Wort im Fokus der Fotografie Sonia Wohlfarth Steinert eröffnet neue Ausstellung

Von Tom Bullmann

Sonia Wohlfarth Steinert vor ihren Fotografien im Intervision-Studio an der Lohstraße. Foto: Swaantje HehmannSonia Wohlfarth Steinert vor ihren Fotografien im Intervision-Studio an der Lohstraße. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Im Intervision-Studio nähert sich die Osnabrücker Künstlerin Sonia Wohlfarth Steinert fotografisch dem Wort. Ob gedruckt, gesprayt, als LED-Display, auf einem Bildschirm oder riesengroß auf einer Plakatwand: Worte hinterlassen ihre Spuren.

Das Motto der Kulturnacht gab den Impuls: Es geht ums Wort. Also durchforstete Sonia Wohlfarth Steinert sämtliche Festplatten, auf denen sie ihre Fotografien archiviert, und wurde fündig: Das Wort hat offenbar einen besonderen Platz im fotografischen Werk der Künstlerin. Jetzt nutzt sie ihre eigene Galerie, das Intervision-Studio, um das Resultat ihrer Suche auszustellen.

Wie ein Laufband zieht sich eine Reihe Fotografien auf Augenhöhe über eine ganze Wand. Die vertikal strukturierten Aufnahmen sind mit Graffitis überdeckt: So genannte Tags, die als Markierung oder Signatur fungieren, Kryptisches und schnell Dahingesprühtes entdeckt man. Kurze englische Begriffe wie „Run“ und „Grab“ verweisen darauf, dass die Aufnahmen in London oder New York entstanden sein könnten. Aber die Fotografin hat die Motive in Berlin entdeckt. Bei näherer Betrachtung entpuppt sich der Grund, auf dem die Sprayer gearbeitet haben, als die Sichtseite einer Rolltreppe. Daher auch die durchgängige Struktur: Die Riefen in den einzelnen Stufen bilden das Muster.

Ob Buchrücken in einem Regal oder Werbeschrift auf einem Wandplakat, ob blinkende Schrift auf einem LED-Display oder in Bambus geritzter Liebesbeweis, offenbar hat Sonia Wohlfarth Steinert bei ihren Reisen und Exkursionen immer schon das Wort gereizt. Im Flugzeug fotografierte sie vom Monitor die Sicherheitsinstruktionen zu Beginn des Fluges ab, in Amerika Neonschriftzüge an Hausfassaden, in einem Touristenort fielen ihr Songtexte auf einem Teleprompter auf, die während einer Karaoke-Show eingeblendet wurden. Die Frau im knallgelben Kleid, die sich an dem Text versuchte, ist fragmentarisch im Vordergrund erkennbar.

Dass sie auch einen Blick für die kleinen Dinge im Leben hat, beweist die Fotografin mit der Aufnahme von einem Schloss an einer dicken Goldkette, die offenbar an einer Brücke hängt. Der Brauch, der so exzessiv betrieben wird, dass in manchen Städten die Statik der Brücken aufgrund des zunehmenden Gewichts der vielen Schlösser gefährdet ist, hat in diesem Fall Monica und Rüdiger auf ewig aneinander gebunden.

In New York hat Wohlfarth Steinert das „5Pointz“ besucht. Der Lagerhauskomplex in Ortteil Queens war einst zum Zentrum für Graffiti-Künstler geworden. Doch die Sehenswürdigkeit wurde vom Eigentümer trotz massiver Proteste zunächst komplett geweißt, dann abgerissen. „Art Genocide“ lautet der Kommentar an einer Wand, den die Osnabrücker Fotografin dokumentierte.


Intervision-Studio, Lohstraße 58: „words“. Fotografie von Sonia Wohlfarth Steinert. Sa. 12. August (Eröffnung um 19 Uhr) bis 26. August. Do. und Fr. 16-18 Uhr, Sa. 12-14 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung unter 0173/74 96 344. Zur Kulturnacht am Samstag, 26. August zusätzliche Öffnung ab 20 Uhr: Kunst & Musik & Drink