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Kandidat Günther Westermann (Grüne) Wie ein Ickeraner Politik wieder greifbar machen will

Abends im Vorgarten seines Hauses auf der Bank sitzen, eine rauchen und mit den Nachbarn ins Gespräch kommen: Hier fühlt sich Günther Westermann am wohlsten. Foto: Michael GründelAbends im Vorgarten seines Hauses auf der Bank sitzen, eine rauchen und mit den Nachbarn ins Gespräch kommen: Hier fühlt sich Günther Westermann am wohlsten. Foto: Michael Gründel

Belm. Es gibt „die da in Berlin“ und es gibt Günther Westermann aus Icker. Kein Politik-Profi, sondern ein Neuling. Erst vor anderthalb Jahren trat er bei Bündnis 90/Die Grünen ein und wurde direkt in den Belmer Rat gewählt. Jetzt kandidiert der 51-Jährige für ein Mandat in Berlin, um sich für die Belange der Bürger aus Osnabrück und dem Speckgürtel einzusetzen.

„Ickeraner durch und durch“: Wer Günther Westermann zu Hause besucht, versteht, warum er sich selbst so bezeichnet. Vom Balkon seines Elternhauses fällt der Blick direkt auf den Kirchturm des Ortes, in dem die Welt scheinbar noch in Ordnung ist. Getrübt wird die Idylle nur durch eines: Die Angst vor der geplanten Autobahn, der A33-Nord, die die in Belm endende A33 mit der A1 nördlich von Wallenhorst verbinden soll. „Die würden Sie hier jetzt hören“, sagt Westermann und deutet in Richtung Südwesten. „Da würde die Autobahn verlaufen.“

Kein Wunder also, dass er dagegen ist und die Grünen als seine Partei auserkoren hat – wenn auch nicht nur wegen der A33. „Für mich ist das die einzige Partei, die zukunftsorientiert ausgerichtet ist.“ Als Schwerpunkte nennt er Umwelt und Migration, aber auch Sicherheit. Während der Krawalle zum G20-Gipfel in Hamburg befand er sich dienstlich selbst dort und hat einige Polizisten kennengelernt. Mehr Unterstützung wünscht er sich für sie.

In Icker fest verwurzelt

Jahrelang war er Elternsprecher an der Thomas-Morus-Schule in Haste, die seine Tochter besuchte, so wie er einst auch. Irgendwann wollte er nicht mehr nur meckern, sondern sich engagieren, trat Anfang 2016 bei den Grünen ein, wurde in den Belmer Rat gewählt – und ist nun plötzlich Bundestagskandidat. Er stehe für mehr Bürgernähe, sagt er. „Wenn ich Parteipolitik auf Bundesebene sehe, haben wir sehr viele Politiker dort im Bundestag, aber wenig Bürger.“ Das will er ändern. Politisch interessiert sei er schon immer gewesen, sagt Westermann, nicht zuletzt durch seine Aktivitäten in diversen Vereinen: Bürgerverein Icker, Schützenverein, Kolping, Sportverein SUS Vehrte und noch einige andere.

In Icker wuchs Günther Westermann als Sohn eines Lehrers und einer Küsterin auf. Nur geboren ist er in Osnabrück; als er drei Jahre alt war, zogen seine Eltern mit ihm und seinen drei älteren Geschwistern nach Icker. Hat er Icker nie verlassen? „Nie“, sagt er und grinst. „Viele fragen immer: Wie kannst Du nur?“ Beruflich komme er genug herum, findet Günther Westermann. Der gelernte Großhandelskaufmann ist regionaler Verkaufsleiter für Henkel/Schwarzkopf in Norddeutschland und damit der Chef derjenigen, die Friseuren die Shampoos verkaufen.

Mehrgenerationenhaus

Die Familie ist dem 51-Jährigen wichtig. Seine Eltern leben im Erdgeschoss, er, seine Frau und 18-jährige Tochter wohnen oben. „Das ist eine Struktur, die wir sehr viel öfter haben sollten in Deutschland“, sagt er. Nur eines fehle: die Nahversorgung. Nicht mal einen Bäcker gibt es in Icker. Für Westermann kein Problem, er hat E-Bike und Auto. Für seine Eltern ist es dagegen schwierig mit der Mobilität. Die Förderung des ländlichen Raums hält er daher für sehr wichtig. Und wo wir schon beim Thema Mobilität sind: Den geplanten Radschnellweg zwischen Belm und Osnabrück findet er „ganz wichtig“. Damit werde Belm auch als Wohnort für Studenten aus Osnabrück attraktiv.

Kontakte in die anderen Wahlkreiskommunen

Westermanns Wahlkreis ist groß, umfasst neben Belm die Stadt Osnabrück, Georgsmarienhütte, Hagen a.T.W, Hasbergen und Wallenhorst. Durch Verwandtschaft hat er auch in die übrigen Kommunen Kontakte, zur Stadt vor allem über den Sport und die Thomas-Morus-Schule. Und natürlich hat auch er eine Meinung zum Neumarkt: Die Sperrung für den Individualverkehr müsse jetzt endlich in Angriff genommen und umgesetzt werden, findet Westermann. In Osnabrück werden einige seine Ablehnung der A 33-Nord nicht gerne hören. Der Bürgerverein Schinkel beispielsweise wartet sehnsüchtig auf ihren Bau. Andere Positionen akzeptiere er, doch er ist der Meinung, dass es mit der B218 zwischen Ostercappeln und Bramsche und der neuen B51, die zurzeit in Belm gebaut wird, eine gut funktionierende Umleitungsstrecke gebe.

Letzter Listenplatz

Der Ickeraner steht auf dem 24. und damit letzten Listenplatz. Dass er keine Chancen auf ein Mandat habe, will er aber nicht hören, lieber spricht er von „wenig Chancen“. „Mein Ziel ist, in den Bundestag zu kommen“, sagt er. Realistisch hält er ein Ergebnis von 15 Prozent.

Die Kandidaten für die Bundestagswahl der Stadt Osnabrück (Wahlkreis 39) im Porträt:

Die Kandidaten für die Bundestagswahl im Wahlkreis Osnabrück-Land (Wahlkreis 38) im Porträt:


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