehnten für die Neue Osnabrücker Zeitung tätige Lokalredakteur. Mittlerweile habe NOZ Medien mehr als 30.000 Online-Abonnenten. Allerdings werde das Geld immer noch mit der gedruckten Zeitung verdient. Digitalisierung und Internet böten „viele Chancen für demokratische Prozesse, aber ich glaube, dass die Hälfte der Gesellschaft dies nicht mitmachen will“, erklärte der Journalist weiter. Er verwies unter anderem darauf, dass mit sogenannten „Social Bots“ im Internet falsche Meinungen geschürt werden.

Gegen Filterblasen, die Internet-Nutzern nur einen sehr verengten Blick auf die Welt ermöglichen, würde nach Meinung Lahmann-Lammerts die Vermittlung von Medienkompetenz in Schulen helfen. „Das ist genauso wichtig wie Lesen und Schreiben“, sagte er. „Nicht widersprechen“ wollte diesen Aussagen Sergej Friesen, der sich nach eigenen Angaben immer bei anderen Quellen rückversichert, wenn er bei Facebook auf eine interessante Nachricht stößt.

Gegenoffensive wirkt positiv

EMAF-Macher Rotert erinnerte daran, dass es wie beim Internet in der Vergangenheit „schon mehrere Medien gab, mit denen große gesellschaftliche Erwartungen verknüpft waren“. Zum Beispiel die Videotechnik in den 1980er-Jahren, die sich mit der MTV-Kultur in eine kommerzielle Richtung entwickelt habe, obwohl sie ursprünglich zum Beispiel von der Hausbesetzerszene genutzt wurde, um Aufmerksamkeit zu erlangen. „Aus solchen Themen der Gegenoffensive der Achtziger hat sich etwas entwickelt, was heute im Mainstream angekommen ist. Das könnte durchaus positive Auswirkungen auf die Öffentlichkeit haben“, gab sich Rotert optimistisch.

Mit Online-Videos kann man auch ein jüngeres Publikum erreichen – das machte Asta-Vertreter Friesen deutlich. Die NOZ sei sich dessen bewusst und setze Videos gezielt auf ihren Onlineseiten ein, sagte Lahmann-Lammert, der sich zuversichtlich zeigte, dass Qualitätsjournalismus auch im Internet-Zeitalter möglich sei. Die Auflagensteigerung bei namhaften regierungskritischen US-Zeitungen nach dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump sei ein Indiz dafür. Im Internet kämen die Zeitungen mit Qualitätsanspruch aber nicht daran vorbei sich ihre Inhalte bezahlen zu lassen.

Und ist die Öffentlichkeit nun wegen des Internets am Ende? Auf diese Zuhörerfrage konnte der Moderator Wortmann zum Schluss weder mit Ja noch mit Nein antworten. ‚Der Hochschulprofessor hat allerdings bei seinen Studenten ein Nachlassen der „Kulturfähigkeit“ festgestellt, „sich intensiv durch langes Lesen mit etwas zu beschäftigen“. Und eine gewisse politische Gleichgültigkeit: So hätten drei Tage nach dem Rücktritt Christian Wulffs vom Amt des Bundespräsidenten einige junge Leute in seiner Vorlesung noch nichts davon gewusst, beklagte Rolf Wortmann.