350 Jahre Westfälischer Friede 1998 kamen 20 Staatsoberhäupter in den Osnabrücker Friedenssaal

Gekrönte Häupter gaben sich im Oktober 1998 in Osnabrück die Ehre. Das Foto zeigt Königin Beatrix der Niederlande (links) und Margrethe von Dänemark. Archivfoto: Gert WestdörpGekrönte Häupter gaben sich im Oktober 1998 in Osnabrück die Ehre. Das Foto zeigt Königin Beatrix der Niederlande (links) und Margrethe von Dänemark. Archivfoto: Gert Westdörp

Osnabrück. Für das Stadtmarketing war das Jahr 1998 ein Glücksfall: Das Nussbaum-Museum nach einem Entwurf des Star-Architekten Daniel Libeskind wurde eröffnet, der 100. Geburtstag von Erich Maria Remarque bekam große Aufmerksamkeit und zur 350-Jahr-Feier des Westfälischen Friedens blickte die Welt am 24. Oktober 1998 auf die damaligen Kongressstädte Münster und Osnabrück – gerade so wie 350 Jahre zuvor.

Mit der Verkündigung des Westfälischen Friedens, der 1648 den Dreißigjährigen Krieg beendete, waren die Territorien in Mitteleuropa neu geordnet und befriedet worden. Dies war Anlass genug, dass die Repräsentanten der damals beteiligten Staaten oder ihrer Rechtsnachfolger in die Friedensstadt kamen und die damals aufgestellten Grundsätze von Toleranz, Religionsfriede, Nichteinmischung und Verbot des Angriffskriegs erneut beschworen. Nach einem ökumenischen Gottesdienst in der Marienkirche, gehalten vom Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz Bischof Karl Lehmann und Präses Manfred Kock für die evangelische Seite, begrüßte Oberbürgermeister Fip die heutigen Oberhäupter der damaligen Signatarmächte im Friedenssaal, darunter Königin Beatrix der Niederlande, König Carl XVI. Gustaf von Schweden, König Juan Carlos I. von Spanien und Bundespräsident Roman Herzog.

Nach den Zeremonien in Osnabrück bestiegen die europäischen Staatsoberhäupter einige Reisebusse, um nach Münster weiterzufahren. Roman Herzog hatte diese unprätentiöse Beförderungsart im Stil eines „europäischen Betriebsausflugs“ vorgeschlagen. Nach einem festlichen Essen besuchten die Gäste den Münsteraner Teil der Doppelausstellung „1648 – Krieg und Frieden in Europa“. Am Folgetag wurde die große Europaratsausstellung auch am Standort Osnabrück eröffnet. Im Kulturgeschichtlichen Museum mit Nussbaum-Haus und in der Kunsthalle Dominikanerkirche sahen 80.000 Menschen ein umfassendes Panorama zum Thema Westfälischer Friede und seine Folgen.

Im weiteren Verlauf des Jahres waren die Friedensnobelpreisträger Dalai Lama und Henry Kissinger zu Gast. Im Rahmen der Osnabrücker Friedensgespräche diskutierte der frühere US-Außenminister Kissinger am 7. November 1998 vor 2000 Zuhörern in der Stadthalle mit Johannes Rau. Thema war der Islamismus. Hellsichtig beschwor Kissinger die Gefahr, aus einem isolierten islamischen Fundamentalismus könnte sich eine Verzweiflungstat entwickeln. Keine dei Jahre später schlugen die Flugzeuge im World Trade Center ein.


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